Oh Mann, was da alles im Neuen Jahr so auf einen zukommt…..


Ganz harmlos fing das vor einigen Wochen mit einer Frage an: Kennst du das Buch mit dem Titel die Buchweizenwampe? Nie gelesen, nie davon gehört. Die Korrektur durch meine allerliebste Ehefrau folgt prompt und auf dem Fuße: steck mal deine Ohren rein, gönne ihnen neue Batterien – und höre mir besser zu! Peng! Ich sprach nicht von einer Buchweizenwampe sondern von einem Doktor namens Dr. med. William Davis und seinem Buch – die Weizenwampe.

Wie unübertroffen scheußlich der Titel schon klingt! Herr Doktor, als Akademiker hätte sich auch einen humaneren Titel einfallen lassen können. Dazu der scheele Blick auf mein dem Alter geschuldetes kleines Bäuchlein. Noch kann ich drüberschauen und sehen, was es da zu sehen gibt – zum Beispiel die Schuhspitzen. Nein, nein, mein Lieber, auch du laborierst mit einer ausgewachsenen Wampe, der Weizenwampe. Der Weizen ist, ich weiß nicht was, an allem schuld. Und die Gicht und die Verzeihung bitte, Blähungen und der Sodbrand und der Fußpilz und der ach viel zu frühe Haarausfall und überhaupt. Alles das wird dem armen Weizen in die Schuhe geschoben. Eben die ganze morgendliche absolut kalorien- und kohlenhydratfreie private Ernährungsberatung gibt es beim Frühstück zusammen mit dem Tee serviert.

Dazu das freundliche Angebot, vermutlich völlig zu Unrecht von mir als Drohung verstanden: bring mal deinen Leseplattfisch mit runter, ich spiele dir des Doktoren Erkenntnisse mal eben drauf. Keine Widerrede! Wenn ich die siebenhundert Seiten von Orhan Pamuk irgendwann ausgelesen habe, dann muss ich wohl da irgendwann mal ran.

Ich berichte – irgend wann mal…… Vorab eine frohe Adventszeit!

Rassendiskriminierung, Irakkrieg, Guantánamo – auch die USA haben Völkerrecht gebrochen. Steht Obama damit auf einer Stufe mit Putin? Mitnichten VON MARTIN KLINGS


Die ZEIT heute im Beitrag „fünf vor acht“: Der langen Sülze kurzes Resumee:

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Darum gilt: Trotz aller berechtigten Kritik ist Amerika ein Rechtsstaat, Russland hingegen in weiten Teilen ein Unrechtsstaat. Diesen fundamentalen Unterschied darf man nicht verschweigen.

Die Kohldampfen zu Manavgat …..


Es(sen) ist wieder so weit, meine liebe Frau strebt auch gen Manavgat. Sie ist auf dem Wege zu diesem Ziel nicht allein. Viele andere Frauen wollen da auch hin. Ob sie auf dem Besen reisen, mit Auto, Motorrad oder auf dem Tretroller; nichts Näheres bekannt dazu. Jetzt wird man mich als Chauvi bezeichnen, aber das höre ich ja nicht……

Man trifft sich da mehr oder weniger häufig. Da Kerle ausgeschlossen bleiben, kann ich nur mutmaßen, was sie da alles so treiben. Einige von der Fortschrittsfraktion werden an ihren elektronischen Dampfern Duftendes in sich hineinsaugen und dieses Duftende auch wieder in die Umwelt entlassen – nix mit Nikotin. Oder nur ganz wenig? Andere werden mit den Schneidezähnen an einer Möhre knabbern und sich im Nebengeräusch über die darin versteckten Kohlenhydrate austauschen. Wieder andere verabscheuen diese Rüben und kauen hörbar an einer dieser Gurken im Schlafanzug, Succhini, schmeckst du auch diesen nussigen Geschmack. Da werden Sauerkohlrezepte und andere Wichtigkeiten ausgetauscht.

