Mein Freund der Baum – 3 –


Noch hängt er in der Sammelunterkunft in Antalya herum, mein Freund der Baum! Vermutlich gut klimatisiert und temperiert, immerhin ist es eine Bleibe auf Zeit. Kunstverständige und dto. Banausen reden über ihn, sicher nicht mit ihm. Nicht mehr lange, dann zieht er um hinter den wild schäumenden Dimcayı. Ist er erst einmal hier, wird das Relief aus Kütahya mit seinen uralten Motiven umziehen und Platz schaffen für den Baum von Ressam Ömer Muz. In der Ausstellung, kann ich mir vorstellen, hat der Baum allmählich die Nase voll! Schließlich kann er sich, wie das im Leben häufig so ist, seine Nachbarn nicht aussuchen.

Vielleicht hat man direkt neben ihn so eine verbumfidelte Figur mit schiefer Nase und drei Augen hingebammelt, weil sie auch von einer bedeutenden Künstlerpersönlichkeit geboren war. Aber ausschaut wie der misslungene Eingriff eines Schönheitschirurgen. Vielleicht redet die auch noch während der Geisterstunde auf meinen Baum ein und der lässt die Blätter hängen. Hin wieder rede ich ja auch mit den Bildern, einige davon hängen ja hier herum. Aber weniger, denn sie reden mehr mit mir – klingt etwas plemplem, es ist aber so.

Das Relief von Bildhauer und Maler Peter Greve, einem Verwandten meiner lieben Frau, Schöpfer des Denkmals in Lengede- Sehe noch seine schwieligen Hände, seine Brille wie Flaschengläser. Hier hängen auch noch einige Aquarelle von Greetsiel. Mit Adolf Wiard Wiards war es ein besonderer Kontakt. Ich bin Maler und will mit diesem Klimbim nichts zu tun haben – er schob dem Versicherungsmakler immer seine angerostete Kasse mit den Dokumenten über den Tisch: nehmen sie heraus, was sie brauchen und sagen sie mir, wo ich unterschreiben muss.

Mein erstes Wirardsbild nahm mich gefangen auf einer Vernissage, alles das Wort schon….. Vortrag eines dieser Intellektuellen – kein Wort verstanden. Wiards um Erklärung gebeten – ganz einfach, Sie sind Teetrinker, ich auch. Deshalb habe ich eine Teekanne auf einen Baumstumpf gestellt und erhöht. Kunst kommt eben von Können und nicht von Verdrehtem. Die Kollage mit dem Teepott wartet noch auf den Umzug in die Wahlheimat Türkei…. Zwei Radierungen von Vogler/’Worpswede von Vatern, ergänzt durch eine dritte durch Schwiegermutter, warten auch noch.

Nur der „Schinken“ des Genremalers Bruno Blätter, verhasste Hinterlassenschaft der Frau meines Vaters, der steht noch in einem Keller herum.
Aber die drei von fünf Reliefs der Manessischen Handschrift, die hängen schon hier, für alle fünfe reichte dem jungen Kerl von damals nicht das Kleingeld.

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