I(gitt)stanbul


Istanbul – gestern noch ein Superfrühlingstag, heute weint der  Himmel sich die Augen aus. Zeit, meinem widerspenstigen Freund Android, genannt „das Tablet“,  den Kampf mit der Tastatur anzusagen und Erlebtes in ihn hineinzudiskutieren. Heute habe ich den Kampf nach Punkten gewonnen – scheinbar, warum macht er aus Punkten Puhktxen – Biest böses. Aber den dritten Tag Istanbul habe ich in ihn hineingewürgt…. Viele Grüße aus der Regenstadt, Peter Hockenholz

 

 

Istanbul


Diese Tage in Istanbul sind so ausgefüllt – aber abends ist immer noch Zeit, Erlebtes und Gesehenes aufzuschreiben – so weit mein eigenwilliger Freund Android, auch genannt „das Tablet“, es nicht so prall findet – und es eigenwillig eben mal wieder löscht……

Aber Istanbul dauert – leider – nur noch wenige Tage….. Bis zur Rückehr hinter den wild schäumenden Dimcay viele Grüße von Peter Hockenholz

 

 

Schöne Aussichten (Belle vue)


Schöne Aussichten (Belle vue)

Die Berliner Bären sind unter Beifall verteilt, auf ein Neues im nächsten Jahr. Um das Fell des Präsidenten-Bären haben sich die Auguren gerissen – und ein Jeglicher nimmt für sich in Anspruch, die ganze Hetzjagd positiv gelenkt zu haben. Hatte man uns nicht versprochen, dieses Mal alles anders zu machen? Ach so, es geht wohl doch nur um die Persönlichkeit des neuen Bundespräsidenten…

Egal, man hat sich nach üblem Hickhack zwangsweise einigen müssen auf einen honorigen designierten neuen Bundespräsidenten. Der Herr Joachim Gauck scheint die ultima ratio; er wird dem höchsten Staatsamt die Würde zurück erarbeiten. Er hat genügend politische Gegner, die ihn mehr oder weniger hatten akzeptieren müssen. Und die werden ihn im Fokus haben, um ihn auch mal mit dem Finger im Honigtopf zu erwischen. Es scheint ihm, schon auf Grund seiner Biografie, nicht zuzutrauen, mit beiden Händen hineinzugreifen und sie hernach an des Amtes Würde abzuwischen.

Müssen wir nicht der lahmenden FDP nicht Lob und Dank zollen, nachdem sie quasi auf dem Sterbebett noch einmal alle Kräfte mobilisierte und allen, die nach dem Hinterzimmer strebten, um nach bewährter Manier zu kungeln, ein Bein gestellt hat? Danke also für diese einmalige Guttat – gehe nun hin in Frieden, tüchtige überflüssige Klientelpartei.

Den künftigen Präsidenten kenne ich nicht, wohl aber seine damalige Behörde in der Ostberliner Normannenstraße. Die Lektüre dort ging an meine Substanz. Ausgelöst durch die markige Kopierstiftunterschrift eines Herrn Mielke geschah neben vielen vielen vielen vielen anderen Morden aus politischen Gründen der Mord an meinem Vater. Belegt durch die konspirativ getrunkenen Kaffees und Mahlzeiten kostete dieser Mord ca. Deutsche Mark Ost 84,15; die Summe ist mir nur noch fast in Erinnerung. Mehr war ja auch gar nicht nötig, denn der Mord in den Fängen der sogenannten Staatssicherheit war ja auch nach nur vier Wochen erledigt. Ein Mord aus politischen Gründen. Der Pubertierende von damals sieht auch heute noch den verdreckten verbluteten Anzug, der ausgehändigt wurde….

Erst nach der Wende war es möglich, diese widerwärtige Lektüre lesen zu müssen – und den Vater vor dem Kammergericht in Berlin gerichtlich rundum rehabilitieren zu lassen. Dank der Fakten in Gaucks Behörde.

Sehr wohl ist bekannt, dass die berüchtigten Nachvornegucker, die immer wieder neue Nachvornegucker hervorgebracht haben, alles gerne vergeben und vergessen machen wollten. Die Linksgestrickten hatten und haben auch allen Grund, so viel wie möglich unter dem Deckel zu halten und in klebrigen Talgrunden drumherum zu schwafeln…

Viel viel Glück, Herr Bundespräsident in spe!

Peter Hockenholz am 20. Februar 2012

Kestel Alanya-Türkei

Adé….


Sehr geehrter Herr Bundespräsident adé!