Aber allesamt tipsen sie auf ihren handys herum, wieviele Kohlenhydrate zur Feier des Tages nun genehm seien. Da gibt es so ein Programm namens Fett wech oder so ähnlich. Ich habe das ausprobiert – eine Woche lang – Mann Mann, hast du es immer noch nicht kapiert? Nö. Dieses Programm zerlegt die wunderbarsten Delikatessen schnöde in Hydrate aus dem Kohlenkeller, Vitamine, Fette und was da noch so alles drin ist. Eine Teilnehmerin beichtete vordem schon, sie habe eine Mozartkugel programmwidrig genascht, vorher aber zerlegt: kein Mozart drin, aber ganz in der Mitte so ein Kohlenhydrat. Eine Kalorie ist der Entdeckung entgangen. Schande.

Dann tipseln sie. Eine Jegliche auf ihrem handy herum. Vermutlich verläuft das so: Lieber St. Appy, bitte gedenke meiner und sage mir, in welchem Aszendenten gerade Fette, Zucker und anderes Nahrhafte stehen, um sie dann in Kohlenkydrate, Kalorien, Kalium, Kalzium umzurechnen – aber bitte mit Sahne! Und bediene dich reichlich an meinem Hüftgolde und halte mich von künftigen Genußorgien ab – falls du Zeit dafür hast….

Meine liebe Frau hört, hörte, auf einen zweisilbigen Kosenamen. Von dem ich jetzt nur eine Silbe anwende, gefühlt wiegt sie nur noch die Hälfte. Eine neue Hose war auch schon vonnöten. Kürzlich besuchte uns eine liebe Bekannte, legt als Gastgeschenk zwei große Tüten Schokoladenherzen auf den Tisch. Meine Herzen jubelten und der Spuckespiegel stieg. Nee, nee, ich bin auf konsequenter low carp Diät und mein Mann darf das nicht…. Kann man sich vorstellen, wie mir das quer hinunterging? Weil sie hartherzig die beiden Tüten wieder verstaute und mitnahm.

Auch mit dem Brot ist das so eine Sache. Seit Jahrzehnten backe ich ein schmackhaftes Sauerteigmehrkornbrot für uns. Nun backt sie selber. Sieht aus wie Brot, riecht, so lange das Ding heiß ist, nach Brot, schmeckt bäh. So ungefähr wie getoasteter Bierdeckel. Sei aber soooo gesuuuund! Geh ich in mein Kämmerlein, esse nun mein Brot allein….

Ganz spurlos geht diese Ära aber auch an mir nicht vorbei, sozusagen als positiver Kollateralschaden habe ich ebenfalls abgenommen, immerhin 6 kg Fett wech, korrigiert auf den neuesten Stand = 5 kg. Auch nicht schlecht, was? Und meine Hosengürtel pfeifen schon auf dem letzten Loch….

Tropfen auf heiße Steine – 7 – aufgegeben…


Duran überragt die Palaverrunden um einen Kopf, ich weiß also immer, wo er ist. Gehe derweil im Camp herum. Im Morgenlicht hat es seine Schrecken der Dämmerung verloren. Das Grauen löst sich auf in Menschen, in hunderte tobender Kinder. Erste Freundschaften werden geschlossen, man lernt sich kennen, trinkt Tee miteinander.

Duran und die Damen kommen freudestrahlend herüber: das Eis ist gebrochen. Wir haben ab sofort Narrenfreiheit. Können handeln. Aha. Die Freiheit der Hofnarren? Oder Handlungsfreiheit? Ach Peter, du siehst das alles immer so schwarz. Bin ich fehlsichtig? Außerdem bekommen wir heute noch sechzig von unseren mitgebrachten circa. dreihundert Matratzen freigegeben. Aha? Schon wird ein LKW mit dreißig Matratzen beladen, fährt in das Camp, wir verteilen. Aber es waren doch sechzig zugesagt? Die kommen gleich. Leidergottseidank war der LKW dann verschwunden und kam auch nicht wieder……. Wir kriegen vielfach erklärt, warum das nicht anders ging. Auch wurden dem Sprachmuffel nach und nach die klaren Ansagen von drei Schnauzen übersetzt: ihr schickt uns immer nur Gebrauchtes. Wir wollen aber fabrikneue und korrekt verpackte Kleidung!….

