Die Zwei mit der Raute; wer war Erster?


„Wir“ natürlich. „Unsere“ Kanzlerin zu Berlin zeigt immer wieder und immer wieder die inzwischen berühmt gewordene Merkelraute. Man sieht sie, ohne sie zu sehen, und weiss sofort: Aha, dass ist doch…. Aber das ist falsch. Die deutsche Bundeskanzlerin schmückt sich mit fremden Federn, äh, Händen.

Der rechtmäßige Eigentümer der Raute ist unser Bürgermeister Adem Murat Yücel. Unser Bürgermeister, weil er jahrelang die Bürger unserer Gemeinde Kestel meisterte. Das machte er so gut und immer so nahe an uns Bürgern, dass wir ihn bei den letzten Wahlen an die Stadt Alanya ausliehen. Wir Bürger lieben ihn mit seinem Dauerstrahlen, auch wir Yabanci, wir Fremden. Zurück beordern können wir ihn nicht mehr, denn flugs hat er Kestel eingemeindet. Schiet.

Nun strahlt er uns wieder einmal großformatig an und zeigt seine Raute vor. Ich zichtige uns` Kanzlerin des Plagiats. Sie muss irgend wann einmal in grauer Vorzeit hier gewesen sein und hat sich diese Raute antrainieren lassen. Wie so Vieles andere auch.

Nota bene: von Türken lernen heißt siegen lernen!

Frau Dr. A. M. verschob ja so einiges mehr oder weniger Wichtige bis nah den Wahlen, was man verstehen muss. Vielleicht findet sie nach deren Ergebnis ja den unverschämten Mut, unserem Adem Murat bey hier an dieser Stelle zu danken für sein Vorturnen in Sache Raute?

 

 

 

. . . iss nicht Fiesch mit Mässärr. . .


. . . iss nicht Fisch mit Messer, wenn du Gabel hast . . .

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kommst du nicht zum Fisch, dann kommt der Fisch zu dir – heute frisch eingerollert durch meine Liebste: “ Schau doch mal, was für superfrische zwei Wolfsbarsche, heute früh gefangen extra für uns vor Alanyas Küste. Seit Jahren gehen wir meist zu unserer molligen Fischfrau hier in der Mahallesi, sie macht sie so überaus lecker, wendet sie in Maismehl und brät sie so überaus lecker.

Da bei uns derzeit Fett im Futter ungern gesehen wird, alles fettfrei oder mindest -arm. Keine mollige Fischfrau – und so einige fischige Restaurants in Alanya, können uns keine Begeisterungsschreie mehr entlocken. Die gebackenen Mittelmeerköstlichkeiten zwar gut zubereitet, dann lieblos mehrere Sorten auf den Teller geschichtet, nicht so unser Ding.

Als Vorspeise gab es die Innreien insoweit essbar, einfach köstlich. Der Händler wollte sie wegwerfen, aber Köpfe und alles Inneres aus den Wolfsbarschen bekommen heute Abend noch die Straßenkatzen.

Ein erstes Mal wurden die Wölfe auf dem Wasser erst zart gedünstet und hernach auf dem Rost über aromtische Mehle aus der großen Sägerei in Oba geräuchert. Ein Genuss rundum. Afiet olsun – und esst doch auch mal wieder Fisch! Ist übrigens noch was da – für Hungrige . . .

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. . . in die Ecke alter Besen . . .


Stil sei nicht das Ende eines Besens weiß des Volkes Mund. Einer unserer Besen wurde in den wohl verdienten Ruhestand, sprich in den Müll, geschickt. Sein Haupt wurde im Laufe seines Lebens immer kahler; schließlich nahm er mich zum Vorbild. Besens Nachwuchs musste her. Kestel-Dorf wächst uns immer mehr zu. Alte Geschäfte bescheiden und mit durchweg immer freundlichen und hilfsbereiten Inhabern.

Meine liebe Frau schrieb mir Türkisches auf einen Zettel, damit ich nicht etwa Dondurma mitbringe, sondern eben die richtige Sorte Besen. „Am besten fahre ich dann doch selbst mit. Ich weiß ja nicht, ob  der Alte geduldig bleibt bei dieser Investition.“ 

Nun hat der Neue den ihm zustehenden Platz im „Phaeton“ eingenommen. Sonst sitzt Luiz immer auf diesem Stühlchen. Nun lenkt sie ihn und das Auto nach Hause, weil ich noch zu Eyüp wollte zwecks Verschönerung. Etwas bange war mir schon, ob sie mit dem aerodynamischen Luftfahrzeug nach Hause fliegt und das Auto in Kestel am Straßenrand lässt. Meine Sorge war umsonst, alles ist heil eingetroffen. Heute hat der Besen noch frei, aber morgen wird er ein strammer Feger sein . . .

. . . Weit weit unter den Göttern auf dem Nemrut . . ‚


. . . weit weit unterhalb der Götter auf dem Nemrut kann man an vielen Tankstellen in unserer Wahlheimat Türkei ADD BLU in seinem Diesel auffüllen, soll er sauber arbeiten. Die unheilige Alianz aus Automobilindustrie, UBA und Politik hat gewiss ihre Gründe, dass ein gedieselter Angeschmierter seine pisspottkleinen Behälterlein nicht nachfüllen darf . .

