Bis jetzt sind es fünfe….. lass es gerade sein, Arap!


„sie ist aalfett geworden, unsere liebe Leihhündin Arap, wir müssen ihr die Rationen kürzen“….. Immerhin sind es gefühlte fünfzig Kilogramm, die sich mehrmals täglich auf deine Füße setzen. In den letzten Tagen schnaufte das Vieh vernehmlich auf dem Rückweg vom täglichen Morgenspaziergang.

Seit heute früh, 28.02.2914 ist sie wieder gertenschlank. Heute morgen servierte ich ihr Frühstück – und trat dabei fast auf ein nasses schwarzes Rattenähnliches. Die Hündin hatte sich eine Kuhle gegraben und gebar noch weiteres rattenähnliches Quiekendes. Eine Kinderstube mit vier nassen Welplein, drei davon quicklebendig. Eine Freude, sie in der Hand zu halten. Die Mutter der Minirottweiler zutraulich wie immer.

Aber wer ist der Vater, das ist die Frage. Sie sehen aus wie lupenreine Rottweiler…. wir waren es nicht, ehrlich! Muss irgend so ein geiler Bastard durchs Gitter geschlüpft sein und der hat…..

Aydin Aydin, der Besitzer, gibt sich total unwissend – er wisse von überhaupt nichts. Da er Muslim ist, schließt allein diese Tatsache eine Jungfrauengeburt aus, auch der Heilige Geist hat damit wohl nichts zu tun. Sah ich in den Augenwinkeln des absolut Unbeteiligten so einen Schalk hervorschauen?

Meine liebe Frau und ich haben ein standesgemäßeres Hundekindbett improvisiert, besser als jede Erdkuhle…..

 

 

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Mein Persien – Erinnerungen 6. Teil


Der Iran besteht nicht nur aus dem Moloch Teheran. Aziz´ Familienclan lebt in Boudjnourd. Für viele Tage überkommt mich die Reiselust – Isfahan, Shiraz, Persepolis, die heilige Stadt Mashad und der Besuch beim Propheten und und und…..

…. früh morgens noch vor Tag und Tau wieder Aziz` schwarze haarige Hand an meiner Schulter. Aufwachen Langschläfer. Pättärr, heute fahren wir nach Boudjnourd. Meine Familie will dich wieder sehen und ich will meine Familie wieder sehen. Die iranische Mittelstadt, mir noch allerbestens bekannt vom ersten Besuch in diesem interessanten Land. Und Aziz`Familie. Der engere Kreis besteht aus Mutter, Aiziz, dem Erstgeborenen und seinen sieben Geschwistern. Sein Vater ist inzwischen verstorben, er ist mir in bester Erinnerung, dieser lebensfrohe Türke, Mutter Kurdin, die ganze Familie Iraner. Die Kinder wuchsen in drei Sprachen auf: Türkisch, Kurdisch und der Landessprache Farsi.

Das Land Iran ein Jahr nach der Revolution ist ein Jahr später noch keineswegs befriedet. Die überaus leckeren ungewohnten Mahlzeiten erzeugen ein dringendes menschliches Rühren. Tiefe Dämmerung auf der rund achthundert Kilometer langen Straße quer durch den Iran. Aziz halte bitte an – kann ich hier nicht – zu gefährlich – aha! Aber wenn du nicht sofort stoppst, dann geschieht ein Unglück hier in deinem Auto – Pättärr, ich halte an aber lass dich nicht mehr als zwei Meter entfernt vom Auto nieder – Aziz, lass den Scheinwerfer aus – nein geht – aber ich will nicht im Rampenlicht – aber mach ganz ganz schnell – mein Freund kennt sein Land, hat mehr Angst als der Deutsche. Alles ging gut.

Boudjnourd – ein herzlicher überschwänglicher Empfang – ich kriege noch aus dem Kopf die Namen seiner Geschwister zusammen – Aziz, seine Schwestern Mehri, Ruhi, Fariba, seine Brüder Shokor, Beruz, Mehrdat, Bezat. Heute leben sie in aller Herren Länder, Aziz als autoritärer Vaterersatz hat sie dazu bewegt. Mehri und ihren Mann Mahmut und den Sohn trafen wir im letzten Jahr in einem Luxushotel in Antalya. Der Sohn, ich kenne ihn als kleinen Kerl, heute ist er ein gestandener Mann, und seine Frau verabschieden sich, wandern nach Neuseeland aus. Keine Möge mehr im mullahregierten Iran.

