Oberleutnant Naefs Briefe – neue Dokumente zur Schweizer Flüchtlingspolitik im 2. Weltkrieg


Neue Zürcher Zeitung – NZZ von heute morgen
Liebe NZZ-Leserin, lieber NZZ-Leser,

Erwin Naef ist keine bekannte Persönlichkeit der Schweizer Geschichte. Als Milizsoldat im Rang eines Oberleutnants absolvierte er im Herbst 1943, in einer spannungsgeladenen Zeit, seinen Dienst an der Schweizer Südgrenze im Tessin. Und damit stand er gewissermassen im Brennpunkt der damaligen Flüchtlingspolitik. Sollte er, wie befohlen, mit ganzer militärischer Härte Flüchtlinge aus dem Süden zurückweisen – im sicheren Wissen, dass er sie damit einem tödlichen Risiko aussetzte? Oder sollte er Mitgefühl zeigen und die vom Krieg gezeichneten Familien und ihre Kinder illegal in die Schweiz einreisen lassen? Naef tat beides: Einmal schickte er die Flüchtlinge zurück, einmal verhalf er ihnen zur Flucht in die rettende Schweiz. In Briefen an seine Frau berichtete Naef von seinen Gewissenskonflikten und der Lage an der Grenze. Wie wichtig seine Texte als historische Zeitdokumente sind, erläutern die Historiker Georg Kreis und Gregor Spuhler heute in der gedruckten Ausgabe der NZZ. Und auf unserer Website rollt ein Redaktions- und Technikteam um Valerie Zaslawski in einem grossen Multimedia-Spezial Naefs Geschichte auf. Lesen und schauen Sie, wie konfliktgeladen die Schweizer Flüchtlingspolitik im Zweiten Weltkrieg war.

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NZZ mail am Nationalfeiertrag unserer Wahlheimat Türkei


Stamm, Thomas
Liebe NZZ-Leserin, lieber NZZ-Leser,

Die Ambitionen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan brauchen ein passendes Heim. Darum wird heute zum Republikfeiertag der Präsidentenpalast mit 1000 Zimmern eingeweiht. Den Auftrag für das türkische Versailles hatte Erdogan noch als Ministerpräsident erteilt. Der 300 000 Quadratmeter grosse Bau wurde trotz fehlender Baubewilligung und einem Grundstück unter Natur- und Denkmalschutz erstellt. Damit wurde ein weiterer Schritt weg von Atatürks Erbe gemacht. Der Palast steht für eine neue Türkei und für die Macht des Präsidenten.

Edirne im Oktober 2014 mit Zwischenstop in Istanbul


Edirne im Oktober Zwanzighundertvierzehn
20141020_113345Istanbul, mein Istanbul. Istanbul! Eingestiegen in Kadiköy in die Fähre nach Eminönü – eine Stunde Wassergenuss, eine halbe Stunde Makrelengenuss direkt vom schwankenden Fischbraterkahn. Neben uns die Galatabrücke, wieder voller Fischer, kurze Instantdeutschstunde: Auf seine Frage: „Also, was du da in deinen Händen hälst, heißt die Angel. Du bist der Angler, der den Fisch angelt!“ „Hör auf, Yabanci, Deine Sprache ist mir zu schwer. Angeln ist leichter….“
Die unverwechselbare Kulisse von Kadiköy in natura, vielfach modifiziert von Ressam Ömer Muz, dem Maleroriginal dieser Stadt, dieses in der Welt einmaligen Universums Istanbul. Dabei ist Istanbul nur der Meilenstein zu unserem Ziel Edirne.
Hinter uns der Flug von Gazipasha. Der Flieger schüttelte sich. Ob vor Wonne, dass er dieses halbgare Flughäfelein hinter sich lassen darf, um wieder in der Zivilisation zu landen, wer weiß das schon. Sabiha Gökcen – Istanbul wächst weiter vor allem in die Höhe. Gepflegte grüne und blumenbunte Straßenränder, Parks -und Menschen Menschen, Fahrzeuge, Fahrzeuge. Großstadt. Metropole. Internationalität. Der Mann aus der Provinz staunt, wird geschubst, geknufft, aber die Knuffer und Schubser sind freundlich, wie in unserer Wahlheimat Türkei gewöhnt