Mittagszeit. Ein sauberer Lieferwagen offenbar einer Cateringfirma fährt ein, zwei große Kessel Essbares. Die Menschen kommen mit Töpfen. Ich schaue neugierig in die großen Behälter, will gerne mal probieren.
Eine Freundliche packt mir eine Schwerarbeiterportion Reis auf. Mehr als Dreiviertel schöpfe ich zurück, wollte nur probieren. Eine weitere Freundliche rührt in der sämigen Soße herum, angelt in der Tiefe nach einem Hühnerbeinchen und einem Stück Knorpel. Ich lasse den Beifang wieder zurück in die Soße.

Pättärr, hat sich so herumgesprochen, setz dich doch, musst nicht im Stehen essen. In dem blauen Beutel war Brot, Ekmek. Auf Brot sitzt man nicht. Ein Junge steht mit hungrigen Augen neben mir, der ihm angebotene Knorpel verschwindet sofort in einem offenbar sehr hungrigen Magen. Wieder eine dieser unleidlichen Stehkonferenzen. Dieses Mal beteilige ich mich daran als Statist. Ein kleiner Kerl, drängt sich fest an mich. Mit dem Gesicht zwischen Körper und Arm, ganz still. Von rechts dasselbe, ein anderer kleiner Kerl. Ganz still stehen sie, jede Hand auf einem Kopf, streicheln, stillhalten, streicheln. Für Minuten sind sie in einer anderen Welt. Keine Gefühlsregung, keine Träne. Zuviel müssen sie erlebt haben……

Früher Nachmittag. Auf einen riesigen Laster werden die in der hinteren Ecke aufgestapelten Nahrungmittel verladen; Ziel unbekannt. Ich bitte Mustafa, den jungen Hilfsbereiten, mit mir noch einmal in das Lager zu gehen. Vor den von uns aufgestapelten Matratzen ein Platz frei geräumt. Zwei Männer und zwei Frauen schlitzen Kartons mit gespendeter Kleidung auf, probieren an, stopfen nicht Gewünschtes wieder zurück, nächster Karton. Mit untergeschlagenen Armen stelle ich mich auf zwei Meter Abstand provokativ dazu. Sie lassen sich nicht stören, gehen mit vollen Armen davon.
Die Schlösser schnappen ein, Fleißige und Faule gehen in ihren wohl verdienten Feierabend. Unser Tagesergebnis: mit drei Frauen, einem irgendwie dazugestoßenen Fotografen, Duran und mir: dreihundert Tüten Obst und Süßes verteilt, 30 Stück Matratzen verteilt. Mager. Magerst! Hier geht nichts voran. Weil nichts vorangehen soll! P. könnte.kotzen….
Freundschaft mit bitter armen wunderbaren Menschen, Freundschaft für zwei Tage. Duran übergebe ich mein Schweizermesser. Für Mustafa, seinen Halbstarken, der ihm türkisch-kurdisch und kurdisch-türkisch übersetzt. Eine Freundschaftsgeste, nicht mehr. Das Messer liegt wieder in meinem Schreibtisch. Duran brachte es mit. Er kam zwei Tage später. Mustafa habe es wohl zurück ins Auto gelegt…. Um halb fünd Uhr im Hotel – der Empfangsbedienstete ordert einen Bus nach Alanya für fünf Uhr. Der Taxifahrer schafft es – sechzehn Stunden Nachtfahrt nach Hause.

Duran hatte mir eine Erfahrung voraus: in einem anderen Camp in Burcu, das er allein aufsuchte, flog er achtkantig hinaus! Eine Uniformierte hinderte ihn am Beten, am Fotografieren, am Zutritt. Auf seine Frage, weshalb kleine Kinder Steine schleppen und die Männer herumstehen: wir erziehen unsere Kinder eben frühzeitig zu arbeiten.

Jederzeit stelle ich mich gerne, wenn gewünscht, einer nächsten Aufgabe in dieser Richtung, trage auch die entstehenden Kosten dafür selbst. Wenn ich vorher selbst recherchiere und mir sicher sein kann, dass Spenden ohne Zwischenstationen von wem auch immer inszeniert, direkt Menschen in großer Not zugute kommen! Nur dann! Ohne ohne Publicityaktivitäten! Von wem auch immer!