Mindestens fünf gefühlte Kilo werde ich zunehmen in Boudjnourd. Man steckt es mir vorne und hinten hinein! Hinten Berge von Kissen, damit dieser Deutsche auch vernünftig sitzen kann – und vorne die leckersten Spezialitäten dieses einst so gesegneten Landes. Volles Programm – anderntags mit einer kleinen Abordnung seiner Unzahl von Onkels, es geht auf die Jagd. Die silberziselierte Flinte eines seiner Onkel imponiert. Es geht im Eiltempo die kahlen steinigen Berge hinauf.

Ich keuche mühselig mit den behenden Jägermeistern bergan. Hast du Durst, ein anderer Onkel bückt sich und steckt mir ein paar dürre Blätter in den Mund; der Durst ist weg. Später halte ich ein chuk, ein junges Wildschwein, auf den Armen. Nur noch kurz wird es leben… Schweine isst man hierzulande nicht. Der Prophet, oder wer auch immer, habe das verboten. Man jagt sie, um sie zu töten. Eine andere Kultur.

Des Abends großer Empfang – runde dreihundert von Aziz üppiger Verwandschaft wollen den Deutschen wieder begrüßen. Man singt, tanzt, die Musik übt eine starke Wirkung aus, dem bekennenden Tanzmuffel zuckt es in den Beinen, er tanzt lange und hingerissen mit, bis zur völligen Erschöpfung.  Pättärr, willst du einen Schnaps, dann komm mit! Aber lass dir nichts anmerken, denn sonst wollen alle einen – und so viel habe ich nicht… Auf Teufel komm raus wird in diesem, von der Muilahkratie bedrängten Lande Alkohol schwarz gebrannt – aus Feigen, Rosinen, Aprikosen, allen Früchten, die sich zum Gären bringen lassen.

Pättärr, am nächsten Morgen fahren wir nach Maschhad, der heiligen Stadt. Musst du erleben.

Maschhad (eingedeutscht auch Mashad oder Masched, an englischer Aussprache angelehnt auch Meschhed persisch ‏مشهد‎ /mæʃˈhæd/) ist die Hauptstadt des iranischen Bundesstaates Razavi-Chorasan und die zweitgrößte StadtIrans. Sie liegt 850 km östlich von Teheran auf einer Höhe von rund 985 m am Fluss Kashaf.

Maschhad gilt als eine der sieben heiligen Stätten des schiitischen Islams, weil dort die heilige Gouharschad-Moschee liegt. Die Stadt ist ein politisches und religiöses Zentrum; jährlich besuchen sie mehr als 100.000 schiitische Pilger. Die besondere religiöse Bedeutung Maschhads für den Iran ergibt sich aus der Tatsache, dass der hier beerdigte (achte) Imam Reza der einzige der zwölf schiitischen Imame ist, dessen Grabmal sich auf iranischem Boden befindet. – Wikipedia

Unser Imam Reza hat Geburtstag, dann besuchen wir ihn immer. Du wirst den Heiligen auch besuchen, hier ist eine schwarze Hose und ein schwarzes Hemd, deine Brille gibst du mir, deine Geldbörse auch – und vor allem deine Papiere! Nanu? Mach ausnahmsweise ein demütiges Gesicht, schau auf den Boden. Wenn dich die überall wachende Tempelpolizei erwischt, dann kriegst du fünfzig Hiebe mit der Peitsche übergezogen, tolle Aussichten, die Neugier überwiegt.

Und vergiss nicht, den silbergeschlagenen Sarkophag zu küssen. Aziz gehst du nicht mit? Nö,ich kenne meinen Heiligen doch, ich warte. Links werden tausende Frauen an Herrn Imam Reza vorbei gepresst, rechts die Kerle. Der Sauerstoff wird wohl zugeteilt, in der drangvollen Enge fummelt mir ein Langfinger in den Taschen, ich kann mich nicht einmal umdrehen. Die Behausung des Heiligen küsse ich nicht, da haben sicher schon Millionen Gläubige dran gesabbelt – ich verzichte – wohl auch auf eine Ansteckung.

Oh, wie wahnsinnig gut frische Luft sich auswirkt. Pättärr, siehst ganz blass aus, braucht du einen Arzt? Arzt nicht nötig, ich brauche – einen Schnaps. Mein Freund, der Arzt, der hat einen für dich….

