Zülfi Livanelli: Serenade für Nadja – e-book


Zülfi Livanelli
Verkürzt und etwas verändert nach Zülfü Livanelis Roman: Der Eunuch von Konstantinopel: In der Abenddämmerung kam ein Mann ins Dorf und sagte, er sei der Prophet. Die Bauern aber glaubten ihm nicht. „Beweise es!“, forderten sie. Der Mann zeigte auf die gegenüberliegende Festungsmauer und fragte: „Wenn diese Mauer spricht .. glaubt ihr mir dann ?“ „Bei Gott, dann glauben wir dir“, riefen sie. Der Mann wandte sich der Mauer zu, streckte die Hand aus und befahl: „Sprich, o Mauer!“ Da begann die Mauer zu sprechen: „Dieser Mann ist kein Prophet. Er täuscht euch. Er ist ein Lügner.“
Wikipedia

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Die Augen noch ein wenig zugeschwollen – eine durchlesene Nacht….. Zülfi Livanelli, türkischer Komponist und Autor vieler Bücher. Die Serenade für Nadja 2013 im Original, 2014 unter anderem in deutscher Sprache. Wer die jüngere, die nicht mehr ganz so junge, die alte Geschichte unserer Wahlheimat nacherleben will…. Wer die Seele dieses Landes, ihre grausame Seite, ihre kritische Liebeserklärung an Istanbul, ihre Menschlichkeit in sich aufnehmen mag. Wem die Ursprünge zwischen Türken und Deutschen erfahren mag. Wer anstatt mieser Glotze ein überaus spannendes, unterhaltendes, mitreißendes Buch eines großen Autors lesen mag….

Ormana – Stätte der Knopfhäuser mit dem Doppelklopfer


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Ormana, Örtchen mit 6000 – Ziegen plus Ziegennachwuchs, noch runde sechshundert Lebendeinwohner, sommers auf zuweitausendfünfhundert davon anwachsend. Kültür Festival ist heuer angesagt.

Ormana, ein großes Kaff mit dem Trik-sqirrel-Eichhörnchen im Wappen.  Wir beide nebst unserer Freundin Edelgard, liehen uns, angeregt durch die türtkise Lektüre, ein Auto und besuchten Ormana. Zu Zeiten des Römischen Imperiums hörte Ormana noch auf Erymna.

Ormana, drei Kilometer hinter Ibradi, 30 km hinter Akseki, 55 km hinter Manavgat, runde 140 Kilometer hinter dem wild schäumenden Dimcayi, runde 1000 Meter über dem Meeresspiegel, nur sein Hausberg, der mit dem Feuermeldehäuschen oben drauf, bringt es auf 1800 Meter über NN. Da oben sitzt einer – sei in zwanzig Minuten unten, wenn es mal brennen sollte. Tolga Özgüven, großgewachsener blauäuiger Türke, früher Maschinenbaustudent in Osnabrück: Hosh Geldiniz in fast akzentfreiem Deutsch: kommt mit, ich zeige euch mein Ormana.
Das Dorf hat noch rund dreihundert alte Bauwerke und seit zwei ein halb Jahren erhalten wir zum Teil dreihundert Jahre alten Häuser nicht nur, wir bauen sie in altem Stil wieder auf und aus. Das Kültür Festival geht seinen Gang, wir gehen unseren. Mit Tolga.
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In stundenlangem Rundgang erfahren wir drei Neugierigen einiges über armenischen Baustil, über türkischen, über jenen aus der Römerzeit.
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Fragmente davon werden in die Fassaden eingefügt, in einem der entstehenden uralten modern Gebäude ist sogar ein Relief aus Bulgarien (?) eingefügt, uns sichtbar gemacht durch den begeisternden Tolga. Ein kräftiger Schups mit der Schulter und eine restaurierte Doppeltür öffnet sich, wir kriechen unter Gerüsten hindurch in die erste Etage. Intensiver Holzduft nach Zedernholz. Deckenreliefs, Einbauschränke in den Räumen, ergänzt durch neue Schranktüren neben altem Holzwerk, die alten Zimmertüren zu den künftigen Gästezimmern bleiben niedrig, nur die Wände sind mit modernen Baustoffen neu errichtet, Lehmschlag ist nur noch in Resten vorhanden. Ein zahnloser Senior usta freut sich, dass wir seine Arbeit würdigen.