Ende meines Berichts vom Erlebten in einer einzigen Woche. Leider kein Ende abzusehen bei gewolltem Elend vieler, zu vieler, Menschen. Wie war das doch gleich noch? War nicht der Begründer der christlichen Religion mit seinen Eltern in ähnlicher prekärer Situation, der Sage nach einem Stall? Frohe Weihnachten dann auch!

Tropfen auf heiße Steine – 6 – im Camp


Nie bin ich begeisterter unter die Dusche und in mein Bettchen gestiegen – nach einem langen nächtlichen Gang durch dieses schöne Sanli Urfa. Erfreut finde ich diese so wundervolle Futterstätte wieder, die meine Frau und ich schon vor zwanzig – oder mehr – Jahren schon erfreute. Kleine Gemeinschaftstische, kleine Stühlchen, dieses Mal von mir getauscht in einen richtigen Stuhl. Auf den Tischen steinerne Fliesen, dazu jeweils ein gedrungenes Messer. Mitten auf dem Tisch ein großer Korb voller Zwiebelnn.

Du kriegst, in gewärmtes Brot eingewickelt, eine kernige Portion auf dem Grill zubereitete Giger- Leberstückchen, zart gegrillt. Ein Helfer bemerkt meine Ratlosigkeit, klappt mein Brot auf, schält ratz fatz zwei Zwiebeln, würfelt, alles rüber über die Leber. Von einer Paprika wird mit den Pfoten die schwarze Pelle abgezogen, mit dem Daumen geöffnet und zerlegt, darüber. In den Salzpott, in den schon Generationen gegriffen haben mögen, salzt man selber – und oh! OH! Dazu ein Blechbecher voll Ayran. Ein Traum von Abendessen. Nervennahrung zudem.

Am anderen Morgen. Peter, was soll ich tun? Weiß ich auch nicht. Interessiert es dich, was ich in welcher Reihenfolge heute tun würde? Sag an! Also, zu allererst fahren wir zu unserem Camp und organisieren die Verteilung der dreihundert schwarzen Tüten mit Obst an die Kinder! Einen weiteren Tag wird das Obst nicht im heißen Auto verderben. Aber – ich weiß, wir dürfen das nicht, die Kinder und der Dünnschiss und die Fäkalienbehälter. Also ich mache das. Denn auch in Syrien wachsen Äpfel und Mandarinen. Eine Liste kommt, Familien mit Kindern. In Minuten ist die Verteilung beendet. Dreihundert Mütter verstecken ihre Tüte sofort unter ihren Gewändern. Siebenhundert Kinder kriegen nichts. Das Leben ist ungerecht. Das ist geschafft. Niemand hat uns heute das Verteilen verwehrt…..

02. jetzt wünsche ich einige dieser Unterkünfte zu inspizeren. Muran übersetzt und schon hat sich eine Kommission gebildet. Grußlos reißt diese jeweils den Sichtschutz auseinander. Himmeelhergottnochmal, Duran, verzeihe mir meinen gar unfrommen Ausdruck. Das sind doch keine Tiere! Ich gehe nicht mit, sondern vor, wende mein einziges kurdisches Wort an: rosch basch! Guten Morgen! Werde mehrfach hereingebeten. Will nur sehen, auf was die Menschen sitzen, liegen, schlafen, denn hier wird es bald Winter. Sehe Einwegpaletten, drünne Decken daruber. Das reicht nicht!

Die Leute haben alle Matratzen erhalten. Aber die verstecken sie. Wollen immer mehr…… Übersetzter Originalton „der Herren“.

03. Wir haben rund dreihundert Matratzen mitgebracht. Die will ich heraus haben und dann noch so einige mehr vom vergammelten Haufen. Wieder mal eine dieser von mir so geschätzten Konferenzen, sprich Palaver, laut.

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Morgen kommt noch eine letzte Fortsetzung – und ein Resümee…..

Tropfen auf heiße Steine – 5 – im Camp


Hier sei der Fortsetzung etwas vorausgesandt – denn: ehe ihr streitet, klärt die Begriffe! Es geht um die Definition des Angekommenseins! Fröhlich wird behauptet, dass „alles gut angekommen“ sei. Stimmt sogar! Nur wird völlig übersehen, wo denn „alles gut angekommen“ ist. Hier nur vorab: NICHT – oder nur zum geringsten Teil bei den Menschen, die von jetzt auf gleich als Bürger von Kobane flüchten mussten in die miese Rolle menschlicher Dispositionsmasse in Lagern – Camps….

