Eine Bürgerin aus Schilda zu Besuch?


img_20170128_184745.jpgAbendliche Sofadiskussion: wie überwindet ein Schildkrötenkind achtzehn (in Worten Achtzehn) Stufen hinauf bis vor unsere Haustür? Um sich an der Abendmahlzeit der Katze das winzige Bäuchlein zu füllen.

Eine Flugschildkröte ist es nicht, wenn es überhaupt eine solche Art gibt. Jedenfalls hat sie keine entsprechenden Vorrichtungen. Aber wie hat sie die Stufen überwunden? Ob die uns adoptiert habende Straßenkatze uns eine Freude machen wollte?

Entweder lese ich zu viele tägliche Nachrichten aus dem Netz; es könnte auch eine dieser Drohnen sein, die im Panzer einer Schildkröte auf Nachrichtensuche sich hier hinter dem wild schäumenden Dimçay in der Adresse irrte? Um eigentlich bei einer dieser regionalen Publikumsmagneten umzuhören und um Herrn Putin Wichtiges zu funken? Denn ausschließlich nur von dort könnte Interesse an Wichtigem aus unserer Wahlheimat doch von Interesse sein? Die neue türkisch-deutsche Onlinezeitung kann ich nicht fragen…

Der sich kalt anfühlende Gast wärmt sich nun im Schildkrötengästeschuhkarton auf. In einem Schuhkarton. Denn draußen vor der Tür stehen nur unsere schon leicht abgelatschten Gartenschluffen.

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Die Entwicklung der Menschheit – und diese Türken – schon wieder . . .


Glaubt der interessierte Leser so einigen deutschen Druckmedien, sträubt sich das letzte Haar auf der Glatze: unsere durch und durch verderbte Wahlheimat Türkei hüpft einen weiteren großen Schritt rückwärts in die Steinzeit. Jetzt hat sie den Herrn Darwin und seine Relativitätstheorie nicht mehr lieb.. Die soll künftig nicht mehr gelehrt werden. Die Reaktionen der auch in dieser Sache Verständigen sind heftig.

Da ist es eine Wohltat, dass Martina Yaman, Journalistin und im Nebenberuf Mutter zweier fröhlicher Kinder wohltuend sachlich in ihren Beiträgen zum Thema. Sie dampft damit hoffentlich die heftigen Reaktionen aufgeladener Eltern, vorwiegend Mütter, auf die simplen Tatsachen ein. Gut so!

Kein Geringerer als Erich Kästner könnte hier Abhilfe schaffen?

Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt,

Behaart und mit böser Visage.
Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt
und die Welt asphaltiert und aufgestockt,
bis zur dreißigsten Etage.

Da saßen sie nun, den Flöhen entflohn,
in zentralgeheizten Räumen.
Da sitzen sie nun am Telefon.
Und es herrscht noch genau derselbe Ton
wie seinerzeit auf den Bäumen.

Sie hören weit. Sie sehen fern.
Sie sind mit dem Weltall in Fühlung.
Sie putzen die Zähne. Sie atmen modern.
Die Erde ist ein gebildeter Stern
mit sehr viel Wasserspülung.

Sie schießen die Briefschaften durch ein Rohr.
Sie jagen und züchten Mikroben.
Sie versehn die Natur mit allem Komfort.
Sie fliegen steil in den Himmel empor
und bleiben zwei Wochen oben.

Was ihre Verdauung übrigläßt,
das verarbeiten sie zu Watte.
Sie spalten Atome. Sie heilen Inzest.
Und sie stellen durch Stiluntersuchungen fest,
daß Cäsar Plattfüße hatte.

So haben sie mit dem Kopf und dem Mund
Den Fortschritt der Menschheit geschaffen.
Doch davon mal abgesehen und
bei Lichte betrachtet sind sie im Grund
noch immer die alten Affen.

Erich Kästner

 

 

Geflügelkräuterleberwurst – und sonst nichts . . .


