Montagsbrot – hmmmmm


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Das von mir frisch erfundene Montagsbrot, auch genannt „dem Hocki sein Brot“ geht so:
600 g Wasser – aber nicht eisig aus der Wasserleitung sondern so warm, dass man sich gerade nicht das zarte Händchen verbrüht
250 g Weizenvollkornschrot – Körner selber durch die Mühle drehen, ober überteuert im Bioladen aus dem Regal zerren
250 g Weizenvollkorn – Körner selber mahlen, oder siehe oben, aber vorher die kleinen Steinchen herausfummeln, sonst schadet es dem Mahlstein
400 g Roggenvollkornmehl – direkt aus dem Sack beim Produktenhändler kaufen
100 g Roggensauerteig – selbst gezogen, einen Tag in die türkische Sonne stellen, dann ist er reif, hält sich wochenlang im Kühlschrank, wenn Urlaub, vorher einfrieren
200 g Sonnnblumenkerne – schmeckt auch mit Leinsamen, Sesam, Nüssen, Oliven und wer weiß was sonst noch alles geht
4 TL Salz
3 EL Trockenhefegranulat – gibt es hier bei Türkens auch in größeren Tüten, als mit diesen kleinen teuren Fummmeldingern
4 EL Obstessig und dann noch
200 g Johannisbrotsirup – keçiboynuzuopekmezci, geht auch Üzümpekmezci = Traubensirup

Kernig kneten – mit Maschine komfortabel, per Hand muskelstärkend – Gärkorb abstauben, den zähen Teil einfüllen, Backpapier drunter, gehen lassen, entweder eine Nacht lang im Kühlschrank oder eine Stunde in der milden Nachsommersonne auf dem Balkon, Handtuch drüber.

Handtuch weg, mit diesem Backpapier auf das Blech – backen ca. 60 Minuten bei 220° C, umdrehen, höflich an der Unterseite klopfen, höflich, sage ich, denn ein Brot, dem man nicht mit Respekt begegnet, das rächt sich. Krümelt, ist zu feucht, schmeckt mies, also bitte! Abkühlen, nachreifen eine ganze Nacht lang – afiet olsun! Man könnnt´ sich reinsetzen, süchtig werden, zulangen!

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Der tanzende Hortum


ein stimmgewaltiger Wirbelwind – heute bei uns zu Besuch. Nur weil es ayıp, vielleicht sogar çok ayıp ist, nach dem Alter zu fragen, wissen wir nicht wie alt – oder jung sie ist. Serefe, lange pensionierte Lehrerin war zu Besuch. Pensioniert? Wohl als Lehrerin an einer Grundschule hier in Alanya, unterrichtet sie – ehrenamtlich – seit Jahren, Frauen, denen es verwehrt war, lesen und schreiben zu lernen.

Heute berichtet sie von tanzenden Hortum. Hortum = Schlauch. Ein Nachbar ließ ihn zweckentfremdet auf dem Rücken seines Jüngsten tanzen. Wohl in der Absicht, diesem Striefchen endlich Gehorsam einzuprügeln. Die Lehrerin außer Diensten entwendete dem Prügelvater den Schlauch und drosch damit den Wütenden so lange, bis Ansätze von Vernunft erkennbar wurden. Mit dem Versprechen, dass lediglich die Ouvertüre zu dem, was ihn bei einem nächsten Mal erwartet.

Man sieht es ihr nicht an, dieser kleinen jungen alten Person. Aber wer sie als Lehrerin erlebte, wie sie sechzig, siebzig Kindern in der Grundschule Grundzüge des Lesen und Rechnens vermittelte, der weiß, was in ihr alles noch so stecken mag!

Irgendeiner hat da wohl Wind gesät…..


….. und wir haben Sturm geerntet –

KLEO-AKTUELL: Also, hier noch einmal eine Wetterwarnung aus belesenem Mund. Die Regionaldirektion der türkischen Meteorologie aus Antalya warnt eindringlich vor starken Gewittern in der Region, die nach jüngsten Einschätzungen spätestens in den Morgenstunden die Provinz Antalya erreichen werden. Es wird vor Niederschlägen im Bereich von 20-50 Litern pro Quadratmeter für die Bereiche Serik, Manavgat, Alanya, Gazipasa, Ibradi und Gündoğmuş gewarnt. In einzelnen Bezirken könnten auch 50-100 Liter Regen auf den Quadratmeter fallen, so die Meldung. Ferner wird gewarnt vor starken Windböen mit Geschwindigkeiten um 80 Stundenkilometer. Und noch nicht genug: Die Beamten warnen zudem eindringlich vor Hochwasser, Blitzschlag, starken Hagelschauern und der Bildung von Tornados auf dem Meer, die erhebliche Schäden an Land bringen könnten. – Na denn, eine angenehme Nacht allerseits – und (bitte) schön anschnallen!

