Alanya – Ankara – Beybazari – Tatvan – Bitlis – Van – Hakkari – Antalya – Teil 3 –


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Ahadé du mein lieb Ankara, liehieb Ankara ahadé – der Tatvan-Ekspres rollt, pünktlich mit plusminus einer Minute. Das Zweipersonenabteil hinreichend sauber und mit Yusuf, dem Bediensteten der TCDD, der türkischen Staatsbahn sind wir wohl behütet, bekommen einen Abteilschlüssel, selbiges hinter uns zuzusperren beim Verlassen unserer Bleibe für die nächsten geplanten achtundzwanzig Stunden über den Taurus bis nach Tatvan. Es wurden deren dreiunddreißig kurzweilige Stunden daraus. An die arbeitsamen Freunde Knarz, Klopf, Quietsch und Schleif gewönhnten wir uns rasch. Später kam noch der übereifreige Kreisch hinzu. Hinter den Kulissen, im Getriebe usw. machten sie Stunde um Stunde ihre Arbeit.

Der Tatvan-Ekspresı vermindert sein Tempo, fliegende Händler aus- oder einsteigen zu lassen; freundlicher sauberer Esatz für den nicht mitfahrenden Speisewagen. Die Weite Anatoliens wird kurz unterbrochen durch ein kleines Städtchen unbekannten Namens, Knarz und Klopf und Schleif nehmen sich eine kurze Auszeit, nehmen ihre Arbeit alsbald wieder verstärkt auf. Knarz knarzt fleißig, Klopf klopft und Schleif schleift. Quietsch hilft dabei. Als eingespieltes Trio wie auch als knarzende, klopfende und schleifende Soli. Wie von mächtigen Ellenbogen auseinandergedrückte Berge machen Platz, viele dunkle schwarze Löcher führen durch die Berge, ehe die Weite Anatoliens wieder Flüsse, frühlingsbunte Streuobstwiesen präsentiert. Der Mai ist gekommen, auch hier oben. Und der Wonnemonat erfreut uns in Überfülle mit Blüten und Duft, der auch das Innere des Zuges erreicht.

Bequem und komfortabel reisen wir im letzten Wagen. Yusuf, der Hilfsbereite: wenn ihr fotografieren odrer filmen wollt, schließe ich euch die hintere Tür auf, dann könnt er hinaustreten. Nur, das hinter der Tür – nichts ist….. Sightseeing auf den frisch überfahrenen Schienenstrang und sein Rechts und Links. Nach wenigen Minuten: wenn der alte Herr, er meint offensichtlich mich damit, schlummern möchte, dann erschließe ich ihm das Nebenabteil…. manches mal erschlägtr ceinen diese türkische Nationaleigenschaft der Hilfsbereitschaft für den fremden Gast, doch Mensch gewöhnt sich und der alte Sack will mitnichten schlummern…

Fünf Stunden ab Ankara, noch fünfudzwanzig Stunden bis Buffalo, also bis Tatvan, klein auf der Karte, der Bodensee wwürde sechs Mal hiheinpassen in den Van-See. Die ersten Yurten fahren rückwärts an uns vorüber, Nomaden residieren innerhalb ihrer Herden. Das dem Reisenden unsichtbare, jeoch unüberhörbare Arbeitsteam ist verstärkt: Klopf und Knarz haben den Kollegen Schleif hinzubekommen. Es hört sich an, wie vor Jahrzehnten die Elektrische in ihren Schienenkurven. Bis der Ritzenschieber den Schmutz entfernte und Altöl hineingoß.

Ankara nun weit hinter uns und es war auch dieses Mal: nach drei Tagen an einem Ort beginnen die Mauern zu reden! Ein rostiger Nagel am Ärmel; halt ein, schau mal nach oben, sieh dieses Prachtstrück archektonischer Kunst aus der Zeit der Osmanen, wie herrlich restauriert schau nach unten in diese Grube, freigelegt Wasserleitungen aus der Zeit der Römer. Wie geerdet abends und morgens Olive, den kleinen und eigenwilligen Strubbelköter in die Anlage der Sitesi gegenüber auszuführen, in der Hand einen abgebrochene Zaunpfahl, den Hundehaufen unter einen Kriechwacholder zu diskutieren.

Kurze Pause, sicher wird wieder ein fliegender Handelsmensch mit zerbeultem Teekessel, ein Fütterer mit Giğer, gebratenen Leberstückchen zu- oder aussteigt. Yusuf: kauft keinen Tee aus diesen Behältnissen! Ich serviere ihn euch sauber und hygienisch, gerade kommt er, Sonderservice für Yabancı mit einer Auswahl an Teesorten, ich wähle den Gingkotee. Ob Goethe ihn nur beschrieb oder auch genossen hat, wer weiß das schon.

In der Ecke unser kleinen doch angenehmen Bleibe das rote und notfalls durchschlagende Fensterertrümmerungsgerät: Imdat Çekici. Nun wissen, wir, wo der Hammer hängt.

Tiefe Dunkelheit über den weiten Ebenen hoch oben im Taurus. Nur die Schneebedeckten noch Höheren nahe Kayseri. Zwanzig Uhr gerade durch. Das nächste Etappenziel ist Sivas. Sivas, vor runden zehn Jahren mitgenommen von einem Nachbarn, der mit seiner Familie nebst Säcken voller Orangen seine Verwandten im Heimatdorf besucht.

Sivas, meine erste Zugreise in der Türkei, nach Samsun am Schwarzen Meer. Sivas. Meine erste Begegnung mit den schönsten, größten, intelligentesten Hunden der Welt, den Kangals mit dem eingerollten Schwanz. Hundepersönlichkeiten im Dorf Kangal. Sivas. Die Stadt, in welcher nur wenige JJahre vorher Andersdenkende in ihrem Tagungshotel wissentlich bei lebendigem Leibe verbrennen mussten. Weil die Feuerwehr ebenso wissentlich an ihrer Arbeit gehindert wurde. Von wem? Jetzt, nach zwei Jahrzehnten, ist es der Justiz möglich, gegen Täter zu ermitteln. Sivas.

Bild Sivas KanGAL

Wo Murat und Peter vor dem Mob flüchten mussten. Ein Mob für und ein solcher gegen kriegten sich in die Haare. Ob eine einem Obstkarren schon gefüllte Tüte schon als gekauft gelte oder eben noch nicht. Das war nicht völlig ungefährlich. Murat nahm mich bei der Hand und wir rannten quer durch die Gassen….

Ein Montagmorgen, mehr als doppelt so schön wie der bekannte junge Morgen. Eine uneingeschränkt erholsamer Schlaf auf den Klackklackädern des Van Ekspres. Allah und Yusuf bewachten den Schlaf der zwei von hinter dem wild schäumenden Dimçay. Eine Schlafpause in Malatya. Malatya, unser Wiedersehen mit Malatya. Erinnerungen. Abgewiesen vor Jahren von einem uneinsichtigen Kaysıhändler. Malatya ist Kaysıhauptstadt, die Hochebene der aromatischsten Aprikosen der Welt. Damals bewarb ich mich, als Nachtwächter eine Nacht auf seine getrockneten Früchte aufzupassen. Er lehnte ab, der Schuft. Vermutlich sah er die Gier in meinen Augen.

Malatya. Der Halt des Linienbusfahrers weit draußen: da müsst ihr erleben. Eine Yesidengemeinde bei ihren rituellen Handlungen. Herzlichstes Willkommen. Deutschsprechende Türken erklären es uns, laden ein. Schlechtes Gewissen den Buspassagieren gegenüber. Sie nehmen nicht nur nichts übel, sie hätten gerne auf die Yabancı gewartet erfreut über ihr Interesse. Unfassbar für Europa……

Bild Malatya

Malatya. hingefahren, mehr über die Morde an drei Christen eines Verlages an christlichen Schriften zu erfahren, berufliche Neugier. Was wir erfahren haben: nichts. Der Frühstückskellner unserer Bleibe warnt: fragt nichts weiter, fragt niemanden mehr.
Ich habe schon gehört von eurem Interesse. Lasst eure Finger davon. Das ist hoch politisch. Dahinter stecken Leute die viel viel mächtiger sind als ihr. Malatya, unser Malatya. Mehr als ein nächtlicher Halt.

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