… sie ist so leicht selbst  gemacht, die Geflügelkräuterleberwurst. Vor allem, wenn eine auch nach runden fünfzig Jahren immer noch liebende Ehefrau sie macht. Und ich die Zutaten nur mit dem „Phaeton“ herankarre und hernach hinunter latsche in den Garten, mehrere Lorbeerblätter zu animieren, mit hinaufzukommen.

Geflügelkräuterleberwurst ist leichter gekocht als darüber zu schreiben. Weil es sich in diesen Zeiten von selbst verbietet, über all das zu schreiben, was interessanter, manchmal wichtiger, viel wichtiger, wäre,  zu schreiben. „Gefährlich ist´s, den Leu zu wecken, verderblich ist des Tigers Zahn. Doch der schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn!“ Schiller wusste das in der Glocke so treffend zu formulieren…

Nun ist ein Glas fast schon leer, zwar warten noch einige tiefgekühlt auf meinen Gierschlund. Viel zu wenige natürlich, denn mein Heißhunger auf die frisch gebratene Hühnerleber und deren Herzen, mit Zwiebeln und Apfelringen vermindert natürlich die Vorratshaltung – warte doch zumindest, bis deine Leckerei auf dem Teller ist und f..ss nicht gleich die Pfanne mit.

Leber und Herzen vom Metzger, ein großer Hahn aus der Bimtruhe macht eine köstliche Hühnersuppe. Für die stand ich sogar morgens um zwei Uhr auf, ein delikates Futter für den Rest der Nacht. Die beiden Oberweiten habe ich zart geräuchert – ein Sonntagsfrühstück. Nun ist alles anstatt in trockenen Tüchern in zweit- und drittfach verwendeten Gläsern. So wie in der Politik schon lange nicht mehr alles geglaubt werden darf: auf manchem Behältnis steht außen noch anderes drauf. Nur bei der Sülze, ach, lassen wir das …

 

 

Der Lappen


Bildergebnis für Alter deutscher Führerschein

Gestern oder heute fragt in diesem unserem facebook ein Freund, ob jemand dieses Dokument noch kennt – ich!

Einmal erneuert, weil bis aufs Knochengerippe abgegeriffen. Später, man geht ja mit der Zeit, umgetauscht in dieses kleinrosane Dingsbums, das heute noch existiert. Im Jahre des Herrn Neunzehnhundertachtundfünfzig (1958) gemacht. Es gab noch den Volkswagen, der mit Zwischengas beim Schalten bei Laune gehalten wurde. Aber wehe, man gab ihm zu viel – oder zu wenig davon; das Getriebe grüßte lautstark zurück. Die geteilte Heckscheibe war schon wiedervereinigt, das Land noch lange nicht.

Ich durfte aber schon auf des Volkes Wagen Export lernen, viel Chrom dran – und mit Weißwandreifen auf dem Schulwagen – Luxus anno ´58. Ein wütender Fahrlehrer weigert sich, eine Fahrstunde im Dunkeln und auf der Autobahn zu erteilen.

Wechsel der Fahrschule, eine Dame lehrt, wie man Auto fährt. Verlangt aber noch einmal die volle Fahrstundenzahl. Weigerung von mir, Stunk hält bekanntlich jung! Dann lasse ich dich Sturkopp mit Pauken und Trompeten durchfallen. Traumhafte Voraussetzungen. Nicht mit mir. Stress schon beim Fahren mit dem Lehrbuch, es gab da noch nichts zum Ankreuzen, da wurde noch pädagogisch vorgegangen.

Beim Fahren mit dem Weißwandvolkswagen und beim Rückwärtssetzen Scheuern des Weißwandbelages Scheuern an der Bordsteinkante. Cool wischt der Prüfer ihren lautstarken Einwand, dass dieser Bengel für die autofahrende Menschheit völlig ungeeignet sei, weg: auf einen Fahrschulwagen gehören keine Weißwandwandreifen. Unterschrieb den Führerschein.