Alle Häuser werden sonst in altem Baustil wieder bewohnbar gemacht; die Balken biegen sich nicht mehr, sie geben der Statik Halt und sie schauen aus den Fassaden heraus, wie große Knöpfe – Knopfhäuser deswegen. Armenier verwendeten für ihre Häuser – Hühnerereigelbe, deshalb er typisch armenische Farbton. In den Parterregeschossen große Eingangstore, für Kuh und Pferd. Den großen Steinblock an einem Hause können wir uns nicht erklären, Tolga hilft: das ist kein Messerschleifstein sondern die Aufstiegshilfe für die Reiter, um auf die Pferde aufsteigen zu können…
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Die meisten neuen alten Häuser in Ormana errichtet Tolgas Familie, lebend in Istanbul, aber mit uralten Wurzeln in Ormana. Tolga freut sich, dass inzwischen viele Andere ihre Aus- und Anbauten im alten Stil erneuern und dem Beton abschwören. Ach ja, die Doppelklopfer: ob Fatimas Händchen als Türklopfer oder schwere Messinggriffe, an den aufwändigen Türen sehen wir doppelt, je ein Klopfer am linken und am rechten Flügel. Links klopft der Kerl, rechts die Frau, jeder Klopfboller klingt anders. Klopft der Kerl links, die Besucherin rechts. Wie kommt es, dass der rechte Klopfer meist heller blinkt, weil abgegriffener? Links wird also vom Hausherrn geöffnet, rechts von der Dame des Hauses. Geht alles ohne aufwändige Elektronik. Nicht ins Bild passend die auch hierorts unverzichtbaren Blech- oder Plastikantennen für die ebenso unverzichtbaren Glotzen im Innern. Der Duft des Zedernholzes ist in unseren Nasen – An diesem kommenden Wochenende ist Weinfest in Ibradi – und von dort sind es nur drei Kilometer bis Ormana…..

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(Un-)Menschliches


Fünf Anrufe finde ich auf Plattfisch junior – Ellen, unsere liebe geschätzte liebe Freundin Ellen, Erendiz Hotel Ellen in Kemer: Peter, es erleichtert mich so sehr, dass Du jetzt zurück rufst, Mehr als höchst besorgt ist Ellen – und diese Last konnte ich ihr von den Schultern nehmen. Ich erinnere mich – es ist ja auch nur erst einige Tage her. Meine liebe Frau war mit den zwei „Studentinnen“ des Devlet Hastanesi Alanya die eine Woche in Norddeutschland, ich einige Tage in Kemer: „Peter, Peter, ich will euch dringend mit zwei wunderbaren Menschen bekannt machen. Sie wohnen ganz in eurer Nähe! Ihr müsst sie unbedingt kennen lernen, ihr werdet euch gegenseitig sehr mögen“.

Zu spät.

Wollten längst fort aus der Ansammlung von hohen Häusern im Nachbarort, in eine menschenwürdigere Umgebung. Sollte nicht sein. Bald werden sie Frieden finden, wenn Blödzeitungen türkischer und deutscher Couleur sie lassen….. Und sie für sich und ihre Leser anderweitig Blutiges finden….

Wir lernen sie nicht mehr kennen. Traurig.

Nein, liebe Freundin Ellen, wir werden nach runden fünfzig Hundejahren keinen lieben Köter mehr anschaffen; eer wird uns überleben und das ist grausam in dieser unserer Wahlheimat….

Manipuliertes Nahrungsmittel – eine Expertin deckt auf!


Es sieht aus wie eine frische rosige Wurst und es liegt bei BIMs im Wurstregal. Es duftet wie eine Wurst, es schmeckt sogar gut, zur Herstellung eines kernigen Wurstsalates taugt es, fällt nicht zusammen, hält sich tagelang. Der Roman auf der rosigen Umhüllung ist mehrspracghig und umfangreich. So umfangreich, dass er auch beim Durchblick durch die dicke Leselupe keinen Blick in die Zutatenliste ermöglicht.

