Türkei und Europa


Grünes Licht von der EU: Neues Verhandlungskapitel mit der Türkei wird eröffnet

  |  Veröffentlicht: 28.02.13, 09:15

Die Europäische Union hat am vergangenen Mittwoch offiziell Gesprächen über ein neues Verhandlungskapitel mit der Türkei zugestimmt. Das Signal gen Ankara beendet eine gut zweieinhalb Jahre dauernde Phase des absoluten Stillstands in den EU-Beitrittsverhandlungen. Zuvor hatte sich bereits Frankreich bewegt und die Blockade-Politik Nicolas Sarkozys ad acta gelegt……..

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Na, wie wunderbar! Schon im Juni d. J. „darf“ sich die Türkei auf eine Fortführung der seit mehr als zwei Jahren eingefrorenen Gespräche mit der Brüsseler Bürokratie freuen. Vor allem in Frankreich saßen die Ausbremser. Aber vorher „muss“ die Türkei noch dieses und „muss“ auch noch mit jenem sich das Wohlwollen der Eurokraten erkaufen, so die Lesart. Ehe sie ihren seit Jahren erarbeiteten Wohlstand für ihr Land in das Fass ohne Boden, das Europa heißt, schmeißen darf – auf Nimmerwiedersehen. Wer den Stolz und das Selbstbewusstsein der Türken kennt, darf nicht damit rechnen, dass die Türkei vor Wonne aus der Kiepe huckt – und vor Wonne auf den Schoss der Brüsseler Geldverschwender hüpft.

Peter Hockenholz am 28.02.2013

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2013 Modefrühling in der Sarağlar Mahallesi


20130223_15283320130223_152741Alle Jahre wieder, wenn die Sonne wärmer wird und der Winter sich in die rauen Berge des Taurus zurückzieht, überkommt unsere freundlichen Nachbarinnen die Sehnsucht nach dem letzten Schrei der Modemacher.

20130223_152930Die „rollende Boutique“ ist das Zentrum für modische Farben und Formen in Verbindung für schöne Bekleidung im Alltag. Unsere Nachbarinnen sind gleichzeitig Models und Kundinnen. Wer nicht kauft, kommt trotzdem, befingert und berät. Hier ist unsere Welt – und diese Welt ist irgendwie noch im Gleichgewicht…….

Peter Hockenholz am letzten Tag des şubat 2013

 

Isch bien glückliccchhh…..!


Ein Gespräch in Isernhagen, Ortsteil Altwarmbüchen:

Hallo Mustafa, wie geht es Dir? Wann bist du gekommen?

Weißt Du nicht, Mustafa, dass  wir ganz hier wohnen, nicht mehr in der Türkei?

Nein, meine Kinder Ali und Emine fragen ständig nach Dir. Ist Deine Frau auch hier?

Ja, natürlich, grüße Deine Kinder herzlich von mir..

Wohnt ihr wirklich ganz hier? ICH BIN GLÜCKLICH!

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Ein Gespräch hier in Alanya Kestel, Sarağlar Mahallesi heute

Hallo Pättärr, wann du gekommen?

Weißt Du nicht, Mustafa, dass wir ganz hier wohnen? Nicht mehr in Deutschland?

Nein, meine Kinder Ali und Emine dauernd fragen nach dir, iesst Frau Luiza auch hier?

Ja natürlich.

Ihr wohnt wirklich gaaanz hier? Pättärr, iech bien glücklich!

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Eines dieser beiden Gespräche hat vor zehn Minuten „wierkliech“ stattgefunden, eben auf der Straße beim Brotholen, nein, natürlich Ekmekholen für unsere I

Yasemin ve Bahadır haben gestern geheiratet…..


….. und ich erhole mich langsam vom Erlebten! Bahadır ist einer der beiden Söhne unserer Nachbarn Fatma und Muharrem, besonders freundliche Nachbarn. Der junge Bräutigam höchstselbst überbrachte die Einladung. Nun wäre das nicht die erste Einladung zu einer Hochzeit hierorts. „Dieses Mal gehst du mit!“ befand meine liebe Ehefrau.

Sonst waren wir zu Hochzeiten immer durch Luiza vertreten und ich habe immer mit Erfolg Wichtigeres zu tun vorgeschützt. Gestern alles vergeblich, ich musste, brezelte mich ebenfalls auf. Problem. Irgendwelche aus Schweden eingewanderte Trolle haben in den Jahren des Nichtgebrauchs sämtliche Oberbekleidungen heimlich enger gemacht, sehr viel enger. Die klaffende Weite wurde durch einen modischen langen Schal mühsam kaschiert.