Gleich hinter Imam Rezas Moschee ist die Hölle los. Tausende gläubiger Männer mit freiem Oberkörper klatsch sich im Takt mitgeführter Lautsprecher im Takt die nackten Rücken – das Blut fließt in Strömen. Die Suggestion ist zwingend. Ich, der ich mich auf Grund frühester Erfahrungen in der Zone von allen Massenveranstaltungen fern halte, fühle mich immer näher angezogen, wenn ich eine Geißel gehabt hätte, ich weiß nicht…. Es reißt dich einfach mit, da ist der Kopf ausgeschaltet. Aziz reißt mich mit sich fort, erlöst mich.

Auf der Rückfahrt einige Tage später mitten in Teheran hält Aziz an, warte, kommt wieder – mit einer angebufften Emailleschüssel, hier halt sie. Meine Aufgabe ist es, das Ganze so zu balancieren, dass es während der Fahrt nicht überschwappt. Aus der warmen Brühe glotzen mich zwei milchige Augen aus einem Schafskopf an.

„Pättärr“, du musst essen Schaffenkopf. Zuerst musst du die Augen essen. Du brauchen Kraaafft für Frau, wenn Du wieder in Hannover bist….“

Hach, na endlich. Brüssel hat die Ölfläschchen aus dem Blick verloren..


/www.facebook.com/spiegelonline/posts/10201653643167602

und sich dafür auf den Glimmstengelpackungen ein richtiges wichtiges und unübersehbares Denkmal gesetzt. Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt….. über diese  wohl versorgten ********  da hinten in Brüssel. KOTZ! – Schreibt ein bekennender Nichtraucher und dafür Hinundwiederdampfer!

Aziz und seine persönliche Revolution – 5. Teil


Da alle lateinischen Inschriften schwarz übermalt waren, hatte ich die Aufgabe, so gefühlte dreißig Kilometer zurückzufinden. Fragt nicht wie, aber die Theheraner sind so freundlich und hilfsbereit wie die Menschen in der Wahlheimat Türkei! Sogar gefüttert haben mich die Vielen sogar, denn Essen und Trinken hält bekanntlich Leib und Seele beieinander. Erleichterung bei meinen Gastgebern – bei mir auch.

Teheran, an einem weiteren Tag im Februar 1980 – ein Jahr nach der Revolution, frage ich meinen Freund Aziz, wie ich denn zur amerikanischen Botschaft käme. Aztiz: wir haben in unserem Land keine amerikanische Botschaft! Was wir im Vorrat haben, ist ein N.S. – ein Nest of spions! Was willst du da? Schaun mer mal…. er marktiert in einem Stadtplan aus Schahs Zeiten einen Punkt mit N.S., der ist heute noch in meinen Unterlagen abgeheftet. Sein Bruder Shokor bringt mich in die Nähe, verdrückt sich wieder, hat Angst.

Angst? Wovor? Am Tor ein schwarzer Shador, schwarze freundliche Blitzeaugen. So in Höhe der Oberweite schaut weniger freundlich ein drittes Auge heraus, die Öffnung eines Maschinengewehrs. Nein, es sei nicht möglich, mit den amerikanischen Geiseln zu sprechen. Fariba, Studentin der Universität Teheran, erklärt mir das, als sie sich mir vorstellt und ich ihr.

Nein nein, wir haben keine amerikanischen Diplomaten festgesetzt! Wir haben ihnen nachgewiesen, dass sie gar keine Diplomaten sind, sondern Spione, die unser Land ausspionierten und uns allen schaden wollten. Eine halbe Stunde sprechen wir miteinander, Fariba erklärt mir, weshalb das, was sie da tun, so ungeheuer wichtig ist für das neue Persien. Nein, ablichten dürfe ich sie nicht. Der Zeitabstand zum Jahr 2014 macht offensichtzlich, dass die Vereinigten Staaten von Amerika. seit Jahrzehnten die Welt abhören, unsere lieben Freunde aus der Neuen Welt….

In Teheran fühle ich mich nach diesen Tagen schon sehr gut zurecht. Der geradezu mörderisch anmutende Straßenverkehr verlor seine Schrecken. Wenig zuvor bat Aziz mich, sein Auto in die nächstgelegene Werkstatt zu fahren, einer seiner Brüder weist mir den Weg. Aus dem kurzen Auftrag wurde ein langer Tag, erst die achte Werkstatt war die nächste Werkstatt. Fährst du zaghaft, bist du verloren. Fahre nur nicht bei grüner Ampel, das ist brandgefährlich, dann ist rot für die anderen, dann fahren die!