In Alanya derzeit noch Ruhe, aber ein schwarze Wolkenwand rückt aus Richtung Manavgat heran…

….. die Ruhe vor dem Sturm war eine trügerische – es kam ziemlich schnell – und ziemlich dicke! Das tönende Windspiel unter dem offenen Dachgeschoss überbot sich im Wettbewerb um das kernige Windchen im Erzeugen von Lärm, die Metallröhren tönten, der Sturm pfiff ums Haus, der Riesenbaum zeigte seine ganze Beweglichkeit und untermalte das Geheule mit dramatischen Schattenbildern hinein in das dunkle Domizil. So sicher wie das Amen in der Kirche respektive das Allahallah in der Moschee kündigt sich alles in vorauseilendem Gehorsam vor dem gök gürültüsü durch Stromausfall an. Wir unsererseits wieder eilen zu den Steckern für Modem und Drucker, bewahren sie vor dem Verkokeln. Laut Ben Akiba alles schon mehrfach dagewesen!

Kein Wässerchen trübte der kommende Sonntagmorgen, als sei es völlig selbstverständlich, strahlte die Sepembersonne um die Wette mit einem blitzblauen Mittelmeer!

Mein Freund der Baum – und ein Wutbürger – 4 –


Mein Freund der Baum ist mit einem Wutbürger befreundet, und der bin ich! Denn wir haben einander immer noch nicht. Das liegt nicht am Baum, auf Leinwand gebracht von Ressam Ömer Muz, dem verehrten Maler in Istanbul. Er stiftete das Bild der türkischen Gemeinde Ormana zum Kültür Festival. Der Baum raschelte vernehmbar mit seinem Blattwerk, als wir einander sahen. Es war wie eine große Liebe auf den ersten Blick. Ehe er hinter den wild schäumenden Dimcayı umziehen durfte, durfte – oder musste – er in einer Kunstausstellung in Antalya herumhängen.

Die Ausstellung ist nun seit einer Woche zu Ende. Wo ist mein Baum? Kommt er zu Fuß, dann müsste er so in der Höhe von Ilica oder Ocurcalar auf der D 400 von irgendeinem gesehen worden sein. Ist aber nicht. Martina Yaman, Herausgeberin der Monatspublikation Türkis, fahndete für mich: das Bild sei doch längst per Cargo auf dem Weg nach Sarağlar. Das war vor Tagen, ist er vielleicht auf der neuen Baustraße im Schlamm stecken geblieben? Nicht zu sehen, der Baum.

Martina zeigt kriminalistische Fähigkeiten – also das ist jetzt so: die Oberkunstausstellungsgewaltige, eine offenbar äußerst Wichtige – und Wichtige und Oberwichtige gibt es offenbar zuhauf in unserer Wahlheimat Türkei, machte sich standepede auf von Antalya nach Istanbul, um wieder eine Kunstausstellung zu gebären. Was kümmert sie offenbar da noch die Hinterlassenschaft ihres überaus wichtigen Wirkens da in Antalya?

Hier stoßen sich die unterschiedlichen Kulturen – es gilt als äußerst ayıp, unfein, unhöflich, zuzugeben, dass irgend einer etwas verschlampte! Da werden orientalische Märchen erzählt! Im Gegensatz dazu verlangt der ungeduldige Deutsche einen Absendenachweis. Das ist mindestens ebenso ayıp! Ob es nützt, sich einen Revolver oder ein Maschinengewehr zu verschaffen und in Sachen Baum selbst nach Antalya zu fahren?

Die Türkei vollbringt eine Großtat – helft ihr! SZ 26.09.2014


http://www.sueddeutsche.de/politik/syrische-fluechtlinge-die-tuerkei-vollbringt-eine-grosstat-helft-ihr-1.2146092

Ohne viel Tamtam nimmt die Türkei eineinhalb Millionen syrischer Flüchtlinge auf. Die Hilfe der Europäer ist beschämend unscheinbar. EU und Nato lassen einen Verbündeten im Stich.