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Ah, „unser“ Bosporus! Von rechts winkt der auf der asisatischen Seite der Bahnhof Haydarpasha, dunnemals vom deutschen Kaiser seinen lieben Freunden, den Osmanen, zur Eröffnung der Bagdadbahn zum Geschenk gemacht.
Die Nach-nach-nachfolger aus Berlin hingegen sind großzügiger, mit einem Bahnhof ist es lange nicht mehr getan; manche Leute wollen mehr, immer mehr. Heute verschenkt man komplette Atom-Uboote. An die uns Deutschen so wohlgesonnene israelische Regierung zum Beispiel… nein es entspricht sicher nicht politischer correctness, dieses zu erwähnen…. Einem geschenkten Barsch schaut man nicht ins Maul, oder so ähnlich….. Und von dieser Seite schon gar nicht in ein deutsches…..

Die halbstündige Fährfahrt über den Bosporus auf die die schönste Kulisse Istanbuls auf Eminönü hin. Der Fahrtwind der Fähre bläst die Reisemüdigkeit hinweg, regt den Appetit an auf mehr mehr mehr Istanbul. Das Ziel jedoch heißt Edirne. Aykut Haldan, den Freund gemeinsamen Arbeitens an der Fakülte Alanya-
Kestel. Seit Jahren ist er Dozent an der Trakyia-Universität in Edirne, wir hatten Sehnsucht zueinander. Es wird der erste Abend eines ungemein schönen Tages.
Fünf Jahre sind eine lange Zeit – es war, als hätten wir einander erst wenige Tage zuvor voneinander verabschiedet. Die Begrüßung durch Freund Aykut war herzlich – in facebook begrüßt der liebe Kerl „seine deutschen Eltern“ – die Reaktionen Vieler: herzlichst.

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Die Arbeit am nächsten Tage – Hilfe bei der Unterrichtsgestaltung. Die zwischen den Studenten und den Alten natürliche Distanz schmolz in der warmen Herbstsonne rasch dahin. Unsere Nachfrage, ob der literarische Text nicht noch zu schwer in seiner Bedeutung zu begreifen sei: Es sind auch in der Anfängerklasse bereits vollwertige Studenten und keine Schüler mehr. Schulische Aufbereitung von Fremdsprachen geschehe in der einjährigen Vorbereitungsklasse. Im ersten Semester werde Wissen vermittelt und in eigener Verantwortung aufbereitet. Punkt. Eine nächste Klasse – Fachbegriffe aus der Medizin und der Umgang mit Patienten. Ich war das arme Subjekt, ein leibhaftiger bekennender Diabetiker. Die Fragen rücksichtsvoll und zurückhaltend. Das war der arme Diabetiker so gar nicht gewöhnt. Die Aufklärung im privaten Umgang mit Ehefrau eher rau aber herzlich: futtere nicht so viel Süßes, sonst wirst du blind und deine Hinterhufe faulen ab und werden amputiert….. Ein fröhliches interessiertes Publikum, viel Gelächter, intensives Lernen neuer Vokabeln – und davon viele……

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Die Stadt Edirne im letzten Zipfel der Türkei zwischen Yunanistan und Bulgaristan – eine reizvolle und geschichtsträchtige Mittelstadt – hier lässt es sich leben – morgen mehr davon; wir haben frei!

