Manche Privilegien sollten dringend erhalten bleiben.


wp-1474820052906.jpegDer Fahrer mit dem amtlichen Kennzeichen 07 UC 499, aus Alanya möge bitte mit seiner Rostlaube die für unseren Phaeton  reservierte Privatstraße zwischen Yeşilköy und Gasıpaşa künftig weiträumig umfahren, sonst…

Tja, was sonst – sonst könnten wir im Phaeton die rustikale Fahrt am Mittelmeer nicht mehr genießen, weil wir auf solchen Gegenverkehr achten müssten. Dann entging uns, das die gömlekler der heranreifenden Bananen in diesem Jahr als kleidsames Blau kreiert wurden. Auch die Mangaldüfte aus den Erholungsplätzen wären durch Benzin- und Dieseldüfte überlagert.

Eine kleine Traumreise am heutigen Sonntagnachmittag. Wir genossen unsere Gemeinsamkeit ein weiteres Mal wieder ohne Worte. Nur bei einem Zwischenstopp murmelte meine Liebste etwas von einer Krachmandel. Phaeton  und ich überhörten das vornehm. Brav.

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…. unsere abendliche blaue Stunde….


Es ist so kurz nach neunzehn Uhr an diesem 24. September. Es dämmert über dem Mittelmeer – noch ist es Zeit für die Neunzehnuhrnachrichten auf dem so intensiv informierenden Zweiten. Dieses Vergnügen kriegen wir hier erst um zwanzig Uhr. Nach dem Willen Dessen, der in unserer Wahlheimat Türkei sogar die Zeit anhalten kann, demnächst erst nach Neune…

Auf dem Balkon hinter dem wild schäumenden Dimçay genießen wir diese Zeit zwischen Tag und Tau, nach dem heißen Sommer nun mit Jacken an….

Kalt war der Abendhauch…


img_20160922_181247.jpg. aber erst auf der Rückfahrt mit unserem „Phaeton“, unserer Kutsche, unserem çabuk ekmek heute Abend in die Umgebung. Vom Winde verweht die Haarpracht meiner Liebsten, Restsonne auf den Hügeln um Alanya und überm Stausee. Pinien- und andere Düfte in den Nasen, eine Seltenheit in Alanya.

img_20160922_181319.jpgFröhlich Winkende allenthalben, halb Spott, halb Freude an den beiden Alten. Die erlernten wieder mehr, sich per Gebärdensprache lebhaft zu unterhalten; der sound des Motörchens macht es möglich – Daumen rechts, guck mal, das wechselnde Abendlicht, Daumen links, guck mal, da die Granatäpfel an den Bäumen; wir widerstanden!

img_20160922_183950.jpgDie Jandarma fuhr extra langsam, fröhliche Tankwarte wechselten sich ab, unsere fünfkommazwei Liter Treibstoff einfüllen zu dürfen. Hindurch durch die Scheußlichkeiten der Abfütterungstationen den Dimçay weiter oben, sich überbietend mit einem Überangebot an Reklametafeln.

img_20160922_183316.jpgErst nach ihnen öffnet der Tosmur Canıyon seine ganze ursprünglich erhaltene Schönheit. Kühl der Abendhauch, Phaeton steht wieder in seinem Schlafplatz. Wir bald auch! Wärme im Herzen. Glück.

 

Edirne – ein eindrucksvoller Empfang….


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Die große Moschee in der Grenzstadt Edirne empfängt meine liebe Frau gestern Abend, 18.09.2016 nach ihrer Fahrt in die Balkanstaaten wieder in unserer Wahlheimat Türkei.

Vor einigen Jahren waren wir gemeinsam auf unserer Rundreise auch in Edirne, waren die einzigen Besucher in dieser Andachtsstätte – so lange, bis Reisende aus Europa lautstark einfielen….

Ein Bild, im Hintergrund die Moschee, erworben in einer Ausstellung der Kunstakademie Edirne, erfreut uns zu Hause, allerdings sparsamer beleuchtet…. Edirne hat etwas….

Das anstrengende Leben mit dem Olive


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Der Olive heißt auf türkisch Zeytin und dieser Olive ist seit einer Woche Wohn-, Schlaf-, Fress- und Sch….gast bei mir. Seine Leute sind zusammen mit meiner lieben Frau munter auf dem Balkan unterwegs. Nun, wir haben einander arrangiert, etwas mehr wohl als übel. Jetzt tut das Vieh, was ich gern täte: schlafen!

