cool – der Hunderteinserbuskaptan


… von der Stirne heiß tröpfelte der Schweiss nach dem Abstieg zum Bus zwecks Fahrens in die Stadt. Immerhin sind es vormittags schon reichliche dreißig Grad. Hier unten setzt der Hunderteinser ein. Hier macht er seine Fünfzehnminutenpause. Für uns erhebt er sich von seinem Frühstücksschattenplatz. Los, steigt man schon ein und setzt euch. Er öffnet sein Fahrzeug für uns – schaltet sofort und nur für uns die Klimaanlage ein und lässt sie nur für uns Beide eine Viertelstunde laufen. Geht, und frühstückt weiter. Wohl temperiert erreichen wir die Vorstadt Alanya.

Zu simpel, es überhaupt für erwähnenswert zu erachten? Mag sein. Aber es ist wieder einmal eine dieser speziellen türkischen alltäglichen Freundlichkeiten.

Gerade stelle ich mir einen Berliner, Hannoveraner, Castrop-Rauxeler Busfahrer in derselben Situation vor… Auch, wenn hier derzeit höhern Orts der Bär steppt – und seine Claqueure selbigen lautstark befeuern – es ist gut wohnen in unserer Wahlheimat Türkei!

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Wie schlecht geht es der Türkei wirklich?


Einer der führenden türkischen Ökonomen sagt im FAZ.NET-Interview, wie es um die Wirtschaft das Landes steht. Er erklärt, wieso die Türkei von ausländischem Geld abhängt. Und warum eine Finanzkrise unwahrscheinlich ist.

27.07.2016, von Rainer Hermann– FAZ Wirtschaft von heute, 27.07.2016http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/oekonom-seyfettin-guersel-im-interview-zur-wirtschaft-in-tuerkei-14359528.html#GEPC;s6

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Wirtschaft ist ein nicht gar so wichtiges Thema wie z. B. eine Europameisterschaft u. a. Schon ganz und gar uninteressant ein FAZ-Bericht über die Wirtschaft unserer Wahlheimat Türkei. Sollte es irgend einen Europäer geben, den einige Fakten interessieren, ohne vorher gefiltert zu sein – hier oben steht der link.

Nur ein  Faktum daraus: das Etatdefizit liegt aktuell etwas mehr als 30 %. Wer es genau wissen will, wie Mitglieder des vereinten Europa ihre eigenen Kriterien seit Jahren reißen, das Statistische Bundesamt hat die Zahlen – und liefert auch gleich die Begründung mit, weshalb das so  sein muss.

Was ich allmorgendlich in der Presse lese, vermittelt es zu 99,7 % eine einheitlich ablehnende Meinung zur Türkei. Es mag stimmen: was die Politik von oberste Stelle so lostrat und ein gar artiges Kabinett abnickte, ist schon mehr als arg. Aber nützt es, daraus eine wenig schmackhafte Sülze zu rühren und in die Welt hinaus zu schütten?

Was wir schmerzlich in unserem Umfeld sehen müssen, ist eine derzeit sehr darbende Tourismussituation – nicht zuletzt, weil in Germanien ohne Prüfung der Fakten vor Ort kernig gehetzt wird. Der Grundsatz, Angst und Zeitnot sind miserable Ratgeber, wird sträflich vernachlässigt. Nur miese Nachrichten sind offenbar gute Nachrichten.

Mit größter Hochachtung erleben wir täglich, wie die betroffenen Menschen ihre Familien über Wasser halten. Halten müssen und zusehen, wie sie über die Runden kommen. Einer unserer langjährigen Freunde ist aus Fethiye umgezogen nach Istanbul mit der Hoffnung, dort Arbeit zu finden als Fremdenführer. Zwei Hotelinhaberinnen hier in Alanya und in Kemer, ihre Familienbetriebe zu erhalten. Bei jedem Einzelnen, ob Arbeitnehmer oder Patron, ist nachhaltiges unternehmerisches Denken an jedem einzelnen Tag angesagt. Das erzeugt Respekt!