 

Die Drei vor der Tankstelle . . . 


Es ist halb fünf Uhr in der Frühe. Dem neuen Tage graut es schon, als drei mehr oder weniger leicht Derangierte den Fernbus hoch oben aus Anatolien vor der PO-Tankstelle in Kestel verlassen. Zwei strecken ihre langen Glieder, einer seine kurzen. Aufatmen. Zuförderst hieß es´, ein Ausstieg außerhalb des regulären Halts zu Alanya sei  nicht möglich, zuviel Aufwand beim Entwirren der Utensilien der Mitreisen koste zuviel Zeit. Ein freundlicher türkischkurdischenglischer Austausch mit dem Kaptan: problem yok, ihr steigt hier aus. 

Der um einiges mühselige Ausstieg wird belohnt mit einem fulminanten Frühstück belohnt und mit einem richtigen Bette, einer richtigen Dusche, einem ruhigen Schlaf in den schönen Tag hinein.  Ein Blick zurück: Karamanmaraş hat uns seine Rückseite gezeigt, wir waren gegenseitig nicht interessiert aneinander. Bis auf den Giğer-Brater mit seinen Superstückchen delikater Leber vom Spieß herunter.

Das für den Morgen geplante Superhyperfrü´hstück bei Mado fiel nicht aus, es war nur furchtbar. Seit Kriegszeiten habe ich keine Graupensuppe mehr genießen müssen und selbst damals war sie, wenn es sie denn gegeben hat, nicht so scheußlich wie bei einer Madofütterungsstation in Karamanmarash, serviert von zwei tief verschlafenen Dienstunwilligen. Da wendet sich der Gast mit Grausen. 

Abreise mit nur leicht knurrendem Magen nach Osmaniye, Zwischenhalt in Adıyaman. Ihr müsst hier raus aus dem Bus, ihr nehmt den nächsten! Euer Gepäck ist schon ausgeladen. Überbucht offenbar so unter der Hand, gar nicht so selten hier. Als der fette Kaptan beginnt, laut herumzubrüllen, war meine Stunde gekommen. Lasst uns den Fall in aller Ruhe klären, bittet euren Müdür, die Jandarma, die Zabita hinzu. Sofortige Ruhe, die berauchen wir doch allesamt nicht. Bitte steigt wieder ein, euer Gepäck wird wieder zurückgeladen und ihr kriegt Sitzplätze mit Garantie. Na bitte, geht doch.

  • Osmanıye empfängt mit schlichten einundvierzig Grad Wärme. Bestens auszuhalten in einem lauschigen schattigen Cafégarten, der beste Türkischcafé der Welt! Einiges mehr als leicht transpirierend schleichen die Drei durch diese urige Stadt, Ruhe in der großen Camii und sind dankbar. 

Unseren am Gaumen klebenden Zungen spiegelt eine Fata Morgana gut gekühlte Melone vor – es dauert, bis dieses Trugbild verschwand. Auf dem großen Basar zu Osmaniye. Ein beherzter Händler sah uns leiden, Andreas bringt ihn zu realem Tun. Ein zerschlissener Stuhl, zwei Gemüsekisten, eine Pappe als Tischtuch, ein scharfes Messer – und eine Riesenmelone. Schlachtfest! Fleisch sei ein Stück Lebenskraft, suggiert die dafür zuständige Lobby! Wie recht sie hat, schließlich betrifft das ja wohl auch Fruchtfleisch. So süß, so wohlschmeckend war noch nie eine Melone! Sie lief in den Bart, sie tropfte in den Hemdkragen, M-e-l-o-n-e  eben. 

Adieu, ihr Götter auf dem Nemrut, adieu ihr freundlichen Gastgeber im Kaff Karadut, und tschüss Karamanmaraş, danke allen Freundlichen, allen Gesprächen, allen, die für uns kochten, für die Dienstleister, Dank auch dem sympathischen Syrer, seit fünf Jahren schon versieht er seinen Dienst an einer Busstation! Wir sind wieder da, wo wir hingehören. In der Mahallesi hinter dem wild schäumenden Dimçay. Und wieder mit der Sehnsucht im Herzen, vielleicht noch ein drittes Mal, denn wir kennen die des Ostseite des Nemrut doch noch gar nicht . . .

Da habeich doch glatt etwas doppelt berichtet, sollt ihr tolerieren, worum ich gar artig bitte – die Waagerechte soll sogleich wieder eingenommen werden – danke!

Des Morgens um Sieben ist die Welt nochin Ordnung . . .


. . . und ein Jeglicher, welcher diese Ordnung stört, kriegt schon seine Rüge. Es ist erst halb Sieben und es ereilt mich, den nich habe die heilige Ordnung erheblich gestört! Auf dem Wege zur gemeinschaftlichen Dusche in unserer Absteige vom Viersterneservice in Karadut zu einem auch schon leicht verblichenen Viertelstern hier in im Zentrum Karamanmaraş.