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beim Abladen helfe ich – natürlich. Wo sollen die Matratzen hin? Die verschlossenen Tore der ungefähr zehn Meter hohen Hallen öffnen sich. Was ich da zu sehen bekam, übertrifft alles. Tränen. Der WUT! Wir laufen über zertretene Kisten mit Nudeln. Spatzenschwärme und Tauben haben hier jeden Tag Seker Bayrami! Mein erster Weg durch das Spendendorado endet vor einem Gebirge von hingeworfenen Matratzen, auf dem nackten Sandboden. Schon werden die Matratzen von unserem Wagen dazu geworfen. Ich werde überlaut: runter, raus damit! Raus! Raus! Raus! Befremden! Neden? Aber die Hilfsbereiten schalten den Rückwärtsgang ein.
Zwei unserer mitgebrachten Betten kommen bitte ich herzubringen. Aber die sind doch kaputt. Ich „repariere“ sie, mit dem Hacken donnere ich die Einlagenbretter wieder an ihren Platz. Auf diese werden nun die Matratzen geschichtet. Zwei auf die Seite gelegte Stühle erfüllen dieselbe Funktion.

Um an den „Arbeitsplatz“ heranzukommen, muss ich über Gebirge von gespendeten Kleiderbeuteln steigen, vor mir offenbar schon einige andere auch noch. Ich stehe auf Kinderklamotten, auf Herrenhosen, auf, ach auf was denn alles. Aufgerissen. Dreckig getreten. Spenden, von Gutherzigen gegeben, über tausenfünfhundert Kilometer herangeschafft. Darunter, wen wundert´s noch, auch unsere Sachen aus Alanya. Bis sechs und sieben und acht Meter hoch die Kleiderspenden. eingestaubt.

Ich mache mich selbständig, gehe tiefer in diese Lager, in einem ganz hinten in einer Ecke aufgestapelte Ölkanister, Tomatenmark, haltbare Lebensmittel. Dafür weitere Kartons und andere Behältnisse mit Essbarem wie auf einen Müllhaufen geworfen. Unfassbar. Leute Leute, ob das an die Nerven geht? An die Substanz!

Als fertig entladen ist, suchen wir unseren zweiten LKW, der mit rund einem Viertel seines Ladevolumens aus gespendeten Nahrungsmitteln. Der sei zu einem anderen Camp umgeleitet. So die Auskunft der Bonzen.

Mittlerweise sind die Hyper-, Ober-, Super-Wichtigs mit ihrem VW-Passat eingetroffen. Diese Funzionärstypen mit dem Wolfsgrinsen, wie ich es von einem SPD-Kanzlerkandidaten kenne. Fletschendes Grinsen, eiskalte Augen darüber, die noch nie im Leben lächelten. Joviales Gehabe, sonore Worte quellen aus den Mäulern. Überzeichnet? Eher nicht. Angesichts dieser Lagerhäuser. Duran, der graue Riese, bewahrt mehr Fassung, übersetzt meine Ausfälle in gar höfliches Umgangstürkisch. Lass den Yabanci doch schimpfen; wir wollen ihn ohnehin nicht verstehen. Deutlich!

Um halb vier ist die Arbeit der Burcu-Belediyesi beendet, die Schlösser schnappen ins Schloss. Der Müdüralltag ist beendet. Uns hat man nicht mal ein Glas Tee, keine Flasche Wasser, kein freundliches Wort angeboten. Deutlich genug. Man will uns hier nicht haben! Die schlichtesten Dinge türkischer, hier kurdischer Gastfreundschaft verweigert? Wir verstehen!

In die aufziehende Dämmerung hinein noch ein Antrittsbesuch im Camp. Das Obst darf nicht verteilt werden. Die Kinder sind das doch nicht gewöhnt – und die Fäkalien…. Nilüfer bekommt einen Weinkrampf, der bis in den Abend anhält. Mein Kloß im Hals wird tapfer unten gehalten. Nur keine Träne. Nur keine Träne! Nun schon dreimal nicht.