Edirne am 22.10.20.14
Während face book vermeldet, dass im Süden die ersten schwarzen Wetterwolken den Himmel verdüstern, genießen wir hier unten weiterhin den warmen Herbst. Der gestrige Abend im siebenten Stock eines Luxushotels mit unserem Freund Aykut war etwas Besonderes. Heute ist unser freier Tag. Der blog meiner Liebsten am frühen Morgen gefüllt mit Liebesgrüßen unserer Studenten gestern. Mit ihrer Art war sie in beiden Klassen gestern der Star und wurde im fb ganze Seiten lang mit Sympathie überschüttet — mit herber Enttäuschung eines Studenten: Hiellffee! Ich bin nicht auf einem einzigen Foto! Das Fotoposing scheint Türken schon mit den Genen vermittelt zu sein. Ob die Mitteilung, dass wir seine Heimatstadt Ordu am Schwarzen Meer kennen und lieben lernten, ihm hilft, die Enttäuschung zu überwinden? Eher wohl nicht…. Große bärtige Kerle, denen der Status des Familienvaters zuzutrauen ist – mit dem Seelenleben von Kindern….
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Heute ist der Besuch von mindestens zwei Museen geplant, tote Steine gucken und den Einrichtungsstil uralter Häuser der Osmanen großartig finden; kannst ja so lange draußen warten. Eine Alternative. Dann sitze ich eben in der Sonne – und schicke dicke fette Wolken aus meiner Dampfe in den Himmel und schaue ihnen hinterher….
Morgen ist wieder Arbeit angesagt in der Universität, Freitag dann ein freier Tag mit Aykut, am Sonnabend wartet Pegasus Airlines, uns wieder zurück zu transportieren in das heimelige Flughäfelein Gazipasha – wenn der Wind weht, wo er will, nur nicht in Gazip….
Noch genießen wir die Annehmlichkeiten des Fünfsternehotels, in dem wir wohnen – mit den Mäkeleien Verwöhnter. Vierzehn Tage veranschlagt meine Frau, wenig bis überhaupt nicht interessierte Servicemitarbeiter zu motivieren und Freude an ihrem Beruf zu vermitteln. Sollte sie gefragt werden. Die große Ausnahme ist die freundliche und kompetente Bike an der Rezeption, ehemalige Studentin der Uni. Der nörgelige Alte würde einen von den fünf verliehenen Sternen ersatzlos streichen und einen weiteren durch Nichtpolieren unscheinbar werden lassen. Luxus, den wir uns nur hin und wieder leisten.
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Die größte Moschee Edirnes saugt uns ein und hält uns fest, beginnt nachhaltig, mit den Yabancı zu reden, berichtet von uralten Zeiten. Nur eine lange elektrische Schnur bewegt den Staubsauger, an dem eine ferne Figur für die irdische notwendige Reinigung sorgt. Aykut bereitete uns auf das statische Wunderwerk vor, sieben Jahre lag der Baugrund einst brach. Statiker bauten diese Camı als Modell und testeten mit dem Stand seinerzeitiger Technik die Erdbebensicherheit. Die schlichte Großartigkeit der Ausstattung hält uns fest zu weiterem nachhaltigem Gespräch in der Stille, bis ein Touristenbus bildungsbeflissene Spanier hinaus und in unsere Andacht hinein speit.
Nächster Stopp das Heilkundemuseum der Trakyia Universität. Der lange Fußweg führt durch Edirnes nackte Kehrseite. Ein ganzes großes und aufgelassenes altes „Wohn“viertel hindurch stapfen wir durch den unaussprechlichen Dreck, den Abfall, den Kehricht von Müll und – Menschen. Zu Recht oder Unrecht ist es nicht opportun, von Zigeunern zu sprechen. Hier leben sie. Leben? Existieren eben.
Über das Heilkundemuseum schafft meine liebe Frau einen besonderen Beitrag in facebook für alle in der Heilkunde Tätigen und Interessierten. Auf Anfrage auch anderen zugänglich.
Trotz der Wärme jagt dem Laien ein Schauer nach dem anderen über den Rücken beim Anblick der heilsam sein sollenden Folterinstrumente. – Guck mal, da liegt auch noch eine dieser geburtshelfenden Zangen….
In Erinnerung bleiben mir die gläsernen Schröpfköpfe, Vor Urzeiten auch noch auf meinem Rücken angesetzt. In jedem Fall mögen sie der Gesundheit förderlicher gewesen sein als jene Vielen der modernen Spezies Schröpfköpfe in Berlin, Brüssel, den Staaten und Griechenland und anderswo, die allerdings nachhaltiger wirken. An einen anderen Körperteil, der Geldbörse.
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Mittags- und Schreibruhe abgehakt, auf zu neuen Taten in das nun doch kühl und windig gewordene Edirne! Am dritten Tage beginnt eine Stadt mit dir zu sprechen, öffnet sich immer mehr. Edirne auch. Der rostige Nagel am Ärmel: bleibt stehen, meine Freunde! Oder wollt ihr an den so schön renovierten Erkerhäusern vorüberlatschen? Die kleine Seniorenpause auf der Bank: schaut hoch! In der ersten Etage ein feines Etagenkaffee!
Seht ihr darüber die lange Reihe taubenverkackter Klimageräte? Sie blasen Kühle und Bakterien nach innen. Der heruntergekommene Blutzucker in den eigenen Adern verlangt nach einer Handvoll Feigen, ehe er wieder Ruhe gibt. Ständig ist die Eheliebste verschwunden. Nicht, um mal eben Zigaretten zu holen sondern weil wieder eine Besonderheit abgelichtet werden muss. Ein Krähenschwarm lässt sich weit unter dem Straßenniveau nieder – Baulücke? Steinquader aus uralter Zeit unter dem Grün.
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Abends. Nur noch wenige Gegenden dieser schönen und interessanten Stadt bleiben unbegangen und damit unentdeckt. Der türkische Kaffee mit dem silbernen Deckel und dem Türkenhalbmond über dem Schaum, das obligatorische Glas Wasser, die appetitlichen Kekse – Genuß pur.
Morgens um acht Uhr werden die Berge frischer Fische aus Schwarzem und Mittelmeer in die Fischgasse geliefert. Aus Istanbul und aus Tekirdag werden sie herangekarrt. Lautstark werden sie an den Mann, eher noch an die Frau gebracht. Die Nichtverkauften nehmen hundertkiloweise die Hotels der Stadt ab. Durch die weibliche Neugier und die Sprachkenntnisse meiner Liebsten eröffnen sich mir ansonsten verschlossene Zusammenhänge.
Neidgelb leuchtet Edirnes Spezialität in der abendlichen Sonne: Käsehelva. Soll großartig schmecken. Aber Käse in Personalunion mit der übersüßen Masse namens Helva? Sie soll den „Studentinnen“ im Devlet Hastanesi mitgebracht werden. Vorsicht, warnt der Käsehalvaspezialist, es hält nur vier Wochen. Aber das Produkt weist eine restliche Lebensdauer von lediglich noch zehn Tagen aus. Hab´ ich doch gesagt, es hält noch vierzehn Tage. Türkische Logik, schwer nachvollziehbar. Aber morgen kriege ich gaaanz frisches – Inshallah! Wir kommen „morgen“ wieder.

