Luftschläge


Luftschläge – damit verbindet sich meist Unangenehmes bis Tödliches. Mit Luftschlägen wird politisch veranlasstes Bombardieren höflich umschrieben. Leider. Ich habe heute wie allmonatlich einige hundert Luftschläge verspürt – bei Eyüp, dem so lange schon bekannten Kuaför vor dem Freitagsmarkt.

Mangels Material auf der Hirnschale klappert er bei jedem vorgenommenen Schnitt mit seiner Schere in der Luft herum. Das kühlt, tut gut und vermittelt dem Opfer, in diesem Falle mir, das Gefühl, reichlich Wolle mehr herunterfallen zu sehen, als gewachsen.

Dafür macht sich Eyüp über das Gestrüpp etwas tiefer unter dem Kinn zu schaffen – und das ist feinste Maßarbeit! Barthaar für Barthaar macht Einzelbekanntschaft mit Figaros Schere – und meine immer  und überall freundliche Visage bekommt wieder Kontur. Wie wohl das tut, in Sachen Mensch wieder zuzulegen.

Luxusrasur pur, ein wenig Verzweiflung beim Weichei, hebt er das Riechorgan hoch und mit diesem den Kopf, hat er doch darin Schneidbares entdeckt – klapp klapper in der Luft und innen ist auch wieder alles im Lot.

Den Schreck der Schrecken erlebt man(n), wenn eine brennende Fackel dir Dreiviertel der Öhrchen abgrillt. Der Salon riecht nach Gesottenem und Gebratenem. Das war es dann aber auch; eine Stunde hinhalten, Schönheit braucht ihre Zeit, und du bist am Hirn wieder ein neuer Mensch.

Die Tuben und die Flaschen mit dem Duft der großen weiten Welt bleiben zu! Auf in den Mai!

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Türkei? Nein danke?


Viele viele viele Menschen überall in unserer Wahlheimat Türkei engagieren sich mit aller Kraft, das ziemlich verbeulte Image wieder zurecht zu rücken – Menschen, die hier gerne leben, gerade wieder nachhaltig vor allem in Alanya. Der Ideenreichtum, das Engagement, sie umzusetzen. Die Gastfreundschaft, sie hat nicht gelitten unter den Verhältnissen. Es lebt sich gut hier. Punkt.

Vieles war negiert und weshalb das so ist, es wurde  an kompetenteren Stellen ausgiebig erörtert und ist leider nicht einfach zu ignorieren. Aber so lange es nur die sogenannte „Lügenpresse“ breit latscht, geht es nicht unter die Haut.

Gestern erreicht uns das Schreiben zweier Freundinnen aus Hannover. Seit Jahren sind hier bei uns immer für zwei Wochen: „in diesem Jahr kommen wir nicht! Wir haben Angst!“

Eine klare Ansage. Leider. Das geht unter die Haut!

Bald können wir mit Zitronen handeln . . .


Bald könnten wir mit Zitronen handeln . . .

Pflanzt man Pflanzen, braucht man Geduld. Pflanzt man Bäume, ist eine Sonderration Geduld angezeigt. Unser Garten hat unter anderen Gewächsen auch zwei Zitronenbäume. Einen erhielten wir aus einem Garten, in welcher sich die Fruchtfolge änderte. Nach Zitronen wuchs dort so eine dieser schönscheußlichen Cités und es war kein Platz mehr für Bäume.

Wir sprachen um die Jahrhundertwende beim Bau unserer Hütte mit dem Bauherrn und ein Kamion brachte einen der Ausgegrabenen zu uns. Das sind nun runde fünfzehn Jahre her – und erstmalig erfreute der Alte uns im letzten Jahr mit einer Fülle sehr dickschaliger und supersaftiger Zitronen. Die gesamte Frucht abzüglich der Kerne durch den Mixer ergibt  eine gar köstliche Konfitüre und noch vieles anderes.

Vor drei Jahren kommt meine liebe Frau mit einem etwas mickrigen neuen Bäumlein an, einige dünnschalige dunkelgelbe Früchte, etwa so groß wie ein großes Hühnerei waren als Probe waren in der Baumschule so zwischen Antalya und Alanya zum probieren drangewachsen.

Drei Jahre brauchte der Zugezogene, Pflege, Dünger, selbst erzeugten Kompost und viel höfliche Ansprache, nebst Drohung, ihn zu entsorgen, wenn er nun nicht endlich aus dem Knick kommt. Zureden hilft in solchen Fällen. Er blüht so intensiv, Bienen schlappern sich voll des Nektars. Ich will es ja nicht beschreien, aber es sieht nach vielen Zitronen aus. Abwarten und cay trinken.

Maracuja – Passionsfrucht


Maracuja – Passionsfrucht

… eben am Rankgitter entdeckt: die erste Blüte der Passionsfrucht hat sich geöffnet; eine von unzähligen weiteren Blüten. Im vorigen Jahr überraschte unserer Freund Karl-Heinz uns mit zwei Ablegern – und mit einigen Früchten aus seinem und Afets Garten.

Köstlich, diese besondere Frucht zu halbieren und auszulöffeln . . .

Sorgt für Aha-Erlebnisse - die Maracuja!

unteres Bild aus Eat smarter

Der Tourismus boomt! Boomt er?