Als temporärer Schlossbenutzer haben Sie ungeplant Ihr Domizil gewechselt, wechseln müssen; geplant haben Sie das gewiss nicht. Bei Ihrem Aufenthalt im Schloss Bellevue, schöne Aussicht, hatten Sie ja den Überblick übers Große und Ganze, richtig?

Bei solchen Sichtweisen kann man gar nicht mehr wahrnehmen, mit welchen engen Horizonten versehen die Untertanen alle die Ungerechtigkeiten wahrnehmen, die Ihnen alle die Bösewichte, vor allem jene der Presse, so niederträchtig zufügten.

Aber, sehr geehrter Herr Bundespräsident adé, wäre ich Leitender eines großen Presse-Konzerns und hätten Sie mir auf meine mailbox gequatscht und gedroht, ich wäre stinkbeleidigt und längst nicht so erhaben darüber. Sondern hätte meinen Mitarbeitern dringend angeraten, nun erst recht nicht locker zu lassen. Hätten Sie doch nur meinen offenen Brief gelesen, dann wäre Ihnen manches erspart geblieben.

Aber  nun haben Sie das ja  alles hinter sich – fröhliches Privatisieren in Großburgwedel! Nicht vermeiden lässt es sich für Sie künftig, gelegentlichen Kontakt zu meinesgleichen, dem kleinen Manne von der Straße, zu haben. Wenn Sie zum Beispiel in das Möbelhaus dort zu fortgeschrittener Stunde essen gehen, weil es dann billiger ist und Sie ja nun auch sparen müssen, dann könnte einer wie ich neben Ihnen stehen – und Ihnen einen (un-guten) Appetit wünschen. Nun machen Sie´s mal gut in Burgwedel. Und wenn der Staatsanwalt Sie zu freundlichem Meinungsaustausch vorlädt, dann beherzigen Sie meinen guten Rat: machen Sie einen ordentlichen Diener – und vor allem drohen Sie ihm nicht. Das nimmt er übel!

Das muss sie aber nicht weiter kränken, immerhin haben Sie ja mal in einem Schloss residieren dürfen. Außerdem haben Sie ja Ihre vermögenden Freunde. Aber sind Sie da sicher? Jetzt, wo Ihnen nichts mehr vom Glanze der Metropole blieb? Ob die Sie dann noch weiterhin benutzen werden? Und ein Urlaub ohne den gepumpten Glanz großartiger Villen und exquisiter Hotels? Aber keine Sorge, auch Klassen tiefer kann man hervorragend urlauben.

Wenn Sie wüssten, wie herrlich es hinter dem wild schäumenden Dimçay, gelegen zwischen Tosmur und Mahmutlar ist. Machen Sie doch mal die Probe, wenn Sie sich vom Stress Berlins erholt haben – und erholen Sie sich weiter unter normalen Menschen in der Türkei! Hoş Geldiniz, Herr Wulff. Der Bundespräsident dürfte dann irgendwo im Schrank hängen und die durch und durch ehrlichen Anerkennungsschreiben vergilben in einem Ordner – oder sind in einem Shredder doch ganz gut aufgehoben. Interessiert es Sie, dass ich einen geheimen Wunsch äußere: dass die Bundesrepublik Deutschland nach Ihnen wieder einen RICHTIGEN Bundespräsidenten erhält!

Peter Hockenholz am 18. Februar 2012

Die Bar-Kralle


Tja, so war das vor eigen Jahren hier in der Metropole namens Alanya. Ob das immer noch ist, habe ich als bekennender Busfahrer nicht weiter ergründet....Nützlich für Alanya – die Bar-Kralle

Musste eine bass erstaunte Öffentlichkeit zur Kenntnis nehmen, dass die Stadtverwaltung die falsch geparkten Autos jahrelang durch ein Unternehmen verschleppen  lässt, welches Steuern ohne Ende hinterzieht, so ist sie mit derselben Behörde nun tieftraurig, dass der Strom der Schleppgebühren in das Stadtsäckel nun so abrupt versiegt ist.

Da Behörden auf der ganzen Welt doch immer sehr interessiert sind, zumindest aber an der Mitarbeit durch den mündigen Bürger interessiert zu sein vorgeben, will Peter sich ausgereiften Vorschlägen nicht entziehen.

Dabei ist die Idee durchaus nicht neu erdacht, sondern sie wird zum Beispiel in Tunesien und im Iran seit Jahren höchst erfolgreich praktiziert, der Einsatz der Parkkralle. Diese um einen Reifen des sündig gewordenen Automobils mit Stacheln nach innen gelegt und abgeschlossen, hindert erfolgreich die Weiterfahrt. Diese wird erst ermöglicht, wenn der Verbotswidrigparker, der Bürgersteigbeleger sich zum Amte bemüht und Buße tut für seine Sünde, bar, versteht sich. Dieses reichlich, denn überall auf der Welt sind die Behörden hungrig auf den Inhalt der Geldbeutel der Gebeutelten.