Wir kaufen im voraus die Busfahrkarten für die Rückfahrt nach Istanbul; gewitzigt wie wir sind, ist die Vorsorge vor allem zum Wochenende angebracht, tausende Studenten wollen heim zu Muttern, zur Sippschaft. In der kleinen Busagentur einmal mehr das inzwischen gewohnte Ritual: Frau (die meinige) ist in Verhandlungen. Mann (fremder) unterbricht, drängelt sich vor und Frau beiseite. Vergeblich. Sie drängelt selbstbewusst zurück. Mann (fremder) irritiert. Gewöhnt eben an die erwartete Demutshaltung der Damenwelt. So kann man sich täuschen. Abends haben wir beide Rücken, lahme Hinterhufe, müde. Was wir nicht mehr wollen, ist noch ein feines, weniger feines, gar einfaches Lokanta. Erst Einkauf des superleckeren Käses aus Edirne. Empörung beim Händler, als wir nach dem leckeren Bergama-Käse fragen – wir haben hier rund um Edirne die saftigen grünen Wiesen, wir brauchen keinen Käse aus Bergama. Patsch.
Von der Bettkante genießen wir ihn, den leckeren Käse aus Edirne, der bestens mit jenem aus Bergama mithalten kann. Dazu ein Bier aus der Dose, ein Pogaca, gefüllt mit Oliven – Herz, begehrst du hoffentlich nicht noch etwas. Doch, sagt das Kalp, das Herz, vergiss vor lauter Begeisterung nicht noch die Medikamente, die mir zustehen. Gut, dass du mich an die Pflichten erinnerst, kalbim. Iyi geceler – eine wundervolle gute Nacht. Morgen werden wir wieder zur „Arbeit“ in der Dolmetscherklasse des Kollegen Dr. Rahmann….. von Freund Aykut abgeholt.
In der Nacht gab sich die Flügelross-Airline die Ehre, unseren Rückflug von Gazip. nach Antalya umleiten zu wollen, aus welchem Grunde auch immer. Die Betreiber des Flughäfeleins in Gazip. heißen zwar TAV. Aber um wirklich tough zu werden, bedarf es noch einiger grundlegender Nachrüstungen.