Das ist die Mehrheit der Menschen hier, die nächtlichen „Jubelperser“ auf den Plätzen ist es nicht!! Auch, wenn es zeitweilig danach ausschaut….

 

….die Reihen fest geschlossen….


dem alten Kerl, der bin ich ich, wie schon zu vermuten stand, gehen die Erinnerungen rückwärts. Und er weiß gar nicht, wodurch das wohl kommen mag. Wen der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern, die anderen Mühlen. Denken wir, das fünfzig Prozent mauern, und die andere Hälfte Mühlen errichtet.

Aber wie halbiert man einen Menschen? Der Länge nach oder eher noch in eine obere und eine untere Hälfte. Bei ersteren ist das Hirn erhalten. Im Jahre 1933, da gab es mich noch nicht, teilten sich die Deutschen. Mein Vater, Lehrer und Sozialdemokrat, Mutter Lehrerin und Sozialdemokratin, Onkel, Lehrer, Mitglied des deutschen Reichstages und Lehrer, wurden sofort aus dem Beamtenverhältnis entlassen, ohne Bezüge selbstverständlich.

1943, Berlin zerbombt, saß ich, sechs Jahre alt, auf dem Schneidertisch eines tapferen Schneiderleins in der Provinz, weil das Nest als bombensicher galt, und lernte das Horst-Wessel-Lied: die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen, XX marschiert mit mutig festem Tritt, Kameraden die Rotfront  und Reaktion erschossen, marschiert im Geist in unseren Reihen mit. Dabei nähte und bügelte der Tapfere an seiner und anderen kackbraunen Uniformen. Der gehörte wohl zur unteren Menschenhälfte.

Die tapfere Frau Schneider gehörte zur Nazi-Frauenschaft und jubelte dem Herrn Führer zu, obere Hälfte, ich höre sie noch kreischen: pscht, der Führer spricht aus dem Bakelit, das später Göbbelsschnauze hieß. Alles Heilsgekreische nützte nichts und niemanden, der Braunauer war unheilbar. Aber Peter, das sagt man doch nicht mehr, als ich mit 1945 mit dem antrainierten Heilsgruß den Exnazirektor der Schule grüßte. ??? Warum nicht…. keine Erklärung.

Alsbald das Gebilde, das sich „DDR“ nannte. Auferstanden aus Ruinen, die Oberhälften der neuen Bonzen. Die Hirnlosenunterhälften marschierten schon wieder in Reih und Glied vor den Tribünen vorbei – und jubelten. Schon wieder mit dem Glänzen in den Augen und mit lautem Schritt und Tritt. Die Oberhälften, also die einen fünfzig Prozent lavierten sich durch – bis zum betrügerischen Bankrott…

Dann begannen wieder Oberhälften, man sah sie nur die getönten Autoscheiben und vor den Mikrofonen: dem Deutschland seine Freiheit müsse man am Hindukusch verteidigen – und das erarbeitete Bruttosozialprodukt weitestgehend in Brüssel abliefern….

Ende der Durchsage. Übereinstimmungen mit eventuell lebenden Personen, egal wo und wer diese sind, sind absolut ungewollt und rein zufällig.

 

 

mercimek çorbası – es ist noch Suppe da…


Der Suppenkasper nimmt ab„Damit du nicht darben musst, während ich mal weg bin, habe ich dir für jeden Tag eine leckere Suppe gekocht“, so meine Liebste vor ihrer Reise. „Damit du groß und stark bleibst und nicht so wirst wie der da. Deshalb habe ich sie extra mit Sahne aufgemotzt.“ Die leckeren Suppen stehen nun sortenrein in Bimsüzmeyoğurteimerchen verzehrsbereit in der Tiefkühlung. Nun kam alles anders. I

Die Reise auf den Balkan war von türkischen Lehrern für türkische Lehrer geplant, Luiza war als einzige gelernte Halbtürkin zum Mitfahren und Mitgeniessen eingeladen – und zwei Tage vorher abgesagt.. Plan B: anstatt Balkan nun Balkon. Mehr nicht zum Thema…. Die für mich extra gekochten Suppenköstlichkeiten teile ich nun selbstverständlich – doppeltes Schlürfen ist vielfacher Genuss….