Auf der vierspurigen Prachtstraße Schah-Pahlevi-Boulevard, der jetzt Engelab, Revolutionsstraße heißt, erzwingen sich die Fahrzeuge alle acht Spuren, wenn im Gegenverkehr einige Vollpfosten nicht aufpassten. Ich mache fix mit, fahre wie ein Perser. Als Fußgänger überlebst du nur, wenn du fest in die schwarzen Pupillen der Autofahrer blickst und ihnen vor dem Kühler auf die andere Seite wechselst.

An attraktiven und einladend dekorierten Luxusläden außer Dienst sehe ich große Schilder in englischer Sprache. Frauen ohne korrekte islamische Bekleidung ist das Betreten dieses Geschäfts verboten. In den Autobussen kann ich meine müde gelaufenen Beine lang ausstrecken – es ist Platz genug – in den zwei Dritteln des Platzes für Kerle.

Die Frauen stehen dicht gedrängt hinten im letzten Drittel, abgetrennt durch eine stabile Eisenstange. Heile Welt. Fahrkarten werden bei einem Schnauzbart am Schalter erworben. Frauen haben das Billet dem Fahrer auf seinem erhöhten Sitz zu präsentieren –  der nimmt Kenntnis davon – und fährt ab. Ohne die Frau. Heile Welt.

Auf den Bürgersteigen die korrekt gekleidete Perserin. Häufig genug schauen unter dem Shador jeansbekleidete Beine hervor, der schwarze Umhang wie zufällig etwas kürzer als von den Religionswächtern erlaubt. Oben unter dem Kopftuch zwei fröhliche schwarze Augen, hin und wieder ein vertraulicher wortloser flirt mit dem neugieren Fremden.

Heile Welt. Nur meine liebe Frau hat überhaupt kein Einsehen mit dem Gegebenen. Dabei müsste sie doch nur Kopftuch und Shador tragen, dürfte artige drei Schritte hinter mir gehen, sollte den Mund nur auftun, wenn ihr lieber Mann sie etwas fragt und könnte zur Abwechslung gerne mit den Frauen im Garten sitzen und Gemüse putzen…. Heile Welt?

Der Iran besteht nicht nur aus dem Moloch Teheran. Aziz´ Familienclan lebt in Boudjnourd. Für viele Tage überkommt mich die Reiselust – Isfahan, Shiraz, Persepolis, die heilige Stadt Mashad und der Besuch beim Propheten und und und…..

Die Islamische Revolution (persisch ‏انقلاب اسلامی‎ Enghelāb-e Eslāmi) 4. Teil


Ein schönes Mädchen, so bei vier bis sechs Jahren im Gewühl des Hotels, versuche einen kleinen Flirt – sie reagiert nicht. Wäre sie so ein reichliches Jahrzehnt älter, sie würde auf mich fliegen.  „Eingebildet sind Sie wohl gar nicht?“ In akzentfreiem Deutsch – der Vater der Kleinen. Eine lange Brieffreundschaft zwischen Doktor Hariri und mir – er war Arzt in Deutschland….

Die Islamische Revolution (persisch ‏انقلاب اسلامی‎ Enghelāb-e Eslāmi) auch Enghelāb-e Panjah Haft (Revolution 57) war eine vielschichtige Bewegung im Iran, die 1979 (1357) zur Absetzung von Schah Mohammad Reza Pahlavi und zur Beendigung der Monarchie im Iran führte. Symbolfigur und später Revolutionsführer war Ajatollah Ruhollah Chomeini, der ab 1979 gegen weitere revolutionäre und säkulare Gruppen sein Staatskonzept von der Regentschaft der Geistlichkeit (Velayat-e faqih) zum Teil mit Gewalt durchsetzte und neues Staatsoberhaupt wurde. – Wikipedia

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Pättärr aufstehen! In der frühen Morgendämmerung Teherahns weckt eine schwarzhaarige Pranke wenig einfühlsam. Revolutionsfeier! Keine Zeit mehr für eine Scheibe lavaş und eine handvoll Oliven, für einen Schluck Tee reicht die Zeit gerade noch. Ein Jahr Khomeini-Regime – das muss gefeiert werden. Hunderttausende Iraner auf den Straßen, langsam dämmert der Morgen. Den Massen von Menschen dämmert zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts. Man ist in Feierlaune.