Die drei Doppelstunden in einer Abschlussklasse gaben einen deutlichen Einblick; Dozent Rahman war exellent vorbereitet und hatte hilfreiche Dokumentationen für seine beiden Hilfslehrer. Beste Zusammenarbeit, beste Kontakte zu den Studentinnen und Studenten, einige davon deutlich unterfordert, weil in Deutschland aufgewachsen, aber tolerant den anderen gegenüber. Türkische Höflichkeit, wenn auch aus Deutschland importiert. Geht doch!
Klar strukturierte Themen: Gesundheit – Wirtschaft – Ökonomie Politik. Gemeinsames Zerlegen der von Lobbyisten aufbereiteten Materialien. Gemeinsames Erarbeiten, wie man Texte auf ihren echten Gehalt hin reduziert. Ein Spiel in der Oberliga. Durchaus ein Arbeitstag. Der nun ausklingt. Morgen der Freitag, der ein freier Tag ist, Mit Aykut, Rahman, uns, wir freuen uns darauf, ein weiteres Stück Landschaft in Edirne und um Edirne herum kennen zu lernen. Tags darauf noch wieder eine große Nase voll Istanbul.
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Edirne, 24. Oktober 2014 – der Vorletzte
Nächtens regnete es nicht etwa nur ein wenig; der Himmel kippte tausende regenvoller Plastikeimer über Edirne aus. Notruf aus dem Hotelempfang: schließt das Fenster, es regnet doch. Selbst diese Tatsache konnte uns ob der Wassermassen nicht verborgen bleiben; wir handelten in diesem Ausnahmefall vorausschauend ohne explizite Anweisung von unten……
Die Sonne bemüht sich nach Kräften durch den feuchten Dunst. In Edirne riecht es vorwinterlich wie dunnemals in Deutschlands Ostzone! Allzu Viele schwafeln immer noch politisch völlig unkorrekt die Sülze von einer „DDR“ nach. Die gab es niemals in der Realität – nicht deutsch, schon gar nicht demokratisch und eine Republik? Hihi! Hier verirren sich heute die Braunkohlenhydrate in die Nasenschleimheute. Wenig süße, doch wohlbekannte „Düfte“….
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Ein letzter Tag heute mit Aykut, unserem Freund und Rahman, unserem neu gewonnenen Freund.
Die Buchmesse Frankfurt war gestern. Heute ist Büchermesse Edirne 2014 – hohe alte Gemäuer, geräuschvolles Leben, Schulklassen, Bücher, Autoren. Sollte es zum Allgemeinwissen im fernen Europa gehören, dass Türken schon Messer und Gabel bei der Nahrungsaufnahme benutzen, dann sei ergänzt, dass Bücher inzwischen ebenfalls zwecks Bildung und Unterhaltung herangezogen werden.
Dazu gehören sichtbar neben den Klassikern und Unterhaltsamem auch sehr viel Mutige! Von der politischen Elite vielleicht unbemerkt oder schlichtweg übersehen. Da ist die Argumentesammlung – vierzig Argumente über die Entwicklung zwischen Erdogan und der Gülenbewegung und so manches andere noch, das sogar dem Halbtürken aufgefallen ist.
Gestern noch in der Universität Edirne der gewagte Übungstext des Dozenten im Vorlesungsfach Politik – eine Replik des Vorsitzenden einer wichtigen Oppositionspartei. Mutig mutig! Der Dozent bestätigt, dass eine neue intelligente und hochmotivierte Generation heranwächst, welche im Istanbul von vor zwei Jahren mutiger und entschlossener wurde und Demokratie übt. Die Schuhkartondemokratur ist zwar noch mächtig, aber es ist nicht mehr möglich, alles Unliebsame unter den Teppich zu kehren.

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Erst habe ich nur Bahnhof verstanden, aber der alte Bahnhof Edirne war nach seiner Renovation das Rektorat der Universität, nun präsentiert er sich inmitten eines Kampus Fakultät der Künste, eine Oase am Rande eines der beiden dicht beieinander liegenden Flüsse. Aykut warnt, man solle beim Fotografieren der Anlage nicht zu weit gehen, unmittelbar da hinter beginnt Yunanistan, der europäische Nachbar Griechenland.
Herzliche Verabschiedung von Aykut und Rahman, den Doktor und das Sie haben wir der Einfachheit halber fortgelassen. Morgen, am Sonnabend 25.11.2014 geht das Ganze mit umgekehrten Vorzeichen wieder zurück: Bus vom Hotel zum otogar, per Bus bis Istanbul otogar, Metro und tramway bis Station Cetinburnu, Umsteiger bis Kabataş, Fähre von Eminönü, Bratforelle an der Galatabrücke von den schwankenden Gestalten auf dem Bratboot, weiter nach Kadiköy, mit Bus zum Flughafen Sabiha Gökcen, schließlich mit dem umgeleiteten Flieger nach Antalya und Bus bis Alanya. Das von einer in Alanya erscheinenden deutschen Publikation immer wieder so hochgeschriebene Flughäfelein in Gazipasha hat zu.
Meine Gedanken mögen die Eindrücke mit einem Zitat aus der eben erschienenen Biografie über den Ausahmepolitiker Wolfgang Bosbach, CDU, abschließen:
So lange die dicke Frau noch singt, ist die Oper noch nicht aus! Inshallah…..
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Reise Reise! Seit gestern Abend weint der Himmel sich die Augen aus und ist am Rückreisetag nicht von seiner sorgfältigen Entwässerung nicht abzubringen. Nicht zu erkunden, ob aus Kummer über die Abreise der beiden so liebgewonnenen Deutschen – oder aus Erleichterung, dass sie – aufatmen – wieder abdüsen. Das zu beurteilen liegt im Auge des Betrachters. Aber da liegt schon so viel drin, müsste mal aufgeräumt werden oder das Auge in den Regen halten, vielleicht kommt man dann zu klareren Erkenntnissen?