Auf zum Düğün Salonu in Alanya, das ist eine riesige Halle, in welcher eben geheiratet wird. Viele viele viele hundert Gäste, Männlein wie Weiblein sauber getrennt, ganz, wie sich das gehört. Dazwischen Dutzende, Hunderte Kinder aller Sorten, fein gemacht. Begrüßt von den stolzen Brauteltern übergaben wir das obligate Brautgeschenk diskret. Üblicherweise wird das an das schneeweiße outfit der Braut geheftet. Der Anlass der Verehelichung zweier schöner junger Menschen verbietet mir, festzustellen, dass nun die Hölle losbrach.

Müzik nennen es die Türken, was da aus den Boxen herausdröhnte, gürültü, Lärm, war es für mich! Bis in den letzten Winkel Alanyas drang die überlaute Kunde von der Hochzeitsfeier. Wäre es nicht als unpassend gerügt von meiner Liebsten, ich hätte mir von den Kichererbsen je eine in jedes Ohr gestopft. Vermutlich war ich der einzige Sauerampfer in der fröhlichen Runde, die übrigen Gäste badeten förmlich in den dröhnenden Bässen. Mag es Yasemin und Bahadır Glück bringen in einem langen Leben, das so bunt und fröhlich an ihrem gemeinsamen Weg begann!

Für mich war die Hochzeitsfeier nach gefühlten dreißig Stunden zu Ende. Dabei waren es nur dreißig Minuten. Erleichtert habe ich bilanziert, dass in nächster Zeit in nächster Nähe eine weitere Hochzeit eher unwahrscheinlich ist. Wenn sich das zu optimistisch darstellen sollte, fällt mir hoffentlich unaufschiebbar Wichtigeres ein – schwer genug für den Rentner.

Ein halbtauber Peter Hockenholz wünscht allen einen guten Wochenbeginn!

25. şubat 2013

Selamun aleyküm – aleyküm selam – eine Erfahrung


Die spontane Einladung von Erhan zum Abendessen habe ich ebenso spontan angenommen. Erhan beendet jetzt sein Studium Tourismus und Hotelmanagement, um auf Lehramt weiter zu studieren auf. Wir kennen einander seit Jahren.  Es sei ganz einfach zu finden: hacet mahlallesı, Keykubat bulvarı, kepenek appartmanı, 1. Kat. So einfach ist es hierzulande, eine Adresse ohne Hausnummer zu übermitteln; die gibt es nicht. Fahre mit Bus Nr. drei die cevre yolu bis teras köprüsü. Alles klar? Nein? Frage den Busfahrer.

Wenn der Topf aber nu en Loch hat – der Busfahrer keine Ahnung und der Sprachtrottel auf dem Schlauch steht? Erhan ruft an, ich gebe dem Busfahrer mein handy – und alle Not hat ein Ende. Hilfsbereitschaft auf türkisch! Der also Eingeladene findet sich wieder – im ersten Stock – im Saal einer Moschee. Betende, in ihre Rituale versunken, sprechen mit Allah. Herzliche Begrüßung des yabancı. Eine halbe Stunde des versunkenen Gebetes, des Anrufens Allahs.

Ein güldener Tischläufer, einige Meter auf dem Boden entlang gerollt und bestückt mit türkischer köstlicher Hausmannskost. Hilfsbereit wird dem Alten das Katzentischlein bestückt, er ist erlöst vom ungewohnten Sitz auf seinen eigenen Hacken, erleichtertes Knacken der Kniegelenke….

Viele der vorwiegend jungen Gläubigen, Mustafa, der Koranlehrer, sprechen mit dem Deutschen, der in der Türkei lebt, schließen ihn herzlich ein in ihre unkomplizierte Gemeinschaft, versuchen ihre Deutschkenntnisse, laden zum Wiederkommen ebenso herzlich ein, versprechen den Gegenbesuch.

Erhan bringt mich hinaus, wartet mit mir im Nieselregen auf den Bus, berichtet von seiner und seiner Mitgläubigen Lebensweise: keine Disko, kein Alkohol, keine Zigaretten, Kraft für den Alltag beziehen sie aus ihrem Glauben. Allah werde jeden zur Rechenschaft ziehen, der die Gebote des Koran nicht minutiös vollziehe. Wie ich das wohl sehe?

Der nur scheinbar Ungläubige verbiegt sich nicht – mir erscheint diese so intensiv gelebte muslimische Religiösität allzu eingeengt in eine Überfülle von Vorschriften und Ritualen. Hier gibt es Unterschiede! Die sind bei gutem gegenseitigem Willen durch Toleranz durchaus überbrückbar! Es wird nicht der letzte Freitag sein in der hacet hahallesi, Keykubat bulv…. siehe ganz oben.

Schönes Wochende allen, Peter Hockenholz am Sonnabend, 23. şubat 2013