Aziz und zwei Freunde eskortieren mich, bleibe zwischen uns, rühr dich nicht einen Schritt alleine weiter! Musike aus diesen gülden blitzenden Blechdingern, Fantasieuniformen. Revolutionsfeier! Wir haben vor einem Jahr den Schah verscheucht. Das muss doch gefeiert sein. Der eine hat sich samt Volksvermögen nach Frankreich ver*****, der andere kam just von dort – Turban, Bart, den Wolfsblick in die Ferne gerichtet, zwingt er von Plakaten den Leuten die Scharia auf. Noch wird das gefeiert….

Pättärr bleib bloß nicht stehen, bleib zwischen uns, wir versuchen mal, näher heranzukommen. Keine Chance, meine Leibwächter sind von jetzt auf gleich Bestandteil der amorphen wogenden Masse. Ich bin eingeklemmt – und allein auf weiter Flur. Etwaige aufsteigen wollende Panik wird zurückgedrängelt durch einen Adrenalinschub und durch eine erwachte riesengroße Neugier.

Mit etwas durch Ellenbogeneinsatz verschafftem Platz klappe ich meine Rolleikamera auf. Mit dem hoch gestellten Lichtschacht und der aufgeklappten Lederklappe scheint das ausreichend professionell auszusehen, nicht ein einziger der haufenweise eingesetzten bärtigen Wächter hält mich auf. Arrogantes Hindurchsehen durch diese Leute. Frechheit siegt, niemand verlangt eine Legitimation. Nur acht Meter von der Tribüne entfernt macht macht man mir das Schussfeld frei – für die Kamera.

Kohmeini junior, der vielfache Scharfrichter Khalkhali, bärtige Funktionäre in der zweiten Reihe, Fantasieuniformen ganz vorne, so nehmen sie die Huldigungen von hunderttausenden Fanatikern entgegen. Später werden Bilder und Berichte in Hannovers Zeitung runde achthundert Mark Honorar einbringen.

Der Ekel meldet sich, denn ich bin aus frühen Erfahrungen in der Ostzone solche hohlen Schaustellungen bis zum Erbrechen gewohnt gewesen. Ich verlasse die Butterseite des Revolutionsbrimboriums und gehe hinter die Protztribüne auf die Margarineseite. Viele hundert Menschen dort – im knöcheltiefen Schlamm, dürftigst geschützt durch zerrissene Plastikplanen, die Ärmsten der Armen.

Als wir uns spätabends wiederfanden, beschimpft Freund Aziz, Anführer einer Mujaheddingarde, mich aufgeregt, dass ich das ablichtete. Heftige Auseinandersetzung, wir wollen nicht, dass dieses Bild in Europa veröffentlicht wird. Habt ihr solche entsetzliche Not in eurer Euphorie übersehen? Wir werden das alsbald ändern. Alsbald, das war nie…..

Da alle lateinischen Inschriften schwarz übermalt waren, hatte ich die Aufgabe, so gefühlte dreißig Kilometer zurückzufinden. Fragt nicht wie, aber die Theheraner sind so freundlich und hilfsbereit wie die Menschen in der Wahlheimat Türkei! Sogar gefüttert haben mich die Vielen sogar, denn Essen und Trinken hält bekanntlich Leib und Seele beieinander. Erleichterung bei meinen Gastgebern – bei mir auch.

Aziz und seine persönliche Revolution – 3. Teil


Mein allererster Besuch in Teheran und im aufgebrachten Iran – es ging tief ins Herz hinein und weckte eine Sehnsucht. Bis heute ist sie geblieben.

Nur ein erster Tag im Moloch namens Teheran  ein Jahr nach der Revolution – das Tohuwabohu im Flughafen überstanden, draußen das noch zu Schahs Zeiten errichtete Denkmal – Soldaten, Bürgerwehren, Muhjaheddin – Freund Aziz mittten drin, er leitet und motiviert eine solche Sammlung Mutiger, sämtlich mit dem feurig-fanatischen Blick. Der macht mir Angst. Ich habe diesen Blick in der Ostzone anerzogen bekommen – wir machen den neuen sozialistischen Menschen. Mann, Mann, Mann, was sind wir verarscht worden!

Aziz war noch zu jung, zu erkennen, dass die eine Diktatur lediglich durch eine andere längst ersetzt war. Gesetze waren im Dreck verschwunden, die Scharia war nun das Gesetz. Schon am ersten Tag sah ich Männer mit verbundenem Armstumpf. Aziz sekundiert: das ist eben so bei uns jetzt. Aber wir hacken die Hände nicht mehr ab, sie werden ordnungsgemäß in einen Krankenhaus amputiert…. Tröstlich.