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Jeder dritte Jurastudent befürwortet die Todesstrafe, jeder zweite die Anwendung von Folter.


ZEIT online Fünf vor acht am 27.010.2014 Die Morgenkolumne von Martin Klingst

eder dritte Jurastudent befürwortet die Todesstrafe, jeder zweite die Anwendung von Folter. Und das sollen die künftigen Verteidiger unseres Rechts sein?
VON MARTIN KLINGST
iese Nachricht der vergangenen Tage erschien eher versteckt und wurde öffentlich kaum wahrgenommen. Dabei müsste sie gewaltiges Erschrecken auslösen. Sie rüttelt an unserer freiheitlichen Grundordnung: Jeder dritte Jurastudent, so eine neue Studie, ist für die Wiedereinführung der Todesstrafe. Und jeder zweite meint, die Anwendung von Folter sei unter bestimmten Voraussetzungen durchaus gerechtfertigt, zum Beispiel zur Rettung eines Menschenlebens oder zur Verhinderung eines Terroranschlags. Ausgerechnet jene, die eines nicht allzu fernen Tages unser Recht auslegen, anwenden und verteidigen sollen, stellen derart fundamentale Prinzipien wie das ausnahmslose Verbot von Todesstrafe und Folter in Frage.

Zugegeben, die Untersuchung des Erlanger Strafrechtsprofessors Franz Streng ist nicht repräsentativ für die Gesamtheit der deutschen Jurastudenten, sondern erstreckt sich nur auf die Rechtsschüler in Erlangen und Konstanz. Gleichwohl ist sie furchterregend. Denn seit 1989 stellt der Kriminologe Streng, wie der Tagesspiegel berichtet, den Studenten des Erst- und Zweitsemesters immer dieselben Fragen. Seit der ersten Erhebung hat sich die Zustimmung zu Todesstrafe und Folter rasant erhöht. Ähnliches berichten nach Stichproben auch Professoren anderer Universitäten.
Diese Nachricht der vergangenen Tage erschien eher versteckt und wurde öffentlich kaum wahrgenommen. Dabei müsste sie gewaltiges Erschrecken auslösen. Sie rüttelt an unserer freiheitlichen Grundordnung: Jeder dritte Jurastudent, so eine neue Studie, ist für die Wiedereinführung der Todesstrafe. Und jeder zweite meint, die Anwendung von Folter sei unter bestimmten Voraussetzungen durchaus gerechtfertigt, zum Beispiel zur Rettung eines Menschenlebens oder zur Verhinderung eines Terroranschlags. Ausgerechnet jene, die eines nicht allzu fernen Tages unser Recht auslegen, anwenden und verteidigen sollen, stellen derart fundamentale Prinzipien wie das ausnahmslose Verbot von Todesstrafe und Folter in Frage.

Zugegeben, die Untersuchung des Erlanger Strafrechtsprofessors Franz Streng ist nicht repräsentativ für die Gesamtheit der deutschen Jurastudenten, sondern erstreckt sich nur auf die Rechtsschüler in Erlangen und Konstanz. Gleichwohl ist sie furchterregend. Denn seit 1989 stellt der Kriminologe Streng, wie der Tagesspiegel berichtet, den Studenten des Erst- und Zweitsemesters immer dieselben Fragen. Seit der ersten Erhebung hat sich die Zustimmung zu Todesstrafe und Folter rasant erhöht. Ähnliches berichten nach Stichproben auch Professoren anderer Universitäten.