. . . man muss die Dinge nur von der richtigen Seite sehen und kommentieren. Die richtige Seite eröffnet sich hoffnungsvoll, weiß man sich geborgen auf der Seite der „Sieger.“ Da erscheinen einige Dutzend ankommender Gäste in AYT, wie attraktiv zusammengeschoben, die Ankunft einer wahren Touriinvasion. Das soll die Attraktivität der Region spiegeln. Nur wenige Tage zuvor müssen wir auf der Aflugebene wohl Tomaten auf den Augen gehabt haben. Gähnende Leere im großen Rund.

Unsere Sehschwäche in Bezug auf Urlaubsgäste, abwertend Touristen genannt, wurde zusehends besser, seit die Feiernden sich vor Atatürks Denkmal drängelten und sich amüsierten wie Bolle aufm Milchwagen, wie wir Berliner zu sagen pflegen. Obwohl nicht dabei gewesen gingen uns die Augen über angesichts der Bilder – und nun sehen wir klar! Das Hotel am Fuße unserer Hütte leuchtet wieder tags und nachts einladend. Aber wo laufen sie denn, die Gäste. Reibt man sich die Brillengläser und die Äuglein blank, dann entdeckt man sie – schau mal, da vorne zwei trotz der Kühle Halbnackte, die zum Strand streben – und guck mal, da sind ja noch zwei, nein drei….

Allen Hoteliers, allen Restaurants, allen Geschäften, allen Arbeitnehmern, die hoch oben und noch weiter hinten vom Taurus der Arbeit wegen kommen, eine halbwegs einträgliche Saison!

Wenn der Missisipi brennt . . .


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Wenn der Missisipi brennt, dann springt man doch auch nicht in die Flammen, sondern versucht nach besten Kräften von einem festen Standort aus zusammen mit anderen Menschen zu löschen. Mit diesem Vergleich machen Ayşe und Ali, Lehrer und engagierte Gewerkschafter uns Europäern die Schulsituation hier in unserer Wahlheimat Türkei verständlich. Nichts verlief  im Unverbindlichen während des Frühstücksbüfetts am Sonnabend vor Ostern.

Aynur und Rɪza, unsere lieben wachen Freunde, beide Lehrer in Pension, nahmen uns mit. Wann sonst haben Europäer nicht nur Zutritt, sondern auch das Vertrauen. Meine liebe Frau kannte die meisten Mitfrühstückenden von einer gemeinsamen Fahrt durch die Balkanländer, herzliches Wiedersehen. Ihr Ehemann, das bin ich, war eigentlich „nur mit.“ Eigentlich.

Warum ist Frontalunterricht so verbreitet, zumindest im ländlichen Bereich – warum ist nach fünf Jahren Unterricht eine einfache Verständigung in Englisch nicht möglich?      wie sieht die Zukunft der Schulen, die der Gewerkschaften aus?

Ayşe: „Unsere Eltern haben weder lesen noch schreiben gelernt. Aber sie haben uns Kindern ein Studium ermöglicht, unter Opfern und eigenem Verzicht. Wir konnten den Lehrberuf studieren.“

Die nächste Generation wird darauf aufbauen und auf dem von unserer Generation vermittelten Wissen – inshallah – Ob indessen in Zukunft die Wissensvermittlung weiter modernisiert wird, wer weiß das schon.

Ob unsere Stellen als Lehrer dann weiter bestehen, wer will darauf eine Prognose wagen. Nicht auszuschließen sei, dass der Stellenplan der Lehrer landesweit eher leerer wird? Sehr zu wünschen wäre eine noch umfangreichere Investition in Bildung, in Fantasie, in einen großen Horizont, eine wünschenswerte Investition in das –human capital-, in die Zukunft der Türkei.

Danke, liebe Gesprächspartner für ihre Offenheit!

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Hahn im Korb – nein, im falschen Revier


Mindestens drei Hähne, vermutlich aber mehr sind hinter dem wild schäumenden Dimçay nächtens und in der Morgendämmerung zu vernehmen. Es vermittelt dem Schlafenwollenden ländliche Idylle, ob er will oder nicht. Einige dieser Prachtexemplare üben noch die rechte Tonfolge. Manche lernen es nie, andere bedächtig. Dem Halbeuropäer/Halbtürken geht das zu langsam mit dem Lernen. Soll er ihnen vorkrähen, wie es zu klingen hat? Geht nicht. Was sollen denn die Nachbarn denken.

Großer Aufstand dreier nachbarlicher Viertelzöller. Mit Knüppeln und Stangen stiegen sie einem stolzen Hahn nach, der hatte sich im Nachbargrundstück verlaufen. Falsche Werkzeuge, falsche Taktik. Erfolgreiches Jagen will schließlich gelernt sein.

Weg vom Computer, rein in die Gartenschluffen,, die kleinen Kerle brachten mir fix bei, um was es geht. Weg da, ihr drei! Ausgebreitete Arme, Hahn in die Ecke. Ganz fix bestieg das große Vieh noch für einen Quicki die braune Nachbarhenne, ehe ich ihn zu packen bekam. Drei leicht schmuddlige Kinderpfoten streichelten um die Wette Hahn. Sechs schmuddlige Kinderpfoten – Abklatschen . . .

Ruhe ist wieder in der Sarağlar Mahallesi – bis zum kommenden Morgen . . .