So eine Barkralle ist doch höchst wirtschaftlich und die Anschaffungskosten sind nach wenigen Malen ihrer Anwendung schon wieder drin. Wenn die Stadtverwaltung Alanya diese nützlichen Gerätschaften zur Anwendung bringt, wie es im Behördendeutsch so schön heißt, tut sie doch gleichzeitig etwas zur Imageförderung, wenn die Zuranwendungbringung durch besonders attraktive Hostessen erfolgt. Ein flirtender Blick in die blanken Augen unter einem Kopftuch – ein flüchtiger Wunsch, sich eine der Schönen wenigstens in Gedanken krallen zu dürfen und schon befindet sich die Bar-Kralle am linken Vorderrad.

Vor dem Haupteingang der Bellediye/Gemeindeverwaltung, wäre unter einem bunten Sonnenschirm ein gestrenger durch und durch unbestechlicher Beamter mit handbetriebener Registrierkasse zu setzen, denn eine der vielen fehlenden Stromlieferungen durch den Tedaş bei einer Computerkasse sollte nicht noch strafverschärfend wirken. Auch die Möglichkeit des Bezahlens mit Kreditkarte sollte möglich sein. Die Kartenzahler erhalten einen Aufkleber mit dem KKK an die Windschutzscheibe: Zahlungspflichtiger mit Kredit-Karten-Kralle – zehn Mal im Voraus zahlen, acht Mal sündigen dürfen.

Ist eines Tages bei aller Akribie des Amtes nun wirklich überhaupt kein Sünder mehr auszumachen, weil all die kleinen Sünderlein sagen wir mal, auf dem Flughafentorso in Gazıpaşa ihre Vehikel abstellen, könnten die als Souvenir an die Touristen verkauften Bar-Krallen Geld für neue Ausgaben zum Wohle der brav gewordenen Bürger beschaffen.

Sind dann erst sämtliche Straßen der so schön gewordenen Innenstadt entmotorisiert, ja dann könnten die subwooferergänzten Wohlklänge aus den einschlägigen Etablissements der Vergnügungsindustrie bis früh um drei Uhr, ganz so, wie es der Herr Bürgermeister gern sähe, ohne Störung durch Motorengeräusche den Burgberg hinauf schallen und sanft über dem Hafen und dem angrenzenden Mittelmeer ausklingen.

Ist in einer nahen schönen Zukunft in Alanyas Hafengegend und um herum entautorisiert, weil sich nur noch Brave und Passanten zu Fuß und höchstens mal ein mehr oder weniger klappriges Fahrrad dort hin verirrt, dann muss die Einnahmequelle durchaus nicht versiegen, ganz im Gegenteil!

Haben weise Stadtstiefväter doch einen recht happigen Katalog von lässlichen wie schweren Sünden erarbeiten lassen, welche mit gar nicht lässlichen, eher mit happigen Geldbussen zu sühnen sind, der Alanya-Bote informierte über die Preisliste.

Die versehentlich aus dem Mundwinkel auf den Gehsteig gerutschte Zigarettenkippe, die vielen vom Winde verwehten Plastiktüten nach einem Picknickwochenende in der Erholungszone am Hafen, vielleicht ein hörbar entwichener Darmwind auf dem Otogar, die Liste ist erheblich länger – und für alles ist Buße angesagt, bar versteht sich. Wenn das Geld im Kasten der Verwaltung klingt, ja, dann ist Dir, Bürger ganz leicht um Dein Gewissen und Dein Portemonnaie wiegt sich wie ein Federchen im milden Frühlingswind…

Hier geht nichts mehr mit Kreditkarte, hier werden Türkenlira gelöhnt, klar? Gibt ein Erwischter vor, gerade nicht bei Kasse zu sein, auch kein Problem, er wird von einer der weiterhin viel beschäftigten städtischen Hostessen einfach an den nächsten Laternenpfahl gekettet. Mit der anderen Hand darf er sein handy betätigen. Was aber, wenn der oder die Angerufene sich mitnichten um die Nöte am jeweiligen Pranger scheren, vielleicht sogar eine gute Gelegenheit wittern, leise zu verduften, hier muss Peter gestehen, hat er die Dinge nicht zu Ende gedacht, aber dafür gibt es ja weit in die Zukunft denkende und planende Staatsdiener…

– ho