(Un-)bekleidet mit einem sittsam schwarzen Külot, denn im Duschbade gibt es keinerlei Haken in den Wänden. Um halb sieben schläft man hier noch. nur ein junger schwarzer Vollbart tritt aus den Spionagespiegeln und weist mich leicht drängelnd zurück: Anziehen du Ferkel! So dusche ich bei angelehnter Tür den Schmutz der Großstadt vom Balge,, denn die hat Hemd und Külot zu tragen und das Handtüchlein. Imerhin ist das Etablissement frei von Wanzen. Dieses leicht zu kontrollieren durch die abgelösten Ritzen in den Tapeten. 

Dafür leisten wir uns heute ein Luxusfrühstück in einem der Madocafés in der Stadt, ehe die Reise weiter geht nach Osmanıye, soll sehr schön sein dort. Leistung soll sich bekanntlich lohnen, richtig? Warum wir nicht im geplanten Ort, mit fällt der Name schon bald wieder ein, landeten, sondern hier? Der Hotelier in Karadut erbot sich, uns in die Metropole namens Kahta zu bringen, so weit so gut. Dort fährt einem fahrbereiten Bus in die Quere, der muß halten – her, nimm die drei Jabancı mit nach Karamanmaş mit, er hörte wohl, dass wir diesen Namen besprachen. 

Andreas ging dieser fliegende Wechsel zu schnell, er hatte doch schon anders geplant, Luise und ich reisen immer so, wie es gerade kommt. Wir schnappten beide hörbar ein, ein Busbahnhof in Adıyaman. Mehrfach saßen wir auf den falschen Plätzen. Überbucht, raus mit euch, ihr fahrt mit einem anderen Bus von Ünal weiter. Aber der fährt erst in zweieinhalb Stunden. Nein, nicht mit uns, als der Kaptan  laut  brüllt und uns  beschimpft, da gab es drei Zauberworte: Müdür, Police, Jandarma –  nein nein, plötzlich war alles wieder Freude und Eierkuchen, da Gepäck wieder zurückgeladen und wir hatten nun garantierte (!) Plätze.

Gut gemeint hingegen immer das Gegenteil von gut gemacht, ich war etwas schmallippig auf dem Trip – und hielt mich fürderhin aus der Reiseplanung heraus.

Selbst der Stadtbus in Maraş machte Zicken und entließ die gute Luft aus einem Reifen. Die beleibten Fahrer ratlos, stiegen aus, sagen auf gut kurdisch, was auf türkisch bock heißt und traten abwechselnd dem bösen Reifen in den Hintern. Ehe sie ihre Taschentelefone zückten. Erst dann fielen ihnen die Dofen ein, die ein solchen Bus als Transportmittel benutzten.  Inzwischen war ein halbes Dutzend Stadtbusse vorbei.

Ein Caycı begrüßt die Angebissenen mit je einem Glase des belebenden Getränks, will kein Geld von seinen lieben Deutschen! Türkei, kurdischer Teil, auch bezichtigen uns viele Menschen der Nähe zu Deutschland, wir seien etwas Besonderes und wenn wir wieder ….

Die delikatesten Leberstücke, heiß vom Spieß, herzhaft gewürzte Lederscheiben versus ekmek darauf, Salat wie frisch aus dem Garten, kühler Ayran aus großen Gläsern, freundliche Gelassenheit durchzieht Verdauungsorgane und Seele. Die Welt war rundum in Ordnung und die von Deniz und Andreas gefundene Bleibe – o.k., aber das Ersparte fließt am heutigen Morgen in die Kassen Mados – vielseitig und teurer, verrät das Internet. Welches die Lira mit Heißhunger schlingt, vermutlich habe ich Bei der Bimliratankstelle in Kestel nicht nachhaltig genug gesagt, dass die Tanke für das internet gedacht ist. Verd…te neumodische Technik. 

Für den Abend verrät das net, das dem Kundigen Auskunft erteilt über einen Dondurmacı. In unsereren Köpfen entsteht ein Eiskafé mit tausend Sorten Karamanmaş Eis, eine winzige Spelunke mit einem feuchten Tischlein und einer Sorte aus dem Kübel. Deniz wie üblich doppelte Portionen! Und anschließend die Suche nach einem sündigen Bier, muss man verstehen, wenn die Zunge vom Eise an den Gaumen geklebt ist. Ein Dutzend Händler mit Nahrhaftem, die so aussehen, als ob, böse Blicke teils ob der sündig aussehenden Drei, einer davon sogar Antialkoholiker. Ein Tekel verweigert die unanständige Anmutung, das Äffässmalt gleich in im Laden zu genießen. Der nächste Hauseingang wird ständig begangen, bleibt die „Lobby“ in unserer Bleibe für diese eine Nacht, köstlich, es war auch nur erst mäßig vorgewärmt . . .

Frühstückskohldampf plagt den Verdauaungstrakt, aber den Herren Andreas und Deniz beliebt es, länger zu ruhen, es ist es acht Uhr und wir sind für Neune verabredet . . . Dann Mado, dann Reise Reise . . .