Unsere struppige Straßenkatze, die seit Jahren ihre Mahlzeiten einfordert, half uns weiter. Die alte dürre Dame benötigte Tabletten, ihren Aftermieter loszuwerden. Tablette gemörsert, mit Yoghurt angereichert und serviert wurde mit BIMS zartgeschnittenem Wurstprodukt. Yoghurt und Tablettenmehl wie üblich sofort aufgeschlabbert, BIMs blieb im Napf. „Legt mir lieber mal wieder wieder einen Ballen frisches Rindermett in den Napf – und nicht dieses Surrogat von BIM – ich bin zwar alt und klapprig – aber nicht doof!“

Malesev, Mäow, kommt nicht wieder vor!

Zukunftsperspektiven


Auf unserem fröhblichen Dimçayı-Ausflug vor wenigen Tagen blickten die beiden Türkinnen intensiv in die Kaffeetassen – und lasen eine wundervolle Zukunft heraus: viel Geld, Glück und alles, was Mensch sich so wünschen kann.

Bei meiner nachmittäglichen Tasse selbst gemahlenen Kaffees habe ich es auch mal probiert, die Zukunft per Tasse und Untertasse zu erfahren: meine liebe Frau übersetzte mir die Reste des Türkentranks in hochdeutsche Sprache: Dich wird in naher Zukunft schon – ein riesiger Dünnpfiff erwarten. Das verrät mir die Sauerei, die du da veranstaltet hast……

Das ist Kebba …..


Kebba B.B. Sabally aus Banjul, der Hauptstadt von Gambia. Kebba und ich kennen uns seit vielen Jahren, als er Schüler, dann Student war. Heute ist er Dozent.. Leider kennen wir einander „nur“ per facebook, aber er meldet sich immer wieder bei seinem „gran“….

Edward Snowden ist Ehrenmitglied der Freien Universität Berlin – Roland Lukner heute


Logo der Freien Universität Berlin

http://www.fu-berlin.de/presse/informationen/fup/2014/fup_14_252-snowden-akzeptiert-ehrung/index.html

Beschluss des Akademischen Senats angenommen

Nr. 252/2014 vom 02.07.2014

Der frühere Mitarbeiter der US-Geheimdienste NSA und CIA Edward Snowden ist Ehrenmitglied der Freien Universität Berlin. Snowden habe die ihm vom Akademischen Senat in der vergangenen Woche angetragene Ehrung akzeptiert, teilte der Präsident der Freien Universität Berlin, Prof. Dr. Peter-André Alt, den Mitgliedern des Gremiums am Mittwoch mit. Über die Einladung zu einer Diskussionsveranstaltung an der Freien Universität habe er sich bisher nicht geäußert, sagte Alt.

Die Ehrenmitgliedschaft für Snowden hatte der Akademische Senat in seiner Sitzung vom 18. Juni beschlossen. Die Senatsentscheidung wurde auf Basis eines Antrags getroffen, in dem Snowden bescheinigt wird, er habe sich „außergewöhnlich für Transparenz, Gerechtigkeit und Freiheit eingesetzt“.

Die Ehrenmitgliedschaft wird für besondere Verdienste um die Freie Universität Berlin oder besondere Leistungen für die Entwicklung der Wissenschaften verliehen. Über eine Verleihung entscheidet der Akademische Senat. Mit der Ehrung sind keine weiteren Rechte, Privilegien und Aufgaben verbunden.

Der US-Amerikaner Edward Joseph Snowden wurde weltweit bekannt, als britische und US-amerikanische Zeitungen 2013 seine umfangreichen Enthüllungen über die Arbeitsweise der amerikanischen Nachrichtendienste veröffentlichten. Der von einem US-Bundesgericht wegen Spionage angeklagte 31-Jährige lebt derzeit mit einem befristeten Bleiberecht in Russland.

Weitere Informationen

Goran Krstin, Pressesprecher des Präsidenten der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-73106, E-Mail: goran.krstin@fu-berlin.de

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Eine wahrhaft FREIE Universität! Capeau!