„Die Todesstrafe ist abgeschafft“, so steht es im Grundgesetz. Und selbst wenn es dort nicht explizit erwähnt wäre, dürfte sie nicht wiedereingeführt werden. Denn die Todesstrafe verstößt gegen die Menschenwürde und das Persönlichkeitsrecht, deren Kern besagt, dass ein Mensch niemals zum Objekt staatlichen Handelns werden darf. Aus demselben Grund ist auch die Folter verboten.

Mit anderen Worten: Befindet sich ein Verbrecher, egal wie schlimm er ist, bereits in der Gewalt des Staates, darf ihm der Staat nicht das Leben nehmen und darum auch nicht zum Tode verurteilen. Ebenso wenig darf er ihn in einem Polizeiverhör foltern, selbst wenn er sich dadurch erhofft, wahrheitsgemäße Aussagen zu erpressen, die vielleicht ein anderes Menschenleben retten könnten.

Deshalb musste sich auch vor etlichen Jahren Frankfurts damaliger stellvertretender Polizeipräsident vor einem Strafgericht verantworten. Wolfgang Daschner hatte durch einen Kollegen dem verhafteten Jurastudenten Magnus Gäfgen Folter androhen lassen, um so herauszufinden, wo Gäfgen sein Entführungsopfer versteckt hielt.

Todesstrafe und Folter verstoßen nicht nur gegen unsere Verfassung. Das Verbot gehört auch zum ehernen Wertekanon der Europäischen Union. Artikel 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) stellt ausnahmslos klar: „Niemand darf der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.“ Zwar lässt Artikel 2 der EMRK die Todesstrafe zu, aber in zwei Zusatzprotokollen haben sich sämtliche EU-Staaten dazu verpflichtet, die Todesstrafe abzuschaffen. Und nur wer dieser Pflicht nachkommt, darf Mitglied in der Union werden. In Artikel 1 des 13. Zusatzprotokolls heißt es seit 2002: „Die Todesstrafe ist abgeschafft. Niemand darf zu dieser Strafe verurteilt oder hingerichtet werden.“ Abweichungen und Vorbehalte sind ausdrücklich verboten.

Gerade Deutschland macht sich seit jeher besonders stark für die weltweite Ächtung von Folter und Todesstrafe. Seit 2009 kontrolliert die Nationale Stelle zur Verhütung von Folter regelmäßig und unangekündigt Gewahrsamseinrichtungen des Bundes und der Länder auf Missstände – Gefängnisse, psychiatrische Anstalten und Polizeidienststellen.
Auch das Verbot der Todesstrafe nehmen wir äußert ernst. So liefern wir einen von Amerika gesuchten Verbrecher nur dann an die dortige Justiz aus, wenn zugesichert wird, dass gegen ihn nicht die Todesstrafe vollstreckt wird. Erst vor ein paar Wochen, zum internationalen Tag gegen die Todesstrafe am 10. Oktober, forderte der Bundestag auf Antrag von Union und SPD die Bundesregierung auf, „Initiativen für die weltweite Abschaffung der Todesstrafe voranzutreiben und zu unterstützen bzw. – als Zwischenschritt – für ein Moratorium zu werben, insbesondere bei den Staaten China, Iran, Irak, Saudi-Arabien, USA, Japan, Somalia, Sudan und Jemen“.

Und nun das: Ein Teil unserer zukünftigen Gralshüter des Rechts zieht diese fundamentalen und in Stein gemeißelten Wertüberzeugungen in Zweifel. Sie dürften im Grunde niemals Richter, Staatsanwalt oder Kriminalkommissar werden. Sie sind nicht nur, wie einige warnen, die neue Generation der „Richter Gnadenlos“. Sie sind Verfassungsfeinde.

Das sie von dem Sauerkohle Bigos zubereitete.