Ich versuche ja ständig, mich zu emanzipieren, aber es gelingt nicht. Allmorgen ist ganz frisch und neu – des Hundes Lebenslust. Mein schöner Nachschlaf nach dem Schlaf – gestrichen! Ab Nullsechsuhrdreißig ist die Nacht unwiderruflich zu Ende. Reagiere ich nicht auf die nasse Zunge an meiner Hand, befasst sich der Olive mit meinem Zeh. Aua! Begleitet von einer Tonorgie.  Mein Schlafbedürfnis interessiert ihn nicht die Bohne.

Gespielt wird jetzt nicht, befindet Zeytin, ich will raus, komm sofort, lass meinetwegen den Schlafanzug an. Eine Stunde lange schnüffelt da jemand an jeder Mülltonne, hebt an jedem Strauch sein Bein für einige wenige Tropfen, muss ja lange vorhalten. Und kackt! Türken finden das nicht gerade fein, also runter mit dem müden Haupt, einen Stein aufgehoben und den Haufen zugedeckt. Von Türken mit Wohlgefallen vermerkt.

Ein Hund kriegt nichts bei Tisch, alte Volksweisheit. Aber warum habe ich dann immer nur noch die Hälfte meiner abgewogenen Brotration im Magen? Wo der Hund doch nichts bei Tische bekommt? Reichlich haben seine Leute mich mit Hundeknüddeln versehen. Das Vieh frisst sie erst, wenn ich meinen Yoğurt mit ihm teile.

Jetzt herrscht Ruhe, inshallah, aber nur so lange, wie mir ein vollgesabberter Tennisball auf die frische Hose gelegt wird. Dann geht es noch einmal hinaus und, weil es so herrlich ist, gleich am Abend noch ein- oder zwei Mal.

Die Teppiche liegen aufgerollt in der Ecke, gespielt und mit dem Ersatzherrchen gerauft wird auf dem blanken Fliesenboden. Die Aufgabe dürfte irgendwann ihr Ende finden, sollten seine Leute und meine Liebste gelegentlich wieder vom Balkan herunterfinden und sich auf dem heimischen Balkon niederlassen.

Volkes Mund weiß ja davon, dass alte Säcke sich rasch dem Aussehen ihrer Hunde nähern. Bei kritischem Blick in den Badezimmervergrößerungsspiegel zeigt es sich. Meine Bartbehaarung ist genau so strubbelig wie die des Zeytin…

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Spieglein Spieglein – SPON


Der deutsche Staatsbürger Hasnain Kazim fühlt sich in sich in erster Linie als Bürger mit Migrationshintergrund. Er „beansprucht“ Deutschland für hier geborene Kinder von Migranten wie für Zuwanderer jeder Art und empfiehlt Deutschen ohne Migrationshintergrund, sich mit ihrem „Fremdsein“ abzufinden.

….. irgendwie an der Zeit, sich einen längeren „Urlaub“ von der etwas ungut gewordenen Aneinanderreihung von Wichtig bis Superwichtig zu gönnen. Es gibt nachhaltigere Lektüren mit Meinungen und ohne Wortgeklingel. Und tschüss..

Noch lese ich den Spiegel im Abonnement und SPON auch täglich. Aber dann kommt die Zeit des sich selbst Nachfragens, wo noch der geistige Nährwert ist. Einer seiner Korrespondenten, in unserer Wahlheimat nicht mehr akkreditiert, verschüttet nun aus Wien seine Worthülsen… muss nicht mehr sein! Tschüß

 

Phaeton – mein Mann hatte auch….


img_20160905_153748.jpgPhaethon (Mythologie), Sohn des griechischen Gottes Helios bzw. von Helios‘ Schwester Eos – abgeschrieben von Wikipedia

Es ist eine Freude, mein´ Phaeton zu fahren, es gibt so viele fröhliche Gesichter; ganz Alanya scheint voll davon. Niemand knötchert, oder ich überhöre es; der sound… Vor wenigen Tagen ein small talk in offenbar besserer Gesellschaft. Das Wetter war abgehakt, irgendwie kam man*frau auf die vier Räder zu sprechen.

„Und welches Auto fahren Sie?“

„Meine Frau und ich bewegen mit Freude unseren Phaeton!“

„Oh, wie großartig, ein Phaeton! Mein Mann hatte auch jahrelang, als er noch in Amt und Würden war. Man sieht sie zu selten hier in der Türkei! Sind sie damit hergekommen?“

„Klaro, er steht vor dem Haus…“ Freudig springt sie hinaus, bei der Rückkehr in unsere mehr oder weniger erlauchte Gesprächsrunde hatte sie deutlich sichtbar die dünne Oberlippe. Ich war ihr keines Blickes mehr würdig. Es ist ein hartes Angehen, muss man sich das Grinsen aus dem Gesicht wischen.