Sütterlin – und die Antwort meines Freundes Erhart Kaiser


Hallo Peter, wollte einen Kommentar schicken. Geht aber offensichtlich nicht ohne Anmeldung bei Google+, Twitter oder andere Dienste. Da will ich aber nicht mitmachen. Deshalb direkt:

Obwohl ich etwa gleich alt wie Peter bin, ging Herr Sütterlin an mir vorbei. Ich durfte schon die heutige Schreibschrift lernen. Ohne Lineal, das durch die Luft pfiff. In Niederbayern, wo meine Mutter mit ihren drei Kindern dem Bombenterror in Karlsruhe entflohen war. Schließlich war ich am dritten Schultag auf dem Heimweg von Tieffliegern beschossen worden. Wie gut, dass der erste Unterrichtsstoff das Verhalten in solchen Fällen vermittelte: In den Winkel zwischen Boden und einer Wand werfen. Ich warf… Das hält keine Mutter aus!
Eine gütige bayrische Lehrerin, die keinen Unterschied zwischen den Jungbayern und den Kindern der Evakuierten machte. Evakuierung hieß das, was wir heute Flucht aus Krisengebieten nennen. Nur dass wir keine Grenzen zu überschreiten hatten. Auch die heute dringend nötige Unterscheidung zu Wirtschaftsflüchtlingen war nicht nötig. Letztere gab es schlicht und einfach nicht. Und so fremd wie heute die echten Kriegsflüchtlinge mit Resten von Pulverschmauch im Gesicht, kamen wir uns auch vor: Paralysiert aber dankbar, um Integration auf Zeit bemüht.
Niederbayrisch, die Umgangssprache, hätte absolut einen Sprachkurs gerechtfertigt. Da war die gütige Lehrerin hilfreich, die uns ohne Lineal über die Hürden des Alphabets half.
Ich musste gleich die zweite Klasse der Zwergschule besuchen, weil gerade keine Kinder meines Alters eine erste Klasse gerechtfertigt hätten. Böse Zungen behaupten bis heute, die fehlende erste Klasse habe Spuren hinterlassen.
Heute überlegt die konservative Hälfte unserer Politiker, ob die persönliche Schreibschrift mit ihren Bögen nicht abgeschafft werden sollte. Schließlich kann der Computer nur Druckschrift…
Die progressive Fraktion will die Schrift ganz abschaffen. Schließlich kann der Computer schon lange Sprachein- und -ausgabe. Unterschriften sind längst durch Passwörter ersetzt, die man auch sprechen kann, wenn man inzwischen nicht schon so verblödet ist, dass man sie nach kurzer Zeit vergessen hat. Gleich auch noch das Bargeld abschaffen. Und damit wir nicht destruktiv erscheinen, führen wir die Sexualerziehung im Kindergarten ein. Genderwahnsinn, zum Schutz der Menschenwürde und Aufwertung von kleinen Minderheiten, deren Bedürfnisse und Gewohnheiten ein Kulturgut darstellen, was die Schrift offensichtlich nicht mehr ist.
Endlich verstehe ich, was Fortschritt ist!
Erhart
aus Wikipedia
Erhart Kaiser und ich sind Freunde seit über fünfzig Jahren . . .
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