Bigos 1
Bigos [ˈbiɡɔs] ist ein polnischer Krauttopf. Es ist ein traditionelles Eintopfgericht, das aus gedünstetem Sauerkraut mit verschiedenen Fleisch- und Wurstsorten sowie weiteren variierenden Zutaten besteht. Als Inbegriff der klassischen polnischen Küche angesehen, gilt es vor allem in Polen als Nationalgericht, ist darüber hinaus aus historischen Gründen aber auch in Litauen, Weißrussland und der (vor allem westlichen) Ukraine fester Bestandteil der dortigen Küchen. – Insoweit die Theorie aus Wikipedia.
„Wer im Sommer Kappes klaut, hat im Winter Sauerkraut“ – Selbstverständlich klauten wir den dicken fetten Weißkohlkopf nicht, erwarben ihn vielmehr auf dem Wochenmarkt zu Tosmur. Ein dicker fetter Weißkohlkopf ergibt drei Bimbalhoniggläser voll Sauerkohl. Angeschwenkt mit Butterschmalz und reichlich suçuk ergibt das ein Festmahl! Von der suçuk darf es die etwas bessere sein, von wegen dem Geschmack. Hmmmmmmmm! Ein Sonntagsessen, gut nach dem Regen.

Bigos 2

Sauerkohl geht so: in dünne Streifen schneiden oder hobeln, vorher waschen nachtürlich! Den Strunk nicht. Natürlich. In ein Bimbalglas, darf auch ein anderes sein, hineinschichten, auf jede Schicht nur wenig Salz, 2 Wacholderbeeren, 1 kleines Lohrbeerblatt. Stampfen. Hast keinen Stampfer? Kein Problem. Mach eine Faust und drücke das Ganze so kernig und lange, bis die Hand sauber ist und der Weißkohlsaft austritt, je mehr, je besser. Das Glas so vollstopfen, bis es über den Rand geht. Weiter drücken! Folie drüber, mit dem Deckel richtig fest zuschrauben. Drei Wochen stehen lassen. Hmmmmm!

Keine Bang, da platzt kein Glas. Hast du beim Festdrehen des Deckels nicht kernig zu gelangt, dann kommt was raus. Mit abgekochtem Wasser wieder bis oben hin auffüllen. Sauerkraut mit suçuk, himmlisch!

Kestel: die Sonne verabschiedet sich – eine notwendige Korrektur…


2014-10-Abend Kestel Strand

– nur für heute. Political correctness halber macht sie sich auf den Weg zur anderen Hälfte unserer so friedvollen Erdkugel. Kestel – es ist der 17 Oktober gegen 18 Uhr. Da wir eine komplette Stunde früher dran sind als alle da hinten in Europa, beginnt der Abend eben auch eine Stunde früher. Die Dämmerung hier ist nur ganz kurz, dann folgt nach Minuten eine milde aber tiefschwarze Nacht. Wir genossen den Abend an unserem so gut wie privaten Strand in „unserem“ Strandlokal.

Der Heimweg, etwas mühselig über die Baustraße bergauf. Die Kampfhündin des Bekci, des Nachtwächters, holt sich von jedem von uns die ihr zustehenden Streicheleinheiten. Ihr Herrchen auf Zeit – ein junger Mann, zieht nachts schweigend mit ihr um die Betonhügel, welche nun das Tal unterhalb unseres Hauses „verschönern“…. Abend. Glücklich.

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Ordnung möchte wohl sein, deshalb diese Korrektur: also, der Text ist von mir, aber das Bild hat meine liebe Frau aufgenommen. Allerdings mit meinem Handy. Aber sie hat die Palme mit der Sonne, dem Burgberg, den Leuten auf den Dhip gebannt. Ich hätte das auch machen können, aber lange nicht so stimmungsvoll. Außerdem habe ich mir, Allah sei es gedankt oder geklagt, auch das Machogehabe vieler türkischer Männer angewöhnt: mach mal. Aber ich habe es noch nicht mit Fingerschnipsen oder Augenverdrehen getan, übe noch….. Außerdem hat Luiza als Honorar eine schöne kühle Flasche Wasser erhalten. Während ich ein Bier genoss. Einschränkend: es handelte sich lediglich um ein Äffäss…..

Türkischer Kulturminister verbietet Liebesszenen in Goethe-Theaterstück


Türkei
Türkischer Kulturminister verbietet Liebesszenen in Goethe-Theaterstück
Deutsch Türkische Nachrichten | 16.10.14, 00:03
Die türkischen Behörden sind frivole Aussagen großer deutscher Dichter offenbar ein Dorn im Auge. Nun wurde die Premiere eines Theaterstücks über Johann Wolfgang von Goethe abgesagt, der Direktor warf das Handtuch. Der Grund: Sätze wie „Ich will mit Dir schlafen!“ waren dem Kulturministerium zu unanständig.

http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2014/10/505890/tuerkischer-kulturminister-verbietet-liebesszenen-in-goethe-theaterstueck/