Einiges später kassierte mir ein Uniformierter auf der Autobahn zwischen Dortmund und Hagen von meinem mickrigen Lehrlingsgehalt siebzig deutsche Markt wegen überschrittener Geschwindigkeit – mit einem Volkswagen Standard, grau und lahm an einer etwas hügeligen Stelle: außerdem sind sie ziemlich rotzig gefahren, junger Mann. Meine liebe Frau würde das Rotzigfahren auch noch feststellen, selten selbstverständlich.

Man gut, dass ich diese Art zu fahren frühzeitig lernte, denn in unserer türkischen Wahlheimat fahren sie alle „rotzig“ und da muss man mithalten, will man hier nicht als Dauerschläfer erkannt und durch den Straßenbelag püriert werden …

 

Ziemlich viel, was der „Phaeton“ im hinteren Handschuhfach transportiert


Vorratsauffüllung am Freitagnachmittag bei Metro Alanya:

Kasten Äffäss Malz, 4 x 6 Flaschen Wasser, 5 kg Buntwaschmittel, 3 Packungen Knäckebrot, alles fein festgezurrt – und noch meine liebe Frau auf dem Sitzlein neben mir.

Logisch, dass unser freundliches Gefährt an der Steige etwas mühselig schnauft… nur, dass meine Liebste immer so merkwürdige Schiebhände macht . . .

Umgeflaggt – Piratenflagge out


Die schwarze Flagge mit dem einäugigen Piraten weht nicht mehr am „Phaeton“ – sie macht Urlaub in der Schreibtischschublade. Statt dessen … aber das sollte ich erklären. Ein Wohlmeinender aus der deutschen Kolonie zu Alanya riet, doch ein gut sichtbares Symbol an meinem Fahrzeug anzubringen – zu höherer Sicherheit des fahrenden Volkes innen drin. Und das ist meine liebe Frau auf dem Stühlchen des Beifahrenden – oder einer oder eine, die jubelnd und holperresistend mitfährt.

„Mach an einem langen Stab doch eine Türkenflagge dran. Diese Türken freuen sich doch, wenn ein Yabancı sie zeigt!“ Da ich immer unreflektiert mache, was man mir sagt – die Türkeifarben sind dran – und man sieht uns schon von weitem.

So weit, so noch gar nicht gut. Ich stehe dazu, die Nationalfarben unserer Wahlheimat Türkei zu Metro zum Bierkastenholen, zu Türkisens, zu Bim oder sonst wo hin zu echauffieren. Komme aber auf die mehrfachen Flaggenwechsel in einem nun doch schon etwas längeren Lebenslauf. Erst die Hakenkreuze. Der Blockwart von gegenüber in Kleinmachnow und seine noch braunere schlechtere Hälfte kontrollierten, ob auch das Schandmal geflaggt war. Sie kontrollierten auch im Hause, ob Sandeimer und Feuerpatsche herumstanden. Das Verhängnis konnte damit nicht gelöscht werden. Leider.

Dann kam die Hammerzirkelige mit ihrem Auferstanden aus Urinen und einer jahrzehntelangen sogenannten Zukunft zugewandt. Mein Vater überlebte es nicht. Aber immerhin sein leicht vergrößertes Passbild an der Wand. Schwarzrotgülden die konservativadenauersche Republik, welche uns Sch….flüchtlinge widerwillig aufnahm.Erhardt versprach den Wohlstand für alle – und selbiger kam ja auch.

Mit dem Fortschritt der Jahre dann die selbst gewählte Zeit in der Wahlheimat Türkei. Totgeschrieben und bebildert von einer Vielzahl von Medien in Germanien. Mitleid von Mitleidenden, weil wir es gar so mies haben hier.  Weil alles so fürchterlich ist, und nur deshalb führe ich die Flagge gerne. Wir haben unser Herz nicht in Heidelberg sondern in Alanya-Kestel in der Sarağlar Mahallesi hinter dem wild schäumenden Dimçay verloren und nicht nur dort, sondern überall im Lande!

Pättärr Hockenholz