Expo Antalya 2016, die nasse – 1 –


IMG_20160515_185031Es pladdert,was vom Himmel an diesem Pfingstsonntag herunter will. Doch uns trifft kein einziger Tropfen. Sanft habt der Heißluftballon ab von der nassen Umwelt, nimmt einen kräftigen Schluck aus der Gasflasche und fährt sanft nach oben. Um ein Haar schrammt er an einem der Riesenpenisse Kapadokiens vorbei. Kann der Ballonfahrer nicht besser achtgeben? Wir bewegen uns zwischen hunderten anderer bunter Ballons. Weiter aufwärts. Reinhard May wusste schon, dass über den Wolken die Freiheit grenzenlos sei. Frei bewegt sich unser Gefährt und wir in seinem Korb hoch über den Regenwolken, ehe es ebenso sanft wieder sinkt – bis auf den Grund des Mittelmeeres.

Korallen schwanken in der Dünung, autsch, mein linkes Knie schrammt einen vor langen Zeiten versunkenen steinernen Sarg. Vorsicht, wir fahren forciert auf die steinerne Mauer eines zerfallenden Gebäudes zu. Augen zu und durch! Säulen, Kapitäle, bauliche Kostbarkeiten auf dem Grund. Ich fühle den Schmerz angestoßener Zehen.

Sanft zieht man mir die klotzige Brille vom Kopf. Die Illusion im Gübretaş Pavillon auf der Expo Antalya war perfekt; zu rasch wich sie der verregneten Umwelt. Der echt gefühlte Schmerz im Kniegelenk war Phantomschmerz. Expo Antalya 2016.

IMG_20160515_172546Über die Brücke erreichen wir den Osmanischen Pavillon. Musik, Musik, so ganz anders als bei diesen mainstreamabgesonderten Tönen. Musik, osmanische Musik, die einen über die eigenen Öhrchen und die digitalen Ohren drüber direkt ins Herz dringt – und in die Seele. Musik. 1979, gehört in Isfahan. Dort, wo der Teppichhändler und ich uns eine Woche lang gegenseitig die Welt erklärten. Und in Shiraz, der Stadt der Millionen Rosen. Nun wieder erlebt. Expo Antalya 2016.

Es graut dem Abend, seit Stunden sind wir unterwegs, lassen Wetter Wetter sein, gut wasser- und winddicht verpackt. Das grasgedeckte Halbrund, das du da knipst, ist ein …….haus!“ Aua. Im Inneren sind es luxuriös ausgestattete Anlagen.

IMG_20160515_180056Blumen über Blumen Gesichts- und Geruchssinn können gar nicht genug bekommen. An der Spitze aller schönen Arrangements der holländische Pavillon. Wir verweilen, lassen es tropfen, sind froher Dinge ob all dieser Schönheit. Durch Tunnel voller Klanghölzer klingeln wir uns hin durch, einige Kopftücher grinsen gut gelaunt hinter den beiden aufgedrehten Alten her, man grüßt sich freundlich. Der Riesenglobus, hergerichtet für die Kinder, ist schon geschlossen, es dämmert schon. Kinder, so scheint es, müssen in unserer Wahlheimat Türkei wohl früh in die Betten, hihi. Da hinter die Expo-Bleiben Istanbuls und jene anderer Länder. Istanbul bietet mit seinen hoch begrünten Wänden und seinem weißen Umlauf in der Beletage eine beeindruckende Visitenkarte unserer Wahlheimat Türkei. Wir laufen nicht um, zu nass.

Nur wenige Besucher sind in der anbrechenden Dunkelheit noch unterwegs. Die Ukraine hat ihren Plünnkram noch nicht ausgepackt. Die hatten wohl noch die Siegerin der zumeist schrillen Töne zu befeiern und deshalb noch keine Zeit. Immerhin erinnerte sie in dieser Welt des Kommerzes mit ihrem Beitrag an das Schicksal ihrer Vorfahren. Ein doppelter Sieg in dieser Zeit, Erinnern an Schandbares hat derzeit keinen hohen Stellenwert. Expo Antalya 2016

IMG_20160515_193504.Ein in seiner strengen Schlichtheit angelegter asiatisch anmutender Garten. Nur zu erahnen, unbeleuchtet. Wir verweilen, genießen diese mystische Anmutung, bewegen den hölzernen Balken an die dazu gehörende große Glocke, lauschen dem langen Nachklang. Wecken den erschöpften müden bekçi, kopfschüttelnd lässt er uns machen, wir machen , wecken die Nachbarschaft auf, so schon vorhanden.

Die futuristische Visitenkarte Quatars. Herzlicher Empfang durch eine Dame, die keine Dame ist. In ihrer Haut steckt ein Kerl: die Kleidage ist für eine Frau zu schwer grinst er uns unter dem Dickkopf an. Sprachhürde und restlicher Anstand halten von der Frage ab, welche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens man wann und mit wie vielen Petrodollars man wen bestochen hat, um völlig demokratisch die Fußballweltmeisterschaft 2022 für Quatar zu akquirieren. Seppel Blatter  nebst Hofschranzen lächeln gar hold von den Wänden. Die dargebotenen Datteln waren die wohlschmeckendsten aller Datteln!

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Azerbaidşan hat noch Licht, wir schauen mal vorbei. Gegenüber latschen wir nass ein kleines Stück über die Seidenstraße. Ein Inder zeigt uns feinste chinesische Handarbeiten, fleht uns fast an, doch Platz zu nehmen und etwas zu essen. Der Hunger nach etwas Geschäft steht ihm in den Augen. Was aber, wenn Satte keinen Platz mehr haben? Doppelter Händedruck zum Abschied. Der Mann war schon Repräsentant auf der Expo 2000 Hannover. Deshalb. Wir wollen wieder hin. Die Bundesrepublik soll auch einen Stand haben. Der soll noch nicht fertig sein. Wir fahnden weiter. Beim nächsten Mal. Inshallah, es mag ein nächstes Mal geben. Dann aber gleich morgens. Das Wetter soll uns wurscht sein. Aber etwas Sonne, wie am heutigen Pfingstmontag, der hier keiner ist, würde nicht abgelehnt. Es war ein langer Tag, ein langer Abend, eine lange Nacht – Expo Antalya 2016!

IMG_20160515_172357In den frühen Morgenstunden begrüßt Nachbarriesenkangal Dost mit einem von ganz tief innen kommenden Wwwwufffff: Wascht euch den Schlamm von den Füßen, ehe ihr in die Betten steigt. Und wenn ihr mal wieder so eine schweinisch gut schmeckende Schinkenschwarte habt…. Schließlich passe ich ja auch mit auf eure Hütte auf. Kriegt er.

Eben beim ersten Korrekturlesen, musste ich Alanya immer wieder durch Antalya ersetzen. Alanya liegt mir, dem Landei von hinter dem Dimçay eben  näher…. Ach so, und ich habe gelernt, wie man man mit diesem Taschendingens auch kleine Filmchen, sogar mit Ton, herstellen kann – derzeit aber erst nur zum Wegschauen und Weghören…

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