Alle lateinischen Inschriften sind schwarz übergeschmiert. Komm Pättärr, wir fahren mit meinen Freunden ans Kaspische Meer. Frische Luft, hinter zerrissehen schmierigen Zeltplanen, unseren lüsternen Blicken verborgen, darf die Weiblichkeit baden, komplett bekleidet natürlich.

Unsere Bleibe für Aziz, Fariborz, Mohsen und mich, für einige Tage das Hotel Hyat Regency. In einem Jahr herunter gewirtschaftete Pracht, das Getränkeangebot reichhaltig – black wine and white wine: eine bräunlichscheußliche Brühe, wir nennen sie Khomeini Cola und – klares Wasser. Revolutionär.

Aziz erkundet strahlend für uns, dass abends ein Film gezeigt wird. Im vollen Ballsaal außer Diensten läuft ein unsynchronisierter Film amerikanischer Produktion, ein grässlicher Schinken mit Leichen, die an Fleischerhaken transportiert werden. Dazwischen rührende Knutsch- und Kussszenen. Nur sah die niemand; ein schwarzbärtiger Turban kam seiner Aufgabe als Wahrer der Sittlichkeit nach, seine Hand mit den ungepflegten Fingernägeln schob sich immer zeitig genug vor die Linse.

Das Schweigen. Nur ein Widerling benahm sich abartig. Meine Schienbeine waren alsbald blau von den Tritten meiner lieben Freunde. Alsbald gab es kein Halten  mehr, ich musste so ungebremst losprusten und laut herauslachen. Der Rest des filmischen Kunstwerkes entging mir, denn die Drei eskortierten mich hinaus, einer hielt mir den Mund zu.

Mit einem schwarzen Plastikbeutel und seinem hochprozentigen Inhalt beschlossen wir diesen gar fröhlichen Abend und ging zu Bett, nicht ohne dass Aziz mich ermahnte, doch kräftig zu gurgeln und das von uns benutzte Trinkglas auch gründlich zu spülen. Das war die Rettung für mich. Am anderen Morgen so zwischen fünd und sechs Uhr bollert es an der Tür. Die Zeit, zu der zu Zeiten der braunen Pest die Juden „abgeholt“ wurden und in der Zone die Gummimäntel der Stasi sich Zutritt verschafften.

Drei Schwarzdrosseln drangen grußlos ein, schauten in mein Bettchen, auch unter die Matratze, gingen auf den Balkon, sicher nicht, um die Morgenluft zu genießen. Ein schwarzer Hintern hob sich gen Himmel, als der Rest den Fußboden unter einem Bett inspizierte. Zwei erforschten das Innere des Kleiderschranks und den sanitären Bereich. Eine Schnüffelnase nahm Witterung in meinem Zahnputzglas auf. Einige Minuten später endete der  Spuk. Aziz lakonisch: hätten sie außer dir noch jemanden in deinem Bett angetroffen, hätten sie unser leckeres Abendgetränk gerochen, fünfzig Stockhiebe auf die Fußsohlen – Scharia eben. Aua!

Kein Appetit mehr auf Frühstück, keine Möge mehr in diesem nachrevolutionären Hause. Ein schönes Mädchen, so bei vier bis sechs Jahren im Gewühl des Hotels, versuche einen kleinen Flirt – sie reagiert nicht. Wäre sie so ein reichliches Jahrzehnt älter, sie würde auf mich fliegen.  „Eingebildet sind Sie wohl gar nicht?“ In akzentfreiem Deutsch – der Vater der Kleinen. Eine lange Brieffreundschaft zwischen Doktor Hariri und mir – er war Arzt in Deutschland….
…es geht weiter……

Türkischer Präsident: Darum gab es kein Veto gegen das Internet-Gesetz


Türkischer Präsident: Darum gab es kein Veto gegen das Internet-Gesetz

  |  24.02.14, 10:41

Der türkische Präsident Abdullah Gül ist sich wohl bewusst, dass er mit der Unterzeichnung des umstrittenen Internet-Gesetzes nicht gerade zur positiven Wahrnehmung der Türkei im Ausland beigetragen habe. Dass er kein Veto eingelegt habe, hätte jedoch pragmatische Gründe. Er wollte sich Einflussmöglichkeiten verschaffen.

http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2014/02/498946/tuerkischer-praesident-darum-gab-es-kein-veto-gegen-das-internet-gesetz/

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…. es wären doch keine Machthaber, wenn nicht ein Jegliches entsprechend umgedeutet wird…..