Kommentar von Stefan Kornelius
Ohne viel öffentliches Tamtam vollbringt die Türkei zurzeit eine humanitäre und eine politische Großtat. Anderthalb Millionen syrische Flüchtlinge haben die Grenze überquert, sie leben in Lagern oder schlagen sich durchs Land in die Städte durch. In Istanbul sitzen sie als Bettler auf der Straße. Insgesamt aber werden die Flüchtlinge in der Türkei aufopferungsvoll und unter hohen Kosten versorgt und auch dies: menschlich auf- und angenommen.

Nun rügt der türkische Präsident den Rest der Welt und vor allem die Europäer wegen ihrer mangelnden Hilfsbereitschaft. Diese Hilfe ist in der Tat beschämend unscheinbar. Die Europäische Kommission hat zwar gerade mit großer Geste weitere 215 Millionen Euro für die syrische Krisenregion zugesagt, aber nur 50 Millionen fließen in die direkte humanitäre Hilfe und ein Bruchteil davon in die Türkei.

Widersprüche im Umgang mit Syrien
Dieser Umgang ist merkwürdig gerade mit einem Verbündeten, dem in der Nato aber auch in allen Programmen der EU höchste strategische Bedeutung zukommt. Die Stabilität der Türkei, ihre politische und militärische Angreifbarkeit und ihr Einfluss in der Region – ob nun auf Russland oder auf die muslimischen Nachbarn – ist von höchster Relevanz. Wieso also wird darüber nicht geredet? Gründe gibt es immer: Die vergangenen Erdoğan-Jahre haben die Türkei und ihre Verbündeten entzweit. Das EU-Mitgliedsverfahren ist genau das – verfahren. Weder will die Türkei in die Union, noch ist die Union aufnahmebereit. Erdoğans Einfluss auf die muslimischen Bruderstaaten ist sprunghaft und undurchsichtig.

Vor allem im Umgang mit dem syrischen Krieg hat die Türkei mit großen Widersprüchen zu kämpfen. Aus dem Freund Assad wurde ein Feind. Die Aufständischen wurden überwältigt von den Terrormilizen, die Türkei selbst ist mutmaßlich eins der wichtigsten Rekrutierungsländer der Islamisten.

Auf jeden Fall aber ist die Türkei Transitland der internationalen Terror-Pendler – und dieser Terror kann jederzeit wieder über die Grenze zurückschwappen. Ergreift Ankara zu sehr Partei, wird es zum leichten Ziel. Stärkt Erdoğan die Kurden, dann holt er sich mittelfristig das Separatisten-Problem ins Land.

Geld? Daran darf es nicht scheitern!
All das sind begründete Sorgen, derentwegen die Türkei das Flüchtlingsproblem am liebsten mit sich alleine ausmachen würde. Das aber wird nicht gut gehen. Erdoğans Rede vor der UN-Vollversammlung muss man deshalb als Aufforderung zur Einmischung verstehen.

Die Türkei braucht Geld? Daran darf es nicht scheitern – aber Geld alleine reicht nicht. Die Nato sollte mit ihrem wichtigsten Verbündeten auch offen über die Sicherheit der Bündnisgrenzen reden. Die EU kann nicht nur ihre Flüchtlingspolitik ändern, sie muss mit der Türkei offensiv über die Krontolle der Dschihad-Pendler verhandeln.

Die Türkei muss jetzt wissen, dass sie Verbündete hat. Sonst werden diese Verbündeten bald mit dem Vorwurf leben müssen, sie hätten das Land im Stich gelassen – und so verloren.

Das Ruhmsteak am Diensttag – FAZ 25.09.2014


Wenn etwas schwerfällt, bieten die Didaktiker Erleichterungen an. Doch wo alle Schwierigkeiten umgangen werden, herrscht die Praxis der Unbildung. Verlernen wir die Rechtschreibung?
24.09.2014, von KONRAD PAUL LIESSMANN

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/schlechte-rechtschreibung-analphabetismus-als-ziel-13167836.html

ist gespenstisch: Eine Mutter nutzt das Angebot der Grundschule ihrer Tochter zu einem Tag der offenen Tür und nimmt interessiert am Unterricht teil. Die junge, engagiert wirkende Lehrerin spricht über Tiere, fragt, welche Tiere die Kinder kennen, schreibt die Tierarten, die ihr zugerufen werden, an die Tafel. Und dann, die Mutter traut ihren Augen kaum, steht da, groß und deutlich: Tieger.

Und das Erstaunliche daran: Das war kein Fauxpas, keine einmalige Fehlleistung, wie sie vorkommen kann, sondern hatte System, war Konsequenz der Methode, mit der die junge Lehrerin selbst schreiben gelernt hatte: nach dem Gehör! Schreiben, wie man spricht, ohne dabei korrigiert zu werden – das könnte die Kinder traumatisieren -, wird schon seit geraumer Zeit praktiziert und zeitigt nun seine sichtbaren Erfolge: das Ende der Orthographie.

Volkskrankheit Analphabetismus
Die durch die unglückselige und misslungene Rechtschreibreform provozierte Unsicherheit und Gleichgültigkeit allen Fragen eines korrekten Sprachgebrauchs gegenüber wird durch eine Didaktik verstärkt, die den regelhaften Charakter unserer substantiellen Kulturtechniken systematisch verkennt und bekämpft. Jeder, wie er will, und wer gar nicht will, kann am Ende weder lesen noch schreiben.

Die Klage von Universitätslehrern, dass Studenten auch in Fächern, in denen der sprachlichen Formulierung besonderes Augenmerk zukommen sollte, weder die Rechtschreibung noch die Grammatik beherrschen und nicht mehr imstande sind, das einigermaßen präzise auszudrücken, was sie – vielleicht – sagen wollten, zeigt, dass solche Lockerheit im Erlernen der Kulturtechniken nicht folgenlos bleibt. Wenn als Konsequenz schulischen Unterrichts am Ende ein „Sprachnotstand an der Uni“ konstatiert werden muss, dann ist zu vermuten, dass es sich nicht nur um methodisch-didaktische Schwächen, sondern um eine grundlegende Entwicklung handelt, in der sich ein prekärer Einstellungswandel manifestiert.

Gegen Ende der Bildungslaufbahn eines jungen Menschen, so scheint es, fehlt es offensichtlich noch immer an fast allem. Analphabetismus ist längst keine Metapher mehr für eine Unbildung, die nur wenige am Rande der Gesellschaft betrifft, sondern der Skandal einer modernen Zivilisation schlechthin: dass junge Menschen nach Abschluss der Schulpflicht die grundlegenden Kulturtechniken nur unzureichend, manchmal gar nicht beherrschen

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….. und so geht es noch um Einiges weiter…… schöne neue Welt

Ohrfeigen kontra political korectness ?


Was ich grade mache? Ich hadere mit mir selber. Die Blödzeitung brachte es sicher in Großbuchstaben. Aber auch die etwas seriöseren Medien berichteten. In einem Zug irgendwo in Deutschland prügelten Strolche eine Familie krankenhausreif. Weil diese sich erdreistete, die Lautstärke eben dieser Strolche zu kritisieren. So weit so schlecht! Die Leserkommentare sind ein Thema für sich.
Mein diesbezüglicher Beitrag sinngemäß: gehört es zur „political corectness“, nachzufragen, welcher Nationalität die Täter angehören?
Nun brennen mir die Wangen von all den Ohrfeigen aus allen Richtungen…..
Frage: ist eine solche Frage nicht mehr erlaubt?
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Aua! Das war zu merken! Die Ohrfeigen kamen gleichermaßen von Deutschen und Ausländern – äh, Verzeihung, natürlich von Menschen mit Migrationshintergrund. Richtig so? Da sind Mistfinken sich mangels zivilisierterer Ausdrucksweisen handgreiflich geworden – und keiner konnte oder wollte eingreifen. So weit so schlecht! Aber durch meine kurze knappe klare Frage fühlten sich gleichermaßen Deutsche und Ausländer, Verzeihung, Menschen mit Migrationshintergrund angegriffen. Die sich meldenden Ausländer, Verzeihung bitte, diese Menschen mit Migrationshintergrund drücken sich deutlich derber aus. Das liegt an deren Temperament. Obwohl sie in keiner Weise angegriffen waren. Aber das Landsmänninnen und -männer sich echauffieren, tsss. tsss….. Sind wir schon alle politisch gewollt so eingenordet, dass wir uns nicht mehr trauen, nachzufragen, welcher Nation die Stinker entstammen?

Wohin das führen kann, ist doch gerade erst aus dem Kaff namens Rotherham publik geworden. Lasst uns hier auch mal die Ellenbogen gebrauchen, ihr in Deutschland – und wir hier in unserer Wahlheimat Türkei. Wobei die Türken, in deren Land wir leben dürfen, sich durch eine andere Sozialisation auszeichnen. Die meisten von ihnen!