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Bild von Nicole Richie – internet

 

 

Meli – das Ende einer Liebesnacht….


… also, auch wir Alten wissen zwar noch wie es geht – hin und wieder geht es auch noch; wir haben uns gestern Abend neu verliebt. In ein junges und dazu auch noch sehr hübsches Mädchen: Meli. Meli, die schöne Hündin von Kangal und, weiß man nicht. Macht nix.

Melis Frauchen kann sie nicht behalten, die Nachbarn. Viele davon haben die Hosen schon voll, wenn diese Prachtköterin ihnen begegnet. Das Maul aufmachen darf sie auch nicht. Damit zumindest befindet sie sich derzeit in guter Gesellschaft… Wie viele Male haben wir die Meli-Bilder aufgerufen, geplant, gefreut.

Als es dem heutigen Morgen graute, wischte die Ernüchterung alle Vorfreude mit einem Pfotenwisch unter den Tisch. Meli, du Schöne, es geht nicht! Du brauchst junge kernige neue Besitzer. Nicht so ein Herrchen, das dir sagen müsste: warte, ich muss mir erst die Bandage übers lädierte Knie ziehen, warte, ich muss auch erst noch die Brille, die Ohren…. oh, wo ist bloß wieder das bescheuerte Schlüsselbund? Die Herztabletten? Mann, hast schon den Diabetes gespritzt?

Du brauchst einen großen Auslauf, nicht nur zwei mal am Tage für je eine Stunde mit dem Alten zum Meer hinuntergetüchtert. Du brauchst klare Ansagen, du bist eine Hütehündin. Aber bei uns gibt es nichts zu hüten, außer der Couch…

Meli, schönste Hündin mit den wachesten Augen der Welt, wir heißen dich immer gerne willkommen, wenn deine Leute mal ohne ihre Lieblingsköterin urlauben wollen oder müssen. Aber wohnen kannst du bei uns nicht. Leider. Nur, damit das klar ist, Meli.

 

Eins zwei drei – ganz Viele….


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…. hier und heute haben meine liebe Frau und ich die Ehre, über den Zuzug vieler – teils auch kritischer – Bilder von unserem Freund Rıza Duru mitteilen zu dürfen. Freund Rıza, 65, war Lehrer und Maler – oder war es umgekehrt? Geboren am dritten Januar 1950 in Eskishehir, malt seit dem Jahr 1967, seit der Ausbildung als Lehrer. Er uns seine Frau wohnten und arbeiteten in Ankara; jetzt leben sie hier in Alanya zusammen mit ihrem Hund zeytin – Olive. Zeytins Vorgänger hörte auf den Namen kimiyon, Kreuzkümmel, ein möglicher weiterer kleiner Köter, so schlugen wir es vor, sollte vielleicht ein sarmısak, Knoblauch, werden…

Seine Bilder zogen mit hierher. Rıza ist ein schweigsamer Zeitgenosse, jedes Wort kostet bei ihm mindestens zehn Lira. In Ankara durften wir uns in seinem kleinen Dachatelier umschauen. Das Werden seiner Werke mussten wir uns selbst erschließen. Er spricht ungern über seine Motive und warum er sie auf Leinwand brachte. Eines davon zu erwerben ging nicht, er gibt – gab – nichts her.

Nun packte er aus. Endlich! Weit über hundert seiner Motive werden in einiger Zeit bei uns hinter dem wild schäumenden Dimçay hängen und einigen Freundinnen, Freunden zugänglich sein. Es wird schön, die Türkei in ihren bunten Facetten zu erleben! Bunt heißt bunt, auch die ernsten Seiten.

Es wird noch dauern, die Bilder brauchen Haken und Leisten und und und. Wir sagen dann schon, wenn